Als eines der größten kulturgeschichtlichen Museen Deutschlands vermittelt die Stiftung Stadtmuseum Berliner Kultur und Geschichte von der Ur- und Frühgeschichte bis heute.
Die einzigartige Sammlung an sechs Ausstellungsstandorten und einem Zentraldepot umfasst mehrere Millionen Objekte. Zu den Standorten gehört seit Eröffnung des Humboldt Forums im Berliner Schloss auch die Ausstellung BERLIN GLOBAL, die als ein Ort der Entdeckung, Kommunikation und Partizipation die Verbindungen Berlins mit der Welt zum Thema hat.
Die Stiftung Stadtmuseum Berlin, Landesmuseum für Kultur und Geschichte Berlins, ist eine Stiftung öffentlichen Rechts mit Sitz in Berlin. Zugleich wird sie vom Engagement und den Spenden der Stadtgesellschaft mitgetragen.
Ihre gemeinnützige Aufgabe ist es, »Kunstwerke und sonstige Kulturgüter zur Kultur und Geschichte Berlins zu sammeln, zu bewahren, zu pflegen, zu erforschen, in ständigen Schausammlungen sowie in Wechselausstellungen in museumsüblichem Umfang der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Auswertung der Bestände für die Wissenschaft und die Volksbildung zu ermöglichen«.
Über die Sammlung
Die Stiftung Stadtmuseum Berlin bewahrt und pflegt in ihrem Depot etwa 4,5 Millionen Objekte zur Kultur und Geschichte der Stadt.
Ausgewählte Objekte zu unterschiedlichen Themenschwerpunkte werden anlässlich wechselnder Dauer- und Sonderausstellungen in den sechs Museen der Stiftung sowie in Zusammenarbeit mit anderen Museen präsentiert.
In Qualität und Fülle gehört der kontinuierlich weiter wachsende Bestand zu den größten stadt- und kulturhistorischen Sammlungen in Deutschland. Die gesammelten Objekte stehen zudem der wissenschaftlichen Forschung und anderen Museen als Leihgaben zur Verfügung.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Aufbruch in die Moderne – Prominenz aus dem Stadtmuseum Berlin in der Berlinischen Galerie
Das Stadtmuseum Berlin besitzt herausragende Gemälde prominenter Vertreter:innen der klassischen Moderne. Zwölf Highlights aus dieser hochkarätigen Sammlung sind seit Oktober 2022 zu Gast in der Berlinischen Galerie.
In der Ausstellung Aufbruch in die Moderne setzen sie neue Akzente und treten in den Dialog mit den Werken der Berlinischen Galerie.
Hintergrund dieser Kooperation sind umfangreiche Renovierungsarbeiten im Märkischen Museum. Ab 2023 schließt das Stammhaus der Stiftung Stadtmuseum Berlin für voraussichtlich vier Jahre.
Um auch während dieser Zeit bedeutende Schätze der Gemäldesammlung präsentieren zu können, entstand gemeinsam die Idee, ausgewählte Werke in die Dauerausstellung »Kunst in Berlin 1880–1980« zu integrieren. Eine besondere Stärke der Sammlung des Stadtmuseums Berlin ist die Kunst der frühen Moderne.
Moderne in Berlin
Höhepunkt der Präsentation ist das eindringliche Portrait des Industriellen, Kunstsammlers und späteren Politikers Walther Rathenau, das der Norweger Edvard Munch 1907 in Berlin geschaffen hat. Mit Munchs Ankunft in der Reichshauptstadt begann 1892 die Moderne in Berlin. Seine Ausstellung im Verein Berliner Künstler wurde nach wenigen Tagen geschlossen, weil konservative Mitglieder aufs Schärfste gegen seine neuartige Malerei protestierten. Im selben Jahr hatten sich fortschrittliche Kunstschaffende, darunter Max Liebermann und Walter Leistikow, zur »Vereinigung der XI« zusammengeschlossen, um dem Berliner Publikum die neuesten Tendenzen deutscher Kunst nahezubringen. Auch die Ausstellungen dieser ersten modernen Künstler:innengruppe wurden als Affront gegen den konservativen Kunstgeschmack zur Zeit Kaiser Wilhelms II. empfunden. Aus der »Vereinigung der XI« ging 1898/99 die »Berliner Secession« hervor. An deren Ausstellungen nahm in der Folge unter anderem auch Munch regelmäßig teil.
Musica di Strada. Italiener:innen in Prenzlauer Berg
Handel, Handwerk & Musik: Mechanische Musikinstrumente des Stadtmuseums Berlin im Museum Pankow
Mit der Gründung des Königreichs Italien 1861 begann die Zeit der »großen Migration«. Bis 1914 verließen rund 14 Millionen Menschen ihre Heimat. Ein Ziel war Berlin. Die gemeinsame Ausstellung des Museums Pankow und des Stadtmuseums Berlin erzählt die Siedlungs- und Migrationsgeschichte der Italiener:innen in Prenzlauer Berg. Objekte aus dem Stadtmuseum Berlin ergänzen die Ausstellung.
Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 kamen viele Italiener:innen in die boomende Metropole Berlin. Bereits um das Jahr 1900 lebten rund 1.300 Italiener:innen in der Hauptstadt. Mit der wachsenden Bevölkerung breitete sich die Stadt vor allem gen Norden aus. Viele siedelten sich im heutigen Prenzlauer Berg an. In der Gegend um Pappelallee und Schönhauser Allee entstand eine rund 250-köpfige italienische Gemeinschaft. Mit ihren traditionellen Handwerkskünsten und Berufen prägten sie den Berliner Ortsteil über Jahrzehnte.
Familien in Prenzlauer Berg
Weltbekannt wurde die Firma Cocchi, Bacigalupo & Graffigna aus der Schönhauser Allee mit der Produktion von Drehorgeln und Orchestrien.
Einige Exemplare sind in der Sonderausstellung zu sehen. Dazu gehören auch die mechanischen Musikinstrumente aus der Musikaliensammlung des Stadtmuseums Berlin. Im Zuge der mehrjährigen, umfangreichen Erneuerung des Märkischen Museums ziehen sie nach Pankow. Darunter befinden sich Drehorgeln (auch Leierkästen genannt), Pianolas (selbstspielende Klaviere) und einzigartige Objekte wie das Orchestrion Fratihymnia.
Dekoloniale – was bleibt?!
Dezentrale Ausstellung an verschiedenen Orten in Berlin-Mitte
Am 14. November 2024 eröffnen das Modellprojekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt und das Stadtmuseum Berlin die gemeinsame dezentrale Ausstellung »Dekoloniale – was bleibt?!«. Sie thematisiert die jahrhundertelange Verstrickung Berlins in die globale Versklavungs- und Kolonialgeschichte und setzt sich kritisch mit dieser gewaltvollen Vergangenheit auseinander.
Die Ausstellung schaut auf drei prominente Orte der Kolonialität in Berlin-Mitte: auf das Museum Nikolaikirche als Grabstätte kolonialer Akteur:innen, auf das (post)koloniale Flächendenkmal des »Afrikanischen Viertels« und auf den historischen Ort der Berliner Afrika-Konferenz von 1884/85 in der Wilhelmstraße 92. Dabei wird der Kolonialrassismus öffentlicher Orte nicht nur sichtbar gemacht. Er wird vielmehr mit widerständigen afrikanischen, asiatischen und diasporischen Perspektiven überschrieben.
»Dekoloniale – was bleibt?!« markiert den Abschluss der ersten Projektphase von Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt. Die Ausstellung fragt, was es heißt, konsequent und nachhaltig zu erinnern.
AUSSTELLUNGSORTE
Museum Nikolaikirche, 10178 Berlin
Im Museum Nikolaikirche werden zwei Ausstellungen präsentiert: »Koloniale Gespenster – Widerständige Geister. Kirche, Kolonialismus und darüber hinaus« und »Eingeschrieben. Kolonialismus, Museum und Widerstand«.
Die Ausstellung »Koloniale Gespenster – Widerständige Geister. Kirche, Kolonialismus und darüber hinaus« zeigt anlass- und ortsspezifische künstlerische Arbeiten der Dekoloniale Berlin Residents Tonderai Koschke, Charlotte Ming, Percy Nii Nortey, Yangkun Shi und Theresa Weber. Die künstlerischen Arbeiten fokussieren auf die Kirche als Ort der Verflechtung von Kolonialismus, Religion, Politik und Geschichtsschreibung der Berliner Bürger:innenschaft. Dabei bedienen sie sich christlicher Ikonografien und Ästhetiken und wenden diese künstlerisch.
Außerdem intervenieren die Residents an anderen Ausstellungsorten von »Dekoloniale – was bleibt?!«: Theresa Weber und Percy Nii Nortey am historischen Ort der Berliner Afrika-Konferenz in der Wilhelmstraße 92 und Tonderai Koschke im U-Bahnhof Afrikanische Straße der Linie U6.
Im Zentrum der historischen Ausstellung »Eingeschrieben. Kolonialismus, Museum und Widerstand« im Museum Nikolaikirche stehen acht Kurzbiografien. Sie zeigen einerseits, wie Kolonialismus und Versklavungshandel mit der Nikolaikirche und der Stiftung Stadtmuseum Berlin verwoben sind. Andererseits erzählen sie von widerständigen Persönlichkeiten, die hier bislang nicht gewürdigt wurden. Die Ausstellung fragt danach, wer in europäischen Museen und Kirchen verewigt ist und wer nicht.
Wilhelmstraße 92, 10117 Berlin
Ausstellung: »Erinnern. Entschuldigen. Entschädigen.«
Die Wilhelmstraße 92 ist der Ort, an dem 1884/85 – vor 140 Jahren – in der ehemaligen Reichskanzlei die Berliner Afrika-Konferenz stattfand. Hier wurde über die (weitere) Ausbeutung und Aufteilung Afrikas durch die Kolonialmächte verhandelt; hier etablierte sich Deutschland als Kolonialmacht. Heute befindet sich am historischen Ort der Täter das Projektbüro von Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt.
Die in der Wilhelmstraße präsentierte Ausstellung »Erinnern. Entschuldigen. Entschädigen.« widmet sich der Geschichte der Konferenz und des afrikanischen Widerstandes gegen die Umsetzung ihrer Beschlüsse. Sie erzählt vom langjährigen zivilgesellschaftlichen Engagement für einen zentralen antikolonialen Lern- und Gedenkort in Berlin und von der Bedeutung, die der Kolonialismus bis heute hat.
»Afrikanisches Viertel“, 13351 Berlin und »Asiatisch-Pazifische Straßen«, 13353 Berlin
Mit der im August 2024 vorgenommenen Einweihung der Maji-Maji-Allee sowie der Anna-Mugunda-Allee hat sich das größte Kolonialviertel Deutschlands, das »Afrikanische Viertel« im Stadtteil Wedding, in das erste Antikolonialviertel verwandelt. Nirgendwo sonst in Deutschland finden sich so viele Ehrungen für antikoloniale Widerstandskämpfer:innen wie hier.
Diese Transformation des Viertels verdanken wir dem jahrzehntelangen Aktivismus von Einzelpersonen und Initiativen. Diese werden nun in Form einer stadtweiten Fotoausstellung und bei Community-Veranstaltungen gewürdigt.
Berliner Höfe – Zwischen Alltag, Arbeit und Begegnung
Berlin ist die Stadt der Hinterhöfe: verdichtet, vielfältig, belebt. Wer trifft sich hier? Wie wandeln sich diese Räume? Und: Was ist los im Hof?
Berliner Höfe haben viel zu erzählen. Spätestens seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert ist Berlin ein Anziehungspunkt für Menschen aus anderen Regionen Deutschlands und aus anderen Ländern. Stadtgeschichte war also immer auch Migrationsgeschichte.
Durch enormes Bevölkerungswachstum, räumliche Ausdehnung und bauliche Verdichtung ist Berlin wie keine andere Stadt von Hinterhöfen geprägt – ob als Wohnhöfe, Schulhöfe, Gewerbehöfe, Atelierhöfe, Hofgärten oder Hof-Restaurants. Ihre Geschichte ist vielfältig, genauso wie die Menschen, die sie beleben. Mit der Sonderausstellung »Berliner Höfe« im 3. Obergeschoss des Museums Ephraim-Palais lädt das Stadtmuseum Berlin Sie dazu ein, diese Stadträume zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu erkunden.
Die Höfe stehen beispielhaft für das städtische Zusammenleben mit all seinen Widersprüchen. Sie zeigen, wie Menschen Raum gestalten. Und sie regen dazu an, genau hinzusehen: Was können uns Höfe über Berlin erzählen? Was über uns selbst? Kurz: Was ist los im Hof?
Grafik, Fotografie und Geschichte
Die besondere Atmosphäre der Berliner Hinterhöfe hat immer wieder Grafiker:innen, Zeichner:innen und Fotograf:innen zu Bildschöpfungen angeregt. Highlights der Museumssammlung begegnen in der Ausstellung den künstlerischen Arbeiten der Stadtforscher:innen Duygu Örs und Sinthujan Varatharajah, die eigens für »Berliner Höfe« geschaffen wurden. Sie setzen sich in Geräuschen und Licht mit unterschiedlichen Sinneseindrücken aus Hinterhöfen auseinander, denen Örs und Varatharajah im Wedding begegneten.
Darüber hinaus präsentieren die Junior-Kurator:innen der Refik-Veseli-Schule in Kreuzberg mit ihrer Mentorin Yella Hoepfner eigene Flächen in der Dauerausstellung »BerlinZEIT« im 1. und 2. Obergeschoss des Museums. Ihre individuellen Geschichten stehen im Austausch mit Objekten der Sammlung.
Duygu Örs ist Forscherin, Kunstvermittlerin und Kuratorin mit Schwerpunkt Kultur- und Stadtforschung. Seit 2019 leitet sie die Bildungs- und Vermittlungsarbeit der Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, seit 2025 mit Jas Wenzel. Am Institut für Soziologie und Kulturorganisation (ISKO) der Leuphana Universität Lüneburg beschäftigt sie sich mit der Rolle des Museums in der »Recht auf Stadt«-Bewegung. Sie ist zudem Mitbegründerin des kuratorischen Forschungskollektivs Curating through Conflict with Care (CCC).
Sinthujan Varatarajah (சிந்துஜன் வரதராஜா) schreibt und forscht in Berlin. Als politische:r Geograf:in beschäftigt sich Varatarajah mit Fragen der Staatenlosigkeit, Im-/Mobilitäten und Vertreibung aus der Perspektive der Infrastruktur, Logistik und Baukultur. Seit 2022 veröffentlichte Varatarajah mehrere Bücher. Im Frühjahr 2026 erscheint Varatarajahs nächstes Buch, „Wo die Zeit stehen bleibt”, im Carl Hanser Verlag.