Wiederbelebung eines Teils der »Carte blanche 2023« für Ugo Rondinone.
Das Konzept der »Ausstellung im Koffer« knüpft an das Erbe der »Boîte-en-valise« von Marcel Duchamp an, einem Pionier der Miniaturisierung von Kunstwerken. Im MAH bezeichnet dieses Konzept kein mobiles Objekt, sondern findet seinen Ausdruck in einer Reihe ortsfester Installationen.
Während das Museum traditionell Objekte sammelt, sammelt es nun auch Ausstellungen. So werden bestimmte Räume zu Spiegelbildern prägender Momente seiner jüngeren Geschichte, wie etwa die »Cartes blanches«, bei denen Künstler die Aufgabe erhielten, die Sammlung neu zu interpretieren. Diese kuratorischen Projekte werden heute wieder aufgegriffen: nicht als identische Reproduktionen, sondern neu konzipiert und neu interpretiert, als lebendige Erinnerung an vergangene Ausstellungen.
RHYTHMISCHER RAUM. BEVOR EINE UNSICHTBARE HAND DIE TÜR ÖFFNET
Die Installation umfasst vier verschiedene Elemente: eine Gruppe von neunzehn historischen Uhren aus dem 16. bis zum 20. Jahrhundert. Eine Sammlung von fünf Radierungen, die Adam und Eva vor und nach ihrer Vertreibung aus dem Garten Eden darstellen und aus dem 14. bis 16. Jahrhundert stammen. Eine Marmorskulptur, die Adam und Eva darstellt und 1906 vom Schweizer Bildhauer Rodo geschaffen wurde. Eine Klanginstallation aus dem Ticken von Uhren, geschaffen von Luciano Chessa.
In diesem Raum umhüllt das Ticken der Uhren den Betrachter wie ein lebendiger Puls und verwandelt den Takt in Atmosphäre. Die Zeit wird nicht mehr nur gezählt, sondern gefühlt. Im Kontrast zu diesem zeitlichen Rhythmus evozieren Edens Bilder einen zeitlosen Ursprung, einen Zustand der Harmonie, der der Menschheitsgeschichte vorausgeht. Die Installation inszeniert so eine subtile Spannung zwischen dem Zeitlosen und dem Zeitlichen.
Im Zentrum dieser Konstellation steht die Menschheit; ein Wesen, das zwischen Ursprung und Schicksal, zwischen dem verlorenen Garten und dem unaufhörlichen Fluss der Zeit schwebt. Das Werk wird zu einer Vermittlung der Existenz selbst: über den flüchtigen Augenblick, in dem die Menschen leben, während sie sich an das Paradies erinnern und zugleich unaufhaltsam in der Zeit voranschreiten.