Wiederbelebung eines Teils der »Carte Blanche 2024« für Wim Delvoye
Das Konzept der »Ausstellung im Koffer« knüpft an das Erbe der »Boîte-en-valise« von Marcel Duchamp an, einem Pionier der Miniaturisierung von Kunstwerken. Im MAH bezeichnet dieses Konzept kein mobiles Objekt, sondern findet seinen Ausdruck in einer Reihe ortsfester Installationen.
Während das Museum traditionell Objekte sammelt, sammelt es nun auch Ausstellungen. So werden bestimmte Räume zu Spiegelbildern prägender Momente seiner jüngeren Geschichte, wie etwa die »Cartes blanches«, bei denen Künstler die Aufgabe erhielten, die Sammlung neu zu interpretieren. Diese kuratorischen Projekte werden heute wieder aufgegriffen: nicht als identische Reproduktionen, sondern neu konzipiert und neu interpretiert, als lebendige Erinnerung an vergangene Ausstellungen.
DIE REIHENFOLGE DER DINGE
Im Zentrum der Installation bewegt sich eine Kugel endlos in einem Kreislauf, der nirgendwohin führt, außer zu sich selbst. Ihr Weg verbindet die Werke aus der Sammlung des MAH mit den von Wim Delvoye zusammengestellten Stücken – nach einer Logik, die weder die eines Museums noch ganz die eines Spiels ist.
Die Kugel rollt nicht einfach an den Kunstwerken entlang, sie durchquert sie, dringt durch den Kopf einer mittelalterlichen Skulptur, durchbohrt eine Vitrine und macht aus jedem Objekt eher einen Durchgang als ein Ziel. Diese ebenso kindliche wie ikonoklastische Geste ermöglicht das, was die statische Betrachtung nicht zulässt: die Kunstwerke aus dem Inneren ihrer eigenen Durchquerung heraus zu sehen, von jenem beweglichen Punkt aus, an dem sich Bedeutung und Bewegungsbahn kurzzeitig kreuzen.
»Eine Ausstellung wird vielleicht nie wirklich gesehen. Man geht nur durch sie hindurch.«
Wim Delvoye