Wien
Museum

Wiener Secession

Friedrichstraße 12, 1010 Wien

Als ein von Künstler:innen geführtes internationales Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst ist die Secession ein offener Ort für die Präsentation neuer künstlerischer Ideen und die Auseinandersetzung mit drängenden Fragen der Zeit. Konfrontiert mit komplexen Lebensrealitäten und globalen Herausforderungen sehen wir es als unsere Aufgabe, kultur- und gesellschaftspolitische Themen zu verhandeln und auf anspruchsvolle Weise öffentliche Debatten anzustoßen.

 

Die Secession bietet Künstler:innen Raum für eine breite Palette an künstlerischen Ausdrucksformen und eine freie Plattform für Experimente, die oft die Grundlage für die Produktion neuer Arbeiten sind. Das Ausstellungsprogramm wird in einem demokratischen und kollektiven Entscheidungsprozess vom Vorstand der Secession erstellt. 

 

Im Sinne ihres an der Fassade angebrachten Mottos Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit setzt sich die Secession als eine für den internationalen Diskurs maßgebliche Institution mit ihrem Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm unter dem aktuellen Vorstand besonders für feministische Positionen, Diversität, Inklusion und Nachhaltigkeit ein.

Veranstaltungen und Ausstellungen

11.09.26 - 22.11.26

Bernhard Leitner – SOUNDSPACESCULPTURE

Seit mehr als 50 Jahren arbeitet Bernhard Leitner medienübergreifend an der Schnittstelle von Akustik, Architektur, Bildhauerei und künstlerischer Forschung. Sein Werk lässt uns Klang neu verstehen – als mehr als nur akustisches Phänomen, als etwas, das sich räumlich, physisch und architektonisch entwickelt. Unter Verwendung von skulpturalen Formen, Lautsprecherkonstellationen und architektonischen Strukturen macht Leitner die klangliche Bewegung selbst zum Material der Komposition: Wellen, die den Körper durchdringen, gegen ihn anbranden oder ihn umkreisen. Seine Installationen erfordern nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Präsenz; sie fordern dazu auf, zu hören, wie Klang das Raumerleben neu strukturiert, wie er nicht metaphorisch, sondern ganz materiell auf den Körper trifft. Klang wird so zum Medium der Schaffung wie Destabilisierung architektonischer Erfahrung.

 

In einer Zeit, in der Klangerfahrung oft auf Hintergrund oder Beschallung reduziert wird, beharrt Leitner auf Langsamkeit und Intimität, auf der Mitwirkung des hörenden Körpers bei der Herstellung von Raum. In seiner Praxis erscheint Raum nicht als statisches Behältnis, sondern als aktiviertes, durch Schwingungen, Rhythmen und Nähe aufgeladenes Feld. So unternimmt seine Klangarchitektur eine Form der phänomenologischen Befragung, in der Wahrnehmung nie körperlos und Raum immer im Werden ist. In einer Welt, in der wir ständig von Lärm umgeben sind, erinnert uns Bernhard Leitner daran, dass Klang auch ein Weg sein kann, Raum um uns herum zu schaffen. Er macht Kunst, die wir nicht nur hören, sondern in die wir eintreten.

 

 

Künstler:innen

 

Bernhard Leitner wurde 1938 in Feldkirch, Österreich, geboren und lebt in Wien, Österreich 

 

Kuratiert von Jeanette Pacher

11.09.26 - 22.11.26

JJJJJerome Ellis – A calendar commemorating slaves who escaped their enslavers, 1673–1886

JJJJJerome Ellis’ Arbeit gestaltet unsere Beziehung zu Zeit, Sprache und Lesbarkeit radikal um und entwirft eine zutiefst persönliche und zugleich strukturell politische Poetik der Unterbrechung. In Performances, Klängen, Texten und Improvisationen behandelt Ellis Sprachstörungen nicht als Mangel, sondern als eine Modulierung von Zeit, die sich der Herrschaft des normativen Sprachflusses und kapitalistischen Zeitformen widersetzt. Ellis’ Stottern wird zu einem Ort des Bruchs und der Verweigerung, zu einer Öffnung, in der Stille nicht Abwesenheit ist, sondern eine souveräne Pause. So verwandelt sich Sprechen in eine Form des Widerstands, in der Verzögerung zu Dauer wird, das Ausbleiben von Mitteilung zu einer ethischen Strategie. Ellis’ Kunst fragt, was es bedeutet, anders in der Zeit zu leben, gebrochene Rhythmen als Räume der Improvisation, der Beziehung und Schwarzer Fugitivität zu bewohnen.

 

Ellis’ Praxis destabilisiert die Architekturen von Sprache und Autor:innenschaft als solche. In Performances und Klangkompositionen wie auch in den Rhythmen geschriebener Sprache etwa in The Clearing öffnet sich ein Raum für nichtlineare, improvisierte Formen des Wissens, die aus dem Zuhören entstehen, aus dem Zögern und dem, was der Transkription entgeht. In Ellis’ Arbeit geht es nicht einfach um Behinderung oder Identität, sondern um die Strukturen, die versuchen, Anderssein unter Kontrolle zu bringen und auszulöschen, und die Möglichkeiten, die aus dem Widerstand gegen diese Strukturen erwachsen. Der Fluss der Sprache ist hier nicht Ziel, sondern eine Frage, eine fortwährende Aushandlung zwischen Körper, Klang und Zeit. So entsteht Raum für Undurchsichtigkeit und Abweichung; wir sind aufgefordert, zu hören, was normative Systeme nicht erfassen können, und die Dissonanz dieses Hörens anzunehmen.

 

 

Künstler:innen

 

JJJJJerome Ellis wurde 1989 in den USA geboren und lebt in Norfolk, Virginia, USA.

 

Kuratiert von Bettina Spörr

11.09.26 - 22.11.26

Lap-See Lam – 192 Wing Lok Street

In Lap-See Lams Kunst wird die Architektur der Diaspora der Ort einer gespenstischen Heimsuchung: flirrende Räume und Figuren zwischen Gegenwart und Auslöschung, Simulation und Erinnerung. Mittels 3D-Scans, Animationen, Skulpturen und Installationen erkundet sie, wie kulturelle Identität durch Reproduktionen, Mythen und räumliche Verschiebungen vermittelt wird. Das wiederkehrende Motiv des chinesischen Restaurants, das oft als digitale Rekonstruktion nach Scans nicht mehr existierender Innenräume erscheint, bezeichnet weniger einen tatsächlichen Ort als ein Behältnis, das von verdichteten Geschichten von Migration, Arbeit und Sehnsucht heimgesucht wird. Lap-See Lam, wie diese Räume als instabile, fehleranfällige Archive fortdauern: als provisorische Gefäße für Affekte, Erbe und Repräsentation.

 

Lap-See Lams Praxis vereint Gegensätze: technologische Präzision und geschichtliche Brüche, Zukunft und Geisterhaftes. Ihre digital umgesetzten Environments bieten keine klare Auflösung; sie simulieren Verlust als solchen und machen die Lücken zwischen Erinnerung, Geschichte und ihren digitalen Spuren sichtbar. In diesen virtuellen Architekturen treiben Stimmen umher, kreisen Avatare, flimmern Oberflächen und verweisen so auf die Grenzen kultureller Übersetzung wie technologischer Aufzeichnung. Lap-See Lams Kunst stellt keine festen Koordinaten der Identität oder Zugehörigkeit vor, sondern eröffnet einen Raum, in dem Diaspora als fortwährender Zustand gelebt wird, der durch Wiederholung, Verzerrung und die Arbeit des Wiederzusammensetzens geprägt ist. 

 

 

Künstler:innen

 

Lap-See Lam wurde 1990 in Stockholm, Schweden, geboren und lebt in Stockholm.

 

Kuratiert von Haris Giannouras

Standort
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Friedrichstraße 12, 1010 Wien
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Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–18:00
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