Die außergewöhnlichen Sammlung mit Arbeiten international bedeutender Künstler des späten 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart befindet sich im Südflügel des Wittenberger Schlosses.
Die Sammlung vereinigt Werke von Rouault bis Corinth, Kandinsky und Lehmbruck, Manet und Marcks; von Barlach und Kollwitz bis Kokoschka, Dix und Beckmann; von Picasso, Rainer und Beuys bis Baselitz, Hrdlicka und Heisig; von Nolde, Pechstein und Rohlfs bis Rauschenberg, Saura und Grass; von Morgner, Mattheuer und Tübke bis Schumacher, Triegel, Belkina und vielen anderen.
Errichtet zur Förderung und Pflege von Kunst und Kultur durch die öffentliche Ausstellung der stiftungseigenen Sammlung von Grafiken der klassischen Moderne mit christlichen Themen in der Lutherstadt Wittenberg und an anderen Orten.
Die Kunstwerke der Sammlung thematisieren existentielle Grundfragen menschlichen Lebens im Spiegel biblischer Bilder, Gleichnisse oder Themen der christlichen Ikonografie. Die Sammlung zeigt eindrucksvoll die Prägung selbst der jüngsten Kunst durch die abendländisch-christliche Tradition.
Die Stiftung veranstaltet neben der Präsentation ihres Sammlungsbestandes regelmäßig thematische Sonderausstellungen, Kunstwettbewerbe und vergibt unregelmäßig Kunstpreise.
Die Stiftung kooperiert mit Kulturinstitutionen der Lutherstadt Wittenberg, Kunsthochschulen, Akademien, Stiftungen, mit Kunstvereinen und Kunstmuseen im In- und Ausland.
Durch ihre Ausstellungstätigkeit leistet die Stiftung Beiträge zur kulturellen Bildung. Dabei werden Fragen zum Verhältnis von Religion und Kunst anhand jüngerer und aktueller Werke und Werkgruppen thematisiert.
Veranstaltungen und Ausstellungen
»…in meine Nächte drangen Ungeheuer…«
Am Vorabend des von den Vereinten Nationen 2001 ausgerufenen Weltfriedenstages eröffnet die Stiftung Christliche Kunst Wittenberg am 20. September eine Kunstausstellung, die angesichts globaler Konflikte der dringenden Sehnsucht nach gerechtem Frieden Ausdruck verleiht. Gezeigt werden Grafiken und einzelne Plastiken von Künstlern, die das Grauen des Krieges, dem sie ausgesetzt waren, künstlerisch bearbeitet haben:
Vadim A. Sidur (1924, Dnipro – 1986, Moskau), Der ukrainisch-sowjetische Bildhauer, Grafiker, Kurzfilmer und Lyriker mit jüdisch-russischen Wurzeln, der als sowjetischer Soldat von einem deutschen Scharfschützen schwer verletzt wurde, zählte es zu den Wundern seines Lebens, dass ihm aus dem Land, aus dem ihm so großes Leid geschah, viele seiner besten Freunde kamen. Krieg, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, aber auch der Wille, aus den mit diesen Fragen verbundenen Leiden Perspektiven für eine humanere Welt zu bieten, bestimmen das Gesamtwerk dieses Ausnahmekünstlers. Großplastiken Sidurs stehen in Berlin, Düsseldorf, Kassel, Würzburg. Bestandteil der Wittenberger Ausstellung werden einige zentrale Werke Sidurs (Leihgaben aus Privatbesitz) sein.
Bernhard Heisig (1925, Breslau – 2011, Strodehne). Der zur Leipziger Schule gezählte Maler gilt als einer der bedeutendsten deutschen Repräsentanten der Kunst der Nachkriegszeit. Heisigs künstlerisches Schaffen reflektiert seine persönlichen Erfahrungen als kriegsfreiwilliger SS-Soldat, Kulturfunktionär in der DDR und sein Leben im Spannungsfeld von Krieg, Diktatur und gesellschaftlichem Wandel. Unsere Ausstellung präsentiert die vierundzwanzig Blätter seines Antikriegszyklus von 1976/1977. Dieser Zyklus hatte bereits früh einen autonomen Charakter im Werk des Malers. Heisig schildert den Menschen als einen, der auch in Dreck und Schlamm und Elend des Krieges ein Mensch bleibt. Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers erwarb Dr. Ulrich Scheufelen diese Mappe und stiftete sie in seine Wittenberger Kunststiftung.
Ulrich Lindner (1938, Dresden – 1924, Dresden). Der deutsche Fotografiker erlebte als Siebenjähriger das Inferno der Luftangriffe britischer Bomber auf Dresden. Er wuchs auf in der Ruinenstadt, die zeitlebens sein künstlerisches Schaffen mitbestimmte. Der Fotochemiker und Autodidakt entwickelte neuartige Bildtechniken mit verfeinerten Ausschneidetechniken, der Solarisation und fotochemischer Manipulationen. So entstand ein eigenständiges und umfangreiches Werk, aus dem wir unter Bezug auf das Thema der Ausstellung einige Arbeiten als Leihgaben aus Privatbesitz zeigen werden. Durch eine großzügige Schenkung aus dem Nachlass, vermittelt durch die Galerie Sandau/Berlin, verfügt die Stiftung seit dem vorigen Jahr über mehrere Arbeiten des Künstlers.
Ausgehend von ihren individuellen Lebens- und Kriegserfahrungen sind diese drei Künstler auch angesichts des gegenwärtigen Krieges zwischen Russland und der Ukraine mit ihrem Schaffen hoch aktuell. Die zentrale Intention der Wittenberger Ausstellung ist es, am Leben und Werk und im Vergleich dieser drei Künstler zueinander einen Orientierungsbeitrag um die Problematik von Leben und Zerstörung oder von Krieg und einem Leben in Frieden und Freiheit zu leisten.
Eröffnung: 20. September 2025, 17 Uhr
Die Wiederkehr des Lichts
Sonntag, am Morgen. Ich komme in die Schlosskirche. Die Sonne scheint durch die bunten Glasfenster. Es leuchtet Maria mit dem Jesuskind, darunter stehen die Besucher aus dem Morgenland. In der Mitte über dem Altar sehe ich den Gekreuzigten. In dem Fenster daneben der Auferstandene und die Jünger zu Pfingsten. Gemalt nach Holzschnitten von Albrecht Dürer. Ein überwältigendes Bild, das Evangelium farbig leuchtend. Wenig später sitze ich im Altarraum. Die Orgel spielt und der Gottesdienst beginnt. Gleich werde ich zum Altar gehen. Vor mir auf dem Fußboden und an den Wänden spiegeln sich farbige Punkte, Streifen und Flecken. Sie kommen von der Sonne, die durch die Fenster ihr Licht wirft. Rot, Gelb, Blau, langsam wandern die Farben durch den Raum. Ein Farbenspiel aus dem Himmel durch die Kunst der Glasmaler gebrochen und geerdet. Lässt sich dieses Spiel einfangen und konservieren? Im Gemälde oder besser im Foto? Wird eine so entstehende Momentaufnahme die Kraft des Originals und die Bewegung festhalten können? Eher nicht. Doch in der Betrachtung des fotographischen Werkes wird eine Erinnerung wach, entfaltet sich die Wirkung der Strahlen im Herzen und in den Gedanken. »Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?« diese und ähnliche Worte der Hoffnung verbinden sich mir mit dem Licht aus den Fenstern. Später beim Vaterunser und Segen sind die Farben durch den Raum gewandert. Aber morgen, am Montag, wenn die Sonne scheint, kommen sie wieder. Das Farbspiel im Moment einzufangen, haben wir die Fotokünstlerin Magret Hoppe beauftragt.
Christian Beuchel (Superintendent von 2003–2018 in Wittenberg, 2016–2018 Pfarrer der Schlosskirchengemeinde, Vorsitzender des Freundeskreises)

