Das Belvedere ist Weltkulturerbe, Barockjuwel und Ort des österreichischen Staatsvertrags. Eines der ältesten Museen der Welt und gleichzeitig Schauplatz der zeitgenössischen Kunst. Als eine der größten Kultureinrichtungen des Landes und Wahrzeichen Österreichs stehen das Belvedere vor der Herausforderung, sich im Spannungsfeld von kulturellem, wissenschaftlichem Anspruch, Bindung der lokalen Bevölkerung und Tourismus zu entwickeln. Mit dem Auftrag zur Bewahrung und der Lust am Aufbruch zu Neuem. Als Vermittler der Geschichte und als unbequemer Fragensteller an die Gegenwart. Als Kultur-Ort des Landes von internationalem Rang und im transnationalen digitalen Raum.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Sandra Mujinga – Skin to Skin
Skin to Skin ist die bislang umfassendste Einzelausstellung der norwegischen Künstlerin Sandra Mujinga – und ihre erste Museumspräsentation in Österreich. Mujinga transformiert den Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Belvedere 21 in eine sich wandelnde, immersive Umgebung aus Licht, Reflexionen und Klang.
Im Zentrum der Schau steht eine geheimnisvolle Gruppe von 55 identischen überlebensgroßen Figuren – geisterhafte, hybride Wesen, die Avataren, Tiefseegeschöpfen oder Erscheinungen aus einer anderen Dimension ähneln. Sie verkörpern zugleich Schutz und Verbundenheit sowie Zerbrechlichkeit und Stärke. Inspiriert von tierischen Überlebensstrategien wie Tarnung und Nachtaktivität sowie von Ideen aus Science-Fiction, Afrofuturismus und Posthumanismus erschafft Sandra Mujinga eine Atmosphäre, in der Vervielfältigung zu einer Strategie des Verschwindens wird.
Mit ihrer Arbeit stellt Mujinga grundlegende Fragen nach Sichtbarkeit, Identität und Transformation, geleitet von ihrem ausgeprägten Interesse an Körpern und Haut. Spiegelnde Objekte verstärken die visuelle Vervielfältigung und die sensorische Stimulation, während ein elektronischer Soundtrack dieser scheinbar spekulativen Welt eine akustische Dimension verleiht. Inspiriert von Naomi Kleins Konzept des Doppelgängers untersucht Skin to Skin, wie sich Körper durch Wiederholung und Abstraktion einer eindeutigen Lesbarkeit entziehen – und eröffnet so neue Räume für spekulativen Widerstand im Kontext (digitaler) Kontrolle und Überwachung. Skin to Skin lädt ein, sich fluide, hybride und widerständige Existenzformen jenseits konventioneller Kategorien vorzustellen – poetisch, politisch und radikal zeitgenössisch.
Die Ausstellung Sandra Mujinga. Skin to Skin wird vom Belvedere und vom Stedelijk Museum organisiert.
Kuratiert von Axel Köhne (Belvedere) und Melanie Bühler (Stedelijk).
Assistenzkuratorin: Carla Wiggering
Friedl Kubelka / vom Gröller – Nicht daheim und doch zu Hause
Mit ihren konzeptuellen Fotografien und experimentellen Kurzfilmen hat sich Friedl Kubelka – als Filmemacherin ab 2009 Friedl vom Gröller – international einen Namen gemacht. Kaum bekannt ist allerdings, dass sie seit Beginn ihres künstlerischen Schaffens um 1970 auch zeichnet und malt.
Entstanden sind mehr als 100 Zeichnungen und Gouachen, die bislang kaum öffentlich zu sehen waren. Diese kleinformatigen phantastisch-realistischen Arbeiten auf Papier zählen zu den persönlichsten der Künstlerin: Intim, detailreich und überraschend bunt erzählen sie von Leben, Tod, Liebe, Lust, Eifersucht, Isolation, Freude und auch Ausgelassenheit in all ihren Legierungen.
Eine Auswahl der Arbeiten auf Papier wird in dieser Ausstellung mit wenigen Minuten Film gezeigt.
Als einziges Museum weltweit hat das Belvedere eine Gouache von Friedl Kubelka in seinem Sammlungsbestand: Neuffers Zimmer (1974) ist eines der frühesten Bilder, die die Künstlerin gemalt hat. Hans Neuffer hat Kubelka zu Beginn der 1970er, als sie ihre ersten künstlerischen Fotografien und Filme schuf, auch zum Malen und Zeichnen ermutigt. Bis heute entstehen regelmäßig Arbeiten auf Papier.
Dreh- und Angelpunkt von Kubelkas / vom Gröllers gesamtkünstlerischem Schaffen ist seit 1969 das Atelier in der Gartengasse, das phasenweise auch als Schul- und Therapieraum diente. Dieser zentrale Ort ist für die Ausstellung ein wesentlicher Bezugspunkt: Hier arbeitet die Künstlerin stets im Kleinformat zwischen Fotografie, Film, Zeichnung und Malerei rigoros über das Menschsein.
Schonungslos zeigt Kubelka / vom Gröller das Individuum und seine Gefühlswelt in all den von ihr genutzten Medien, doch die Unmittelbarkeit des Zeichnens und Malens ermöglicht ihr einen ungewöhnlich intimen, direkten und auch vulnerablen Ausdruck.
In den farbenfrohen und detailreichen Gouachen erzählt die Künstlerin kontemplativ von privaten Erlebnissen, Wünschen, Krisen und Träumen. Angelehnt an den Stil des Phantastischen Realismus und anfangs inspiriert vom Austausch mit Hans Neuffer, Friedensreich Hundertwasser und Franz West haben diese Werke einen stark narrativen Duktus.
Das Erzählerische erprobt vom Gröller auch in einer Gruppe von Filmen, wenngleich aufgrund des Mediums anders ausgestaltet: Während sich die Gouachen durch einen opak-bunten Farbauftrag auszeichnen und von Details leben, schreiben sich die Filme puristisch und meist ohne Ton in Schwarz-Weiß auf dem transparenten 16mm-Zelluloid ein. Trotz der formalen Unterschiede besteht ein interessantes thematisches Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Laufbildern und den Arbeiten auf Papier, das in dieser Ausstellung erkundet wird.
Kuratiert von Stefanie Reisinger.
Co-Kurator: Dietmar Schwärzler (sixpackfilm, Wien)
Assistenzkuratorin: Vasilena Stoyanova
Sue Williams
Im Frühjahr 2026 präsentiert das Belvedere 21 eine umfassende Werkschau der US-amerikanischen Malerin Sue Williams (* 1954, Chicago Heights, Illinois). Seit den späten 1980er-Jahren setzt sich Williams in Malerei und Zeichnung mit Macht und Unterdrückung, Geschlechterverhältnissen und Körperpolitiken auseinander. Dabei verfolgt sie konsequent eine kritisch-feministische Agenda auf einem lange als patriarchale Domäne schlechthin geltenden Terrain, das sie in einer Vielfalt malerischer Strategien brillant zu bespielen vermag.
Sue Williams’ frühe Arbeiten sind von einem comichaften, oft in Schwarzweiß gehaltenen Stil geprägt und thematisieren mit unverhohlener Wut sexualisierte Gewalt und Misogynie. Im Laufe der 1990er-Jahre entwickelt die Künstlerin dann eine gestisch-abstrakte Bildsprache, die mehr und mehr auf narrative Elemente verzichtet und von einem dynamischen Pinselduktus in intensiver Farbigkeit dominiert wird. Dennoch bleiben Körper, Macht und Gewalt als Sujets präsent: Einem distanzierten Blick zeigt sich ein ornamentales All-over, bei näherer Betrachtung eröffnet sich eine überraschende motivische Eindeutigkeit, das Abstrakt-Musterhafte verwandelt sich in anthropomorphe Leiblichkeit.
In den frühen 2000er-Jahren reduziert Williams ihre Kompositionen auf kraftvolle, oft neonfarbene Linien, die phallische Formen evozieren und gleichsam die heroische Männlichkeit des abstrakten Expressionismus parodieren, um sie ironisch zu brechen. Unter dem Eindruck gesellschaftspolitischer Entwicklungen in den USA und weltweit reflektieren ihre Gemälde der 2010er-Jahre als kinetische Explosionen von Farbe und Form Dystopien der Gegenwart, die von Krieg, Terror und medialer Manipulation bestimmt sind. In ihren aktuellen Arbeiten verbindet sie wiederum Elemente früherer Werkphasen zu komplexen, detailreichen Bildarrangements, die zwischen Figuration und Abstraktion oszillieren und von struktureller Gewalt und individuellem Trauma, Erinnerung und Resilienz erzählen.
In der Gleichzeitigkeit von Persönlichem und Politischem, von humorvoller Karikatur, nahezu erschütternder Explizität und malerischer Geste entfalten die Bilder von Sue Williams ihre genuine Wirkmächtigkeit. Die Ausstellung im Belvedere 21 umfasst Arbeiten in Malerei, Zeichnung und Collage aus allen Schaffensphasen der Künstlerin von den späten 1980er-Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart.
Kuratiert von Luisa Ziaja.
Assistenzkuratorin: Katarina Lozo

