François Morellet (1926–2016) zählt zu den wichtigsten Vertretern der Geometrischen Abstraktion. Seine Werke folgen System und Logik und sind dennoch spielerisch und voller Esprit. Anlässlich seines 100. Geburtstags widmet die Sammlung Würth dem vielseitigen Wegbereiter einer neuen Konkreten Kunst eine Werkschau und rückt dabei auch Mitstreiterinnen und Mitstreiter sowie Wahlverwandte des Franzosen wie Max Bill, Almir Mavignier oder Anni Albers in den Blick.
Ab den 1950er-Jahren schuf Morellet ein Werk von beeindruckender Konsequenz. Auf der Basis seiner geometrischen Formfindung und systematischer Konzepte entwickelte er eine unverkennbare Bildsprache. Jede Arbeit folgt einem seiner definierten Ordnungsprinzipien: Aneinanderreihung, Überlagerung, Zufall, Interferenz oder Fragmentierung. Ausgehend von der Malerei zählte er zu den Ersten, die in den 1960er-Jahren mit künstlichem Licht arbeiteten. Zahlreich sind die Projekte im öffentlichen Raum, darunter treten Realisierungen für den Pariser Louvre oder das Paul-Löbe-Haus, ein Parlamentsgebäude des Deutschen Bundestags in Berlin, hervor.
Doch das Werk Morellets erschöpft sich nicht in seiner klaren Formensprache. Das »Unsprachliche« der abstrakten Kunst weitet sich oftmals über die anspielungsreichen wortspielerischen Titelzugaben, die im Französischen besonders gut gelingen. Diese eröffnen den Betrachtenden ebenso intellektuelle wie unterhaltsame Deutungsmöglichkeiten. Der Künstler spricht von »Kollisionen« und bezeichnet seine Arbeit als ein »Fast-Nichts« (»Presque rien«). Allerdings nicht, ohne uns aufzufordern, alles in dieses »Nichts« hineinzuinterpretieren, was uns gefällt. Die Ausstellung darf insofern als eine Aufforderung zu einem so fröhlichen wie ernsthaften Dialog mit Kunstwerken verstanden werden, die uns als Betrachtenden eine aktive Rolle zuweisen.
An einer interaktiven Station in der Ausstellung können Sie Ihr eigenes »Kunstwerk« mit dem Titel Pi piquant nach einem System von François Morellet erstellen.