Das Ehepaar Anette (gest. 1999) und Udo Brandhorst hat seit den siebziger Jahren über 1000 Werke von wegweisenden Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts gesammelt, in erster Linie Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen, in letzter Zeit kamen Fotografien sowie Medienarbeiten und Installationen hinzu.
Während zunächst Künstler der klassischen Avantgarde (Kasimir Malewitsch, Kurt Schwitters, Pablo Picasso) und der europäischen Nachkriegsmoderne (Joseph Beuys, Palermo, Sigmar Polke, Jannis Kounellis, Mario Merz) im Mittelpunkt standen, richtete sich ihr Interesse im Lauf der Jahre immer mehr auf Kunst aus den Vereinigten Staaten: John Chamberlain, Dan Flavin, Bruce Nauman, Richard Tuttle, Walter de Maria u. a. sind mit wichtigen Werken vertreten.
Mit weit über 100 Arbeiten von Andy Warhol (1928–1987) ist der Bestand des bekanntesten Pop Art Künstlers mit kaum einer anderen europäischen Sammlung zu vergleichen. Weltweit einmalig ist der Schwerpunkt von über 170 Arbeiten des amerikanischen Künstlers Cy Twombly (1928–2011).
Dass auch zeitgenössische Kunst zunehmend in den Blick des Sammlerinteresses rückte, belegen Erwerbungen der Arbeiten von Damien Hirst, Mike Kelley oder Robert Gober sowie von Medienkünstlern wie Isaac Julien, Anri Sala, Stan Douglas und David Claerbout.
Während die Pinakothek der Moderne einen Überblick über die Entwicklung der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ermöglicht, steht im Museum Brandhorst eine vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Künstlerpersönlichkeiten im Mittelpunkt.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Roni Horn. You Are the Weather
»You Are the Weather« von Roni Horn besteht aus 100 Aufnahmen einer jungen Frau in leichter Überlebensgröße. Die Fotografien sind allesamt in isländischen Quellen entstanden. Das uns unbekannte Gesicht der Badenden spiegelt dabei – über ihre Augen, die Mimik und die Lichtreflexionen auf der Haut – das Wetter (und innere Gemütsregungen). Zugleich wirft der Blick der Porträtierten die Betrachtenden auf sich selbst zurück, worauf der Titel anspielen mag.
Die Künstlerin sagte über die Dargestellte, dass ihr „emotionaler Ausdruck – sie sieht gereizt aus, ärgerlich – faktisch vom Wetter verursacht wurde. Die Sonne blendet, es schneit, es ist windig. Wenn du mit ihr in einem Raum bist, kommt es dir vor, als hättest du diese Reaktionen provoziert: Du wirst das Wetter.“ Die Arbeit spricht über Intimität, Zuneigung und Begehren, über die Unmöglichkeit, ein Gesicht je vollständig zu erfassen, und die Machtdynamiken einer Porträtsituation.
Die Fotoserie besteht aus 36 Silbergelatineabzügen und 64 chromogenen Farbabzügen und gehört zu den bekanntesten Arbeiten von Roni Horn (*1955 New York). Sie ist im Juli/August 1994 auf einer gemeinsamen Reise mit Margrét H. Blöndal entstanden und wurde 1997 als Artist’s Book publiziert. Seit 1975 bereist die Künstlerin die Insel regelmäßig – sie bezeichnet sich als „chronische Touristin“. Viele ihrer Arbeiten kreisen um das dortige Leben. Der Topos des Wassers durchzieht ihr Werk, so hat sie beispielsweise auch eine Werkreihe zur Themse geschaffen.
Confrontations – Gegenüberstellungen aus der Sammlung
»Confrontations. Gegenüberstellungen aus der Sammlung« bringt Werkpaare aus der Sammlung Brandhorst zusammen, die keine kunsthistorische oder formale Beziehung zueinander haben. Gerade in ihrer Gegensätzlichkeit entfalten diese Paarungen eine besondere Spannung: Sie eröffnen neue Gedankenräume, sprechen unsere Intuition an und wecken Emotionen. Mal berührend, mal subtil, mal komisch und immer mehrdeutig, entsteht ein Gespräch zwischen und über Kunst. Die Ausstellung lädt dazu ein, Konfrontation als produktiv zu begreifen, neue Verbindungen zu entdecken, gewohnte Lesarten zu hinterfragen und persönliche Erfahrungen mit übergreifenden Fragen der Gegenwart zu verknüpfen.
Was passiert, wenn sich zwei Werke begegnen, die auf den ersten Blick nicht unmittelbar etwas gemeinsam haben? »Confrontations« lädt dazu ein, diese Frage im Ausstellungsraum zu erproben. Unerwartete Werkpaare treten in den Dialog: Ein Weihnachtsbaum aus Stahl (Philippe Parreno) trifft auf einen einzelnen roten Kinderschuh (Robert Gober), eine Fotoserie aus Venedig (Tarrah Krajnak) auf einen bunt bemalten Stab (André Cadere). Eine riesige Schwarze Hulk-Actionfigur (Arthur Jafa) steht neben einem kleinen Siegertreppchen (Rosemarie Trockel).Gerade in diesen Begegnungen entsteht Spannung – mal berührend, mal komisch, mal mitreißend.
Monika Baer, Nairy Baghramian, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Alexandra Bircken, James Lee Byars, André Cadere, Nicole Eisenman, Jana Euler, Louis Fratino, Lee Friedlander, Robert Gober, Richard Hamilton, Keith Haring, Rachel Harrison, Damien Hirst, Arthur Jafa, Mike Kelley, Tarrah Krajnak, Louise Lawler, Zoe Leonard, Tala Madani, Mario Merz, Tatsuo Miyajima, Philippe Parreno, Pope.L, Richard Prince, Raymond Saunders, Jim Shaw, Amy Sillman, Wolfgang Tillmans, Rosemarie Trockel, Cy Twombly, Kara Walker, Andy Warhol, Shin Yanagisawa
Long Story Short – Eine Kunstgeschichte aus der Sammlung Brandhorst von den 1960er-Jahren bis zur Gegenwart
»Long Story Short« erzählt eine Geschichte der zeitgenössischen Kunst von den 1960er-Jahren bis zur Gegenwart aus den Beständen der Sammlung Brandhorst. Jeder Raum ist eine eigene Ausstellung für sich: Von der Arte Povera bis zu monographischen Präsentationen, von formalästhetischen Diskursen bis zu gesellschaftspolitischen Themen. Noch nie gezeigte Werke und Neuerwerbungen treten dabei mit Ikonen des Museums in Dialog und ermöglichen neue Perspektiven auf die mittlerweile über 2000 Werke umfassende Sammlung.
Der Bestand des Museums ist seit seiner Eröffnung von 800 auf über 2 000 Werke angewachsen und verwebt zahlreiche Erzählstränge aus der Kunst der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit, die punktuelle wie tiefgreifende Einblicke in die Kunstproduktion der letzten 70 Jahre, vor allem in Europa und im US-amerikanischen Raum, geben. Anstatt einer vermeintlich vollständigen Geschichte dieses Zeitraums reihen sich in »Long Story Short« ausgewählte Strömungen, ästhetische Fragestellungen und künstlerische Positionen von den 1960er-Jahren bis heute zu einer Perlenkette einzelner Kunstgeschichten.
Kerstin Brätsch, Victor Burgin, André Cadere, DAS INSTITUT (Kerstin Brätsch und Adele Röder), Walter De Maria, Wade Guyton, Georg Herold, Charline von Heyl, Jacqueline Humphries, KAYA (Kerstin Brätsch und Debo Eilers), Jannis Kounellis, Michael Krebber, Louise Lawler, Mark Leckey, Mario Merz, Marisa Merz, Albert Oehlen, Kayode Ojo, Laura Owens, Palermo, Giulio Paolini, Sondra Perry, Sigmar Polke, Seth Price, Amy Sillman, Frank Stella, Martine Syms, Niele Toroni, Rosemarie Trockel, Richard Tuttle, Cy Twombly, Franz West

