Mit ihren konzeptuellen Fotografien und experimentellen Kurzfilmen hat sich Friedl Kubelka – als Filmemacherin ab 2009 Friedl vom Gröller – international einen Namen gemacht. Kaum bekannt ist allerdings, dass sie seit Beginn ihres künstlerischen Schaffens um 1970 auch zeichnet und malt.
Entstanden sind mehr als 100 Zeichnungen und Gouachen, die bislang kaum öffentlich zu sehen waren. Diese kleinformatigen phantastisch-realistischen Arbeiten auf Papier zählen zu den persönlichsten der Künstlerin: Intim, detailreich und überraschend bunt erzählen sie von Leben, Tod, Liebe, Lust, Eifersucht, Isolation, Freude und auch Ausgelassenheit in all ihren Legierungen.
Eine Auswahl der Arbeiten auf Papier wird in dieser Ausstellung mit wenigen Minuten Film gezeigt.
Als einziges Museum weltweit hat das Belvedere eine Gouache von Friedl Kubelka in seinem Sammlungsbestand: Neuffers Zimmer (1974) ist eines der frühesten Bilder, die die Künstlerin gemalt hat. Hans Neuffer hat Kubelka zu Beginn der 1970er, als sie ihre ersten künstlerischen Fotografien und Filme schuf, auch zum Malen und Zeichnen ermutigt. Bis heute entstehen regelmäßig Arbeiten auf Papier.
Dreh- und Angelpunkt von Kubelkas / vom Gröllers gesamtkünstlerischem Schaffen ist seit 1969 das Atelier in der Gartengasse, das phasenweise auch als Schul- und Therapieraum diente. Dieser zentrale Ort ist für die Ausstellung ein wesentlicher Bezugspunkt: Hier arbeitet die Künstlerin stets im Kleinformat zwischen Fotografie, Film, Zeichnung und Malerei rigoros über das Menschsein.
Schonungslos zeigt Kubelka / vom Gröller das Individuum und seine Gefühlswelt in all den von ihr genutzten Medien, doch die Unmittelbarkeit des Zeichnens und Malens ermöglicht ihr einen ungewöhnlich intimen, direkten und auch vulnerablen Ausdruck.
In den farbenfrohen und detailreichen Gouachen erzählt die Künstlerin kontemplativ von privaten Erlebnissen, Wünschen, Krisen und Träumen. Angelehnt an den Stil des Phantastischen Realismus und anfangs inspiriert vom Austausch mit Hans Neuffer, Friedensreich Hundertwasser und Franz West haben diese Werke einen stark narrativen Duktus.
Das Erzählerische erprobt vom Gröller auch in einer Gruppe von Filmen, wenngleich aufgrund des Mediums anders ausgestaltet: Während sich die Gouachen durch einen opak-bunten Farbauftrag auszeichnen und von Details leben, schreiben sich die Filme puristisch und meist ohne Ton in Schwarz-Weiß auf dem transparenten 16mm-Zelluloid ein. Trotz der formalen Unterschiede besteht ein interessantes thematisches Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Laufbildern und den Arbeiten auf Papier, das in dieser Ausstellung erkundet wird.
Kuratiert von Stefanie Reisinger.
Co-Kurator: Dietmar Schwärzler (sixpackfilm, Wien)
Assistenzkuratorin: Vasilena Stoyanova

