Zu den radikalen Neuerungen der Kunst des 20. Jahrhunderts gehört ein neues Verständnis des Bildraumes. In den vorangegangenen Jahrhunderten wurde, mit der Erfindung der Zentralperspektive, das Bild als »offenes Fenster«, als Blick auf eine andere Welt verstanden. Die Moderne hingegen beginnt, die illusionistische Malerei hinter sich zu lassen und stattdessen Bild und Wirklichkeit neu zu verknüpfen. Vom Expressionismus über Dada bis hin zum Surrealismus wird der Bildraum stark emotional aufgeladen: Steile Blickwinkel, unzusammenhängende Perspektiven und klaustrophobische Ausschnitte kulminieren in dynamischen Räumen zwischen intimem Innenraum und städtischem Außenraum. Parallel dazu löst sich mit dem Suprematismus und Konstruktivismus die Darstellung von jeglicher Gegenständlichkeit. Visionen von kosmischer Unendlichkeit und technologischem Fortschritt schaffen utopische Räume bzw. Architekturen, die ein neues, besseres Leben imaginieren lassen. Die Schnittstellen zwischen Architektur, Malerei und Bildhauerei werden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiterverhandelt und neu ausgelotet. Dabei verweisen insbesondere Reliefarbeiten auf eine grundlegende Verbindung von Bild und Raum bzw. Wandobjekt und Wirklichkeitsraum. Daneben entstehen ungegenständliche Malereien zwischen absoluter Flachheit und unendlicher Tiefe, die den Blick einerseits in die Darstellung hineinziehen, andererseits aber die plane Fläche des Bildträgers als Wesensmerkmal der Malerei anerkennen.
Die Sammlungspräsentation Die Unendlichkeit des Raumes. Raumkonzepte in der Moderne zeichnet in sieben Kapiteln ein facettenreiches Bild der Transformation und Neuerfindung des künstlerischen Raumbegriffs im 20. und 21. Jahrhundert.
Mit Werken von Max Beckmann, Max Bill, Miriam Böhm, Gianni Colombo, Robert Delaunay, Georg Grosz, Ernst Ludwig Kirchner, El Lissitzky, Jean Metzinger, Gerold Miller, Piet Mondrian, Ljubow Popowa, Jean-Paul Riopelle, Thomas Ruff, Tomás Saraceno, Leon Polk Smith u. a.
Kuratorin: Julia Nebenführ