Als ein von Künstler:innen geführtes internationales Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst ist die Secession ein offener Ort für die Präsentation neuer künstlerischer Ideen und die Auseinandersetzung mit drängenden Fragen der Zeit. Konfrontiert mit komplexen Lebensrealitäten und globalen Herausforderungen sehen wir es als unsere Aufgabe, kultur- und gesellschaftspolitische Themen zu verhandeln und auf anspruchsvolle Weise öffentliche Debatten anzustoßen.
Die Secession bietet Künstler:innen Raum für eine breite Palette an künstlerischen Ausdrucksformen und eine freie Plattform für Experimente, die oft die Grundlage für die Produktion neuer Arbeiten sind. Das Ausstellungsprogramm wird in einem demokratischen und kollektiven Entscheidungsprozess vom Vorstand der Secession erstellt.
Im Sinne ihres an der Fassade angebrachten Mottos Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit setzt sich die Secession als eine für den internationalen Diskurs maßgebliche Institution mit ihrem Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm unter dem aktuellen Vorstand besonders für feministische Positionen, Diversität, Inklusion und Nachhaltigkeit ein.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Marianna Simnett – Circus
In der Secession präsentiert Marianna Simnett Circus, eine multimediale Ausstellung von Licht-, Klang- und skulpturalen Arbeiten, die auf ihre jugoslawische Herkunft verweisen. Persönliche Bezüge, darunter eine von den Erfahrungen ihres jüdisch-kroatischen Großvaters während des Holocaust inspirierte Arbeit, begegnen Anspielungen auf weibliche Gestalten aus Volkssagen, die sowohl als Bedrohung als auch als Verbündete auftreten können, und dem traditionellen Trachtenrock vom Balkan, der das zarte Spiel des Enthüllens und Verbergens intimer Körperteile inszeniert.
Der in der Ausstellung thematisierte Circus kommt in der Präsentation auf vielfältige Weise zum Ausdruck: im manischen Kreisen eines Rocks unter der Decke, der an ein Zirkuszelt erinnert, in einer Bühne für eine Performance, im Klang gequälten Gelächters oder in blendenden Lichtern, die einen abgedunkelten Raum erhellen.
Simnetts Praxis befasst sich konsequent mit intensiven körperlichen Zuständen – Urinieren, Ohnmacht, dem Gefühl, gekitzelt zu werden –, die sie in einer Untersuchung von Lust und Schmerz erkundet. Unter Rückgriff auf persönliche Erfahrungen und kollektive kulturelle Erinnerungen begreifen Simnetts Arbeiten das Surreale nicht als Eskapismus, sondern als Verfahren der Verwandlung. Fantasie, Spiel und Übersteigerung dienen hier als Werkzeuge, um nach einem Trauma Handlungsmacht neu auszuhandeln.
Die interdisziplinäre Praxis der britisch-kroatischen Künstlerin Simnett umfasst Film, Installation, Performance, Musik, Malerei und Skulptur. Ihre raumgreifenden Environments, die herkömmliche Vorstellungen von Weiblichkeit und physischer Selbstbestimmung aufbrechen, sind von einer provokanten und oft beunruhigenden Auseinandersetzung mit Körper, Gender und Macht geprägt.
Die Ausstellung wird durch die großzügige Unterstützung von Simona Petrova-Vassileva ermöglicht.
Kuratiert von Bettina Spörr
Ndidi Dike – Rare Earth Rare Justice
»Indem ich Materialität neu denke, rücke ich die Vorstellung von Afrika als Epizentrum einer ausbeuterischen globalen Wirtschaft in den Vordergrund, als Kreuzungspunkt von Kapitalismus, Enteignung und Verletzung.« (Alisha Hohmann)
Die Praxis der in London geborenen international renommierten britisch-nigerianischen Künstlerin Ndidi Dike umfasst zahlreiche Felder, darunter Mixed-Media, Malerei, Skulptur, Collage, Fotografie, Video und Installationskunst. Als eine der führenden Künstlerinnen Nigerias befasst sie sich mit gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen der modernen Welt und insbesondere damit, wie die Erfahrungen von Kolonialismus und Postkolonialismus sowie globalem Kapitalismus zeitgenössische Urbanität, Küsten- und Binnenlandschaften prägen.
In ihren Arbeiten erkundet die Künstlerin persönliche Archive, die Geschichte versklavter Menschen, Fragen von Erinnerung, Identität, Migration, Vertreibung und das Erbe extraktiver Industrien. Ihre Projekte entfalten sich oft in langen Forschungsphasen, in denen sie ineinander verflochtene globale Geschichten und die in ihnen wirkenden gesellschaftlich-politischen Strukturen untersucht. Materialität spielt eine tragende Rolle: Die Objekte und Formen zeigen die Spuren ihrer früheren wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben. Durch Verknüpfung von gefundenen Objekten, Fotografien und skulpturalen Elementen schafft Dike Werke, die Wirklichkeit und Imaginäres ineinander verweben und Bilder und Referenzpunkte aus vielfältigen kulturellen Kontexten versammeln. In den letzten Jahren hat sie vor allem Warenumschlagplätze – als physische Räume wie als gesellschaftliche und politische Schauplätze – in den Blick genommen. Jedes Werk entsteht in monatelanger Forschungsarbeit und führt zu einer den Leitfragen des Projekts entsprechenden Materialwahl.
In Rare Earth Rare Justice, ihrer ersten großen Ausstellung in einer österreichischen Institution, thematisiert Dike die anhaltende Ausbeutung der natürlichen Ressourcen Afrikas, insbesondere den Kobaltabbau in der Demokratischen Republik Kongo. Ihre Forschungen zeichnen die Verbindungen zwischen Ausbeutungsindustrien, ökologischer Zerstörung, Klimawandel und den ressourcengetriebenen Konflikten nach, die zu Vertreibungen und humanitären Katastrophen führen.
Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit der Färgfabriken konsthall in Stockholm entwickelt, wo vom 29. August bis zum 22. November 2026 ein zweiter Teil präsentiert wird. Anlässlich der Ausstellung realisiert die Künstlerin eine neue skulpturale Auftragsarbeit.
Kuratiert von Jeanette Pacher
Reba Maybury – I Come in Peace
Die multidisziplinäre Praxis der britisch-pakistanischen Künstlerin, Autorin und politischen Domina Reba Maybury unterzieht die Überschneidungen von Feminismus, Sexualität, Arbeit und Macht einer eingehenden Befragung. Mittels Performance, Text und Installation kritisiert Maybury, die unter dem Pseudonym »Mistress Rebecca« auftritt, die Mechanismen des Patriarchats und des kapitalistischen Begehrens; dazu unterläuft sie oft die Dynamiken traditioneller Beziehungen zwischen Dominanz und Unterwerfung. Ihre Arbeit basiert auf radikalem feministischem Denken und setzt sich mit der Kommerzialisierung weiblicher Identität auseinander, um zu erkunden, wie erotische Arbeit als Raum für politischen Widerstand neu gedacht werden kann. Durch ihre einzigartige Verbindung von persönlicher Erzählung, Gesellschaftskritik und sexueller Selbstbestimmung offenbart Maybury die Widersprüche in Herrschaftsverhältnissen in privaten Beziehungen wie in größeren gesellschaftlich-politischen Strukturen.
Mayburys künstlerisches Schaffen ist eng mit ihrer Arbeit als Schriftstellerin und Kuratorin verknüpft, in der sie ihre Befragung von Macht, Klasse und Geschlechterpolitik vertieft. Veröffentlichungen wie BINTS!, Faster than an erection, und Dining with Humpty Dumpty mischen Autofiktion, Satire und Polemik, um normative Erzählungen rund um Begehren und Dominanz zu erschüttern. Indem sie die Rolle der Domina als Prisma der Kritik aktiviert, macht sie männliche Unterwerfungsfantasien als Szenen einer ideologischen Entlarvung lesbar und fordert ihre Subs dazu auf, über ihre Verstrickung in strukturelle Unterdrückung nachzudenken, indem sie unter ihrer Anleitung anonym Kunstwerke für sie produzieren.
Kuratiert von Haris Giannouras

