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Aachen

Body Matters. Körperlichkeit in der Videokunst der 1970er Jahre

Videoarchiv 07

 

Ende der 1960er Jahre wurden Video und Film zu prägenden Ausdrucksformen der zeitgenössischen Kunst. Das Videoarchiv des Ludwig Forums umfasst rund 200 Arbeiten aus den 1960er und 1970er Jahren, von denen viele wegweisend für die Geschichte des künstlerischen Bewegtbildes sind. Die 1970er Jahre gelten als Pionierphase der Videokunst, in der Künstler:innen mit Video- und Filmkameras experimentierten und sich bewusst von etablierten Kunstformen sowie dem Fernsehen abgrenzten. Zentrale Themen waren Körperlichkeit, Selbst- und Fremderfahrung, feministische Kritik, die Reflexion des Mediums selbst sowie soziokulturelle Analysen. Zu ihren ästhetischen Mitteln zählten Spiegelungen, Lichtbrechungen, technische Manipulationen sowie spielerische Momente, Ironie und Humor.

 

Body Matters präsentiert zehn Arbeiten, die sich auf unterschiedliche Weise mit Körperlichkeit befassen. Hakudō Kobayashi und Bruce Nauman untersuchen den Körper als künstlerisches Medium, Nauman insbesondere im Verhältnis zum Raum. John Baldessari und Jacques-Louis Nyst konzentrieren sich auf einfache Gesten – Interaktionen zwischen einer Hand und einem Hut oder einer Spiralfeder. Ron Hays beobachtet Hände beim Klavierspiel, während Robert Morris das Zusammenspiel von Körper, Raum und skulpturalen Elementen auf einen 16mm-Film festhält.

 

Unter dem Einfluss der sozialen Bewegungen in den USA, insbesondere der Bürgerrechtsbewegung, verbreitete sich in den 1970er Jahre unter dem Begriff body politics die Einsicht, dass Körper auf vielfältige Weise politisch sind. Der Leitsatz der Frauenbewegung lautete in jener Zeit: »The personal is political« [Das Persönliche ist politisch]. Ein zentrales Anliegen war dabei das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Der künstlerische Feminismus, wie ihn Joan Jonas und Ulrike Rosenbach prägten, nutzte die Medien Film und Video, um Geschlechterrollen, patriarchale Strukturen, stereotype Frauen- und Familienbilder, Schönheitsnormen und die Objektivierung des weiblichen Körpers kritisch zu beleuchten. Auch Marina Abramović und Ulay (Frank Uwe Laysiepen) thematisieren in ihren gemeinsamen Arbeiten zwischenmenschliche Beziehungen, Abhängigkeiten und Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau.

 

Mit Arbeiten von Marina Abramović und Ulay, John Baldessari, Ron Hays, Joan Jonas, Hakudō Kobayashi, Robert Morris, Bruce Nauman, Jacques-Louis Nyst, Ulrike Rosenbach

 

Kuratiert von Holger Otten

Diese Ausstellung endet in
24
Tage
23
Std
1
Min
59
Sek
Termine
Start17.03.2026
Ende15.11.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag13:00–17:00
Mittwoch13:00–17:00
Donnerstag10:00–20:00
Freitag10:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
Veranstaltungsort
Ludwig Forum Aachen
Ludwig Forum AachenJülicher Straße 97–109, 52070 Aachen

Klassiker der Pop-Art, Gerhard Richter und Georg Baselitz, Graffitimalerei und Leipziger Schule: Peter und Irene Ludwig haben Zeit ihres Lebens eine unvergleichliche Sammlung herausragender Werke seit Beginn der 1960er-Jahre zusammengetragen. Schenkungen und Dauerleihgaben aus ihrer Kollektion sind heute weltweit in mehr als 20 Museen untergebracht. Das Stammhaus dieser einzigartigen Sammlung aber ist das Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen, wo das Industriellenpaar lebte und von wo aus es eine der größten Schokoladen- und Süßwarenproduktionen der ehemaligen Bundesrepublik lenkte. Im Ludwig Forum Aachen sind etwa 3.000 Arbeiten der Sammlung untergebracht. Die Ludwigs gehören zu den ersten Sammler:innen der Pop-Art. Schon 1968 zeigten sie die neuen Amerikaner:innen in Aachen. Mit dabei: Andy Warhol, dessen beispiellose Karriere eng mit dem Paar verknüpft ist. 1970 reiste Peter Ludwig zu Duane Hanson nach New York und erwarb wichtige Figuren-Gruppen des Künstlers, auch die Supermarket Lady . Die frühen, skandalträchtigen Präsentationen machten Aachen zu einem hochrelevanten Ausstellungsort gegenwärtiger Kunst – noch bevor der Foto- und Hyperrealismus der documenta 5 von 1972 seinen Eroberungszug in Europa antrat. Später führten Ankäufe von Jeff Koons, Jonathan Borofsky, Jean-Michel Basquiat u. a. die amerikanische Linie fort. Seit Anfang der 1970er-Jahre weiteten die Ludwigs ihre Sammeltätigkeit in die DDR und nach Osteuropa aus. Werke aus dem »Ostblock« konnten oft nur in Gruppen erworben werden, und der Staat hatte teilweise Mitspracherecht bei der Auswahl der Arbeiten. So stehen historisch relevante Gemälde in einer Reihe mit Arbeiten von Ilja Kabakov und Erik Bulatov. Den Ankäufen in der UdSSR folgten seit 1983 Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Frühwerke von Nedko Solakov und Dan Perjovschi kamen so in die Sammlung. Später erregten China und Kuba die Aufmerksamkeit der Sammler:innen. Gerade die chinesische und die kubanische Kunst sind Schwerpunkte im Aachener Ludwig Forum . Neben den Werken aus der Sammlung Ludwig gehört eine Reihe von Arbeiten aus städtischem Besitz zum Bestand des Hauses. Darunter sind zum Beispiel etwa 300 hochkarätige Videoarbeiten wie z. B. von Bruce Nauman, Richard Serra, Laurie Anderson, Joan Jonas und Nam June Paik.