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München

Carrying

Bereits im Titel verweist »Carrying« darauf, wie Orte bestimmte Geschichten mittragen. Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt aktiviert verschiedene Räume inner- und außerhalb des Museums Brandhorst. Internationale Künstler:innen, darunter Cana Bilir-Meier, Kate Newby, Tiffany Sia, Jaune Quick-to-See Smith und Leyla Yenirce, besetzen historisch aufgeladene Orte – wie Cy Twomblys »Lepanto«-Saal oder das sogenannte Türkentor. Architektonische Interventionen, Performances, Malereien sowie Sound- und Filmarbeiten treten in Dialog mit dem Museum und befragen die Verschränkung von militärischer und kultureller Macht.

 

Ausgangspunkt ist das Gelände, auf dem heute das Museum Brandhorst, die Pinakothek der Moderne und weitere Institutionen des Kunstareals angesiedelt sind. Hier stand einst die Prinz-Arnulf-Kaserne, auch »Türkenkaserne« genannt. Der Name des 1826 errichteten Militärkomplexes geht auf Kriegsgefangene zurück, die Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich zur Zwangsarbeit nach Bayern gebracht wurden. Diese Geschichten haben sich in Orts- und Straßennamen wie dem der »Türkenstraße« eingeschrieben.

 

Welche Geschichten werden erzählt, wer erzählt sie und wie? Das gilt insbesondere für Orte, die sich der Wissensproduktion und kulturellen Vermittlung verschrieben haben. Die eingeladenen Künstler:innen gehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln der Frage nach, wie sich Geschichte und Erinnerung mit teils erfundenen Erzählungen verschränken – und über Bilder, Medien und Monumente weitergetragen werden. Schichten des Austauschs überlagern historische Realitäten von Gewalt, Ausbeutung und kultureller Aneignung und schreiben sich bis heute als Muster fort – von der sogenannten »Gastarbeiter«-Ära bis zu andauernden Debatten um territoriale Grenzen, Migration und Zugehörigkeit. Insbesondere dort, wo eine vorgebliche Trennung von Krieg und Kultur ihre tatsächliche Verwobenheit verschleiert, gewinnen diese Fragen neue Dringlichkeit.

 

»Carrying« versteht das Museum als einen Resonanzraum, in dem die Institution ihre eigene Geschichte und Identität befragt und lokale Ansatzpunkte mit globalen Fragestellungen verknüpft.

 

 

 Mit Werken von

 

Cana Bilir-Meier, Kate Newby, Tiffany Sia, Jaune Quick-to-See Smith, Leyla Yenirce und weiteren.

 

Kuratiert von Franziska Linhardt

Diese Ausstellung endet in
17
Tage
11
Std
36
Min
1
Sek
Termine
Start14.05.2026
Ende08.11.2026
Öffnungszeiten
Montag10:00–18:00
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–20:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
Veranstaltungsort
Museum Brandhorst
Museum BrandhorstTheresienstraße 35a, 80333 München

Das Ehepaar Anette (gest. 1999) und Udo Brandhorst hat seit den siebziger Jahren über 1000 Werke von wegweisenden Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts gesammelt, in erster Linie Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen, in letzter Zeit kamen Fotografien sowie Medienarbeiten und Installationen hinzu. Während zunächst Künstler der klassischen Avantgarde (Kasimir Malewitsch, Kurt Schwitters, Pablo Picasso) und der europäischen Nachkriegsmoderne (Joseph Beuys, Palermo, Sigmar Polke, Jannis Kounellis, Mario Merz) im Mittelpunkt standen, richtete sich ihr Interesse im Lauf der Jahre immer mehr auf Kunst aus den Vereinigten Staaten: John Chamberlain, Dan Flavin, Bruce Nauman, Richard Tuttle, Walter de Maria u. a. sind mit wichtigen Werken vertreten. Mit weit über 100 Arbeiten von Andy Warhol (1928–1987) ist der Bestand des bekanntesten Pop Art Künstlers mit kaum einer anderen europäischen Sammlung zu vergleichen. Weltweit einmalig ist der Schwerpunkt von über 170 Arbeiten des amerikanischen Künstlers Cy Twombly (1928–2011). Dass auch zeitgenössische Kunst zunehmend in den Blick des Sammlerinteresses rückte, belegen Erwerbungen der Arbeiten von Damien Hirst, Mike Kelley oder Robert Gober sowie von Medienkünstlern wie Isaac Julien, Anri Sala, Stan Douglas und David Claerbout. Während die Pinakothek der Moderne einen Überblick über die Entwicklung der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ermöglicht, steht im Museum Brandhorst eine vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Künstlerpersönlichkeiten im Mittelpunkt.