Im Herbst 2026 würdigt das Belvedere die Künstlerin Erika Giovanna Klien (1900–1957) mit einer umfangreichen Einzelausstellung. Die bedeutendste Vertreterin des Wiener Kinetismus zeichnet und malt faszinierende Darstellungen vibrierender Vogelflüge, tanzender Körper und rotierender Maschinen. Beobachtung, Analyse und Arrangement komplexer Bewegungen, ob natürlichen oder technischen Ursprungs, liegen ihren Kompositionen zugrunde. Vor allem nach ihrer Übersiedlung nach New York 1929 entpuppt sich Klien als präzise Beobachterin des technischen Fortschritts und des modernen, immer stärker beschleunigten Lebens in der Großstadt.
Neben dem Studium an der Kunstgewerbeschule in Wien in der Klasse des avantgardistischen Reformpädagogen Franz Čižek absolviert Klien auch eine Schauspielausbildung. Das Interesse für Bühne und Tanz schlägt sich wiederholt in ihrem Werk nieder, um 1925 im Kinetischen Marionettentheater oder in den späten 1940er-Jahren im Bühnenstück The Masses. Eine weitere Konstante in Kliens Schaffen, motiviert durch ihre Ausbildung bei Čižek und die eigene jahrelange Tätigkeit als Kunstpädagogin, ist die Auseinandersetzung mit der künstlerischen Sprache von Kindern. Schließlich konvergieren in Darstellungen der sozialen Realität von Arbeiter:innen, die sowohl in den 1930ern als auch in ihren letzten Lebensjahren entstehen, Gesellschaftskritik und Modernereflexion.
Die Ausstellung im Unteren Belvedere beleuchtet alle Facetten des Œuvres der tanz- und theateraffinen Malerin, Grafikerin und Kunstpädagogin und präsentiert neueste Forschungsergebnisse zu Leben und Werk.
Eine Ausstellung des Belvedere, Wien, in Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst Wien – Kunstsammlung und Archiv sowie dem Istituto Italiano di Studi Germanici, Rom.
Kuratiert von Verena Gamper.
Co-Kuratorin: Veronica Liotti
Assistenzkuratorin: Johanna Hofer

