Das Suermondt-Ludwig-Museum ist der »Salon« der Aachener. Im Haus Cassalette, einem prachtvollen Stadtpalais aus dem 19. Jahrhundert, sind kostbare Sammlungen untergebracht. Herausragend ist die mittelalterliche Skulpturensammlung, eine der bedeutendsten in Deutschland. Auch deutsche und niederländische Tafelmalerei der Spätgotik sowie holländische Meister der Barockzeit sind hier exzellent vertreten. Dazu gibt es eine kleine, feine Sammlung von Gemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, ein Kupferstichkabinett und eine riesige Kollektion kunsthandwerklicher Stücke, deren Spitzenstücke in der »Bürgerlichen Wunderkammer« zu sehen sind.
Museumsverein
Der 1877 gegründete gemeinnützige Verein fördert heute die Museen der Stadt Aachen, die Kunst im Aachener Raum und die Begegnung mit Kunst allgemein durch Vorträge, Exkursionen und Führungen. Er unterstützt Ausstellungen, Ankäufe und Restaurierungen (z.B. durch Meisterwerk-Patenschaften) und möchte Kunstinteressierten ein Forum für Austausch und vertieftes Wissen geben. Die regelmäßig erscheinenden Broschüren geben Auskunft über die Aktivitäten. Eine Mitgliedschaft (20,00 bis 70,00 Euro) bietet u.a. kostenlosen Eintritt in die Aachener Museen, Ermäßigung bei Sonderausstellungen und exklusive Previews.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Tim Berresheim – Ort. Zeit. Kontinuum
Tim Berresheim, 1975 in Aachen geboren, ist ein Pionier der computerunterstützten Kunst. Seine Arbeiten verbindet ein Zusammenspiel aus Kunstgeschichte, Technologie, Wissenschaft und Natur. Berresheim studierte bei Albert Oehlen an der Kunstakademie Düsseldorf und an der HBK Braunschweig bei Johannes Brus.
Seit Ende 2023 engagiert sich der aus Heinsberg stammende Künstler im Auftrag der Stadt Aachen an einem großangelegten digitalen Kunst- und Teilhabeprojekt »Aus alter Wurzel neue Kraft«, an dem Aachener Schüler:innen unterschiedlicher Altersklassen und Schulformen maßgeblich beteiligt wurden. Dieses im besten Wortsinne partizipative Projekt basiert auf einem von den Teilnehmer:innen unter Anleitung des Künstlers durchlaufenden Aneignungsprozess, der aus zahlreichen Workshops in den Schulen sowie an ausgewählten Orten in der Stadt besteht und so einen konkreten Beitrag zur kulturellen Bildung leistet.
Schon in der Anfangsphase dieses Projektes hat das Suermondt-Ludwig-Museum den Dialog mit dem Künstler gesucht, um das Haus in den Prozess zu integrieren und die Sammlung – als einem weiteren Baustein der gegenwärtig stark an kultureller Teilhabe orientierten Museumsarbeit – den Teilnehmer*innen zu (er)öffnen. Nach umfänglicher Einführung durch hauseigene Kurator:innen haben sich die Partizipant:innen des vhs College voller Neugierde in Workshops mit Exponaten der ständigen Sammlung beschäftigt und dann – auf eine für die Diversität der Gruppe bezeichnenden Weise – eine großformatige mythologische Skulptur ‚Apoll und Daphne‘ des italienischen Bildhauers Filippo Parodi (1630–1702) zum Ausgangspunkt ihrer kreativen Experimente und Denkprozesse erwählt.
Das Projekt wird einen vollständigen Kabinettraum im 1. OG einnehmen und neben konkreten Realisationen den Besuchenden des Museums über eine vom Künstler konzipierte App auch die Dimension der augmented reality eröffnen. Zudem zeigt Berresheim eine neue, eigens für das Museum hergestellte ortspezifische 360 Grad Wandarbeit.
Dies ist die zweite Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum, in der zeitgenössische Künstler:Innen in direkten Dialog mit der Sammlung treten. Wie schon bei der 2024 veranstalteten Schau des Düsseldorfer Malers Volker Hermes, der mit seinen Werken auf Bildnisse der Sammlung reagierte, will das Museum auch mit den Arbeiten von Tim Berresheim Bekanntes mit Unbekanntem verknüpfen und den Besuchenden so substantiell neue Seh- und Kunsterfahrungen ermöglichen, welche den jeweiligen Erwartungs- und Kenntnishorizont übersteigen und das Museum als stets aktuellen Erlebnis- und Lernort in Erinnerung ruft.
Kuratorin: Sarvenaz Ayooghi
Künstlerisches Konzept: Tim Berresheim
Stefan Draschan. 11 Sekunden
Im Rahmen des Fotografie-Festivals der StädteRegion Aachen
Stefan Draschan (*1979) ist ein Meister der visuellen Symbiose zwischen Mensch und Kunst. In seinen faszinierenden Fotografien verbindet er Menschen mit Meisterwerken aus europäischen Museen, deren Kleidung, Gestik oder Frisur auf verblüffende Weise harmonieren. Mit seiner in den sozialen Netzwerken international bekannt gewordenen Serie »People Matching Artworks« entdeckt er passende Bildpaare, lässt die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen und definiert damit das Sehen und Gesehenwerden gänzlich neu. Ironie spielt bei seinen Fotografien stets eine wichtige Rolle. Dabei betont Draschan, dass der reine Zufall seine Muse ist, die ihm im flüchtigen Moment zuspielt. Sein Gespür für den entscheidenden Augenblick – den moment décisif, ein Ausdruck, den Henri Cartier-Bresson prägte, macht seine Fotografien so einzigartig wie die Zeitspanne, die er durchschnittlich für seine Aufnahme hat: 11 Sekunden.
Die Ausstellung ist Teil des Fotografie-Festivals der StädteRegion Aachen.
Das Fotografie-Festival
Vom 24.08. bis 21.09.2025 werden vier Wochen lang unterschiedliche Ausstellungen, Talks, Workshops und Events rund um das Thema Fotografie in der gesamten Region stattfinden. Rund 100 international und regional bekannte Fotograf:innen sind an 16 Ausstellungsorten in Monschau, Aachen, Eschweiler und Maastricht zu sehen, mit insgesamt 800 Arbeiten.
Erstmalig konnten auch Museen teilnehmen, daher freut sich das Suermondt-Ludwig-Museum eines der Ausstellungsorte sein zu dürfen!
Die Ausstellung zu Stefan Draschan wird über das Festival hinaus noch bis zum 9. November im Kaminraum des Museums zu sehen sein.
Kuratorin: Sarvenaz Ayooghi
Katalog: Ein begleitender Katalog ist während des Festivals für 7,00 Euro erhältlich.
Eröffnung: 24. August 2025, 12 Uhr im Aukloster in Monschau.
Praymobil. Mittelalterliche Kunst in Bewegung
»Bewegend, als wenn es lebete«: So werden in einer mittelalterlichen Quelle jene mobilen Figuren beschrieben, die christliche Gläubige in religiösen Spielen einsetzten – und aufgrund ihrer Bewegung als lebendig wahrnahmen. Die teils lebensgroßen Figuren entfalteten eine enorme Wirkmacht, denn mit ihnen ließ sich biblische Geschichte nicht nur aktualisieren, sondern auch intensiv nachempfinden.
Beispiele dieser eindrucksvollen Glaubenspraxis sind Figuren wie Christus auf dem Palmesel, den man am Palmsonntag durch die Straßen zog und bejubelte, oder ein Kruzifix mit schwenkbaren Armen, mit dem man die Kreuzabnahme, Beweinung und Grablegung Christi nachspielte. Zu den beweglichen Figuren zählen auch bisher wenig bekannte Darstellungen der Maria: beispielsweise als Schwangere mit Christusfigur, die man aus ihrem Bauch herausnehmen konnte, oder als Trauernde, die über den Tod ihres Sohnes Tränen vergoss, bevor der Leichnam von ihrem Schoß abgenommen und beigesetzt wurde.
Die Ausstellung ist weltweit die erste Schau, die sich dem vielschichtigen Phänomen der Verwendung mittelalterlicher Kunst in Ritual, Brauch und Spiel widmet. Gezeigt werden etwa 80 Ausstellungsobjekte, vorrangig Holzskulpturen aus der Zeit von 1300 bis 1550, die aus einer Vielzahl von deutschen und europäischen Museen, kirchlichen und privaten Sammlungen eigens zusammengetragen werden.
Die Ausstellung beleuchtet auch die »missbräuchliche« Verwendung von beweglichen Figuren und ihre Entlarvung als trügerische Objekte, und spannt nicht zuletzt einen Bogen zu heutigen (Aachener) Bräuchen, die in mittelalterlichen Traditionen wurzeln.
Kuratoren: Michael Rief, Dr. Dagmar Preising, Co-Kuratorin: Maria Geuchen

