Von Menschen und Maschinen
»What Is the Truth and Where Did It Go?« ist eine als Dialog angelegte Ausstellung, die ausgewählte Werke des Zeichners und Grafikers Horst Janssen mit neuen textilen Arbeiten der Künstlerin und ehemaligen Stipendiatin des Horst-Janssen-Museums Andrea Ziegler in Beziehung setzt. Ausgangspunkt ist die Frage nach Wahrheit, Wahrnehmung und Vertrauen in einer medial und technologisch geprägten Welt. In freihandgefertigten Maschinenstickereien übersetzt Ziegler Motive, Strukturen und Denkfiguren aus Janssens Werk in eine zeitgenössische, handwerklich geprägte Bildsprache. Dabei greift sie aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen auf und regt an, über mediale Manipulationen und das Erfinden von Wirklichkeit und Wahrheit nachzudenken.
Was ist die Wahrheit in einer technologisch geprägten Welt?
Der gedankliche Einstieg in die Ausstellung erfolgt über die Frage nach Wahrheit und Realität. Exemplarisch steht hierfür die Ermordung John F. Kennedys 1963 – ein Ereignis, das bis heute von widersprüchlichen Deutungen, Mythen und politischer Instrumentalisierung geprägt ist und das die Kuratorin Ziegler mit ihrem Werk »Unscheduled Disassembly I« aufgreift. Über zentrale Werkzyklen Janssens, wie »Laokoon. Die Bäume der Annette«, »Nigromontanus«, »Hannos Tod« und den Radierzyklus »19.05.1990«, schlägt Ziegler den Bogen zu aktuellen Themen wie die Rezeption medial vermittelter Ereignisse, technologische Entwicklungen, Zukunftsversprechen und Tech-Ideologien.
Ein Gegenpol zu KI und Algorithmus
Im Gegensatz zum immer stärkeren Einsatz von künstlicher Intelligenz setzen Andrea Zieglers Freihand-Maschinenstickereien ein klares Zeichen für menschliches Handwerk, individuelle Handschrift und eigenständige künstlerische Autorenschaft. Zentral ist in der Ausstellung die Frage, was uns als Menschen ausmacht im Spannungsfeld zwischen Technik, Wahrnehmung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Die Ausstellung ist dabei auch als Diskussionsraum gedacht: Fragestellungen an den Wänden und Vorträge von Expert:innen laden – als Gegenpol zu digitalen und algorithmisch gesteuerten Kommunikationsformen – zu einem analogen und direkten sozialen Austausch ein.