läuft
Holle

Georg Baselitz – Zeit für neue Helden

Die Ausstellung, die als wechselnde Präsentation von Druckgrafiken des renommierten deutschen Künstlers konzipiert wurde, zeigt zu ihrer Eröffnung um die 70 Holzschnitte und Radierungen, die zwischen 1964 und 2008 entstanden sind.

 

Das Kunstmuseum Schloss Derneburg freut sich, die Ausstellung Georg Baselitz: Zeit für neue Helden ankündigen zu dürfen. Zu sehen ab 16. Mai 2026, zeigt die Ausstellung, die als wechselnde Präsentation von Druckgrafiken des renommierten deutschen Künstlers konzipiert wurde, zu ihrer Eröffnung um die 70 Holzschnitte und Radierungen, die zwischen 1964 und 2008 entstanden sind. Ergänzt werden die Arbeiten durch Beispiele aus Malerei und Zeichnung. Die erstmalig in den 1960er Jahren auftretenden zentralen Motive, die sich in Baselitz' alleinstehenden Neuen Typen und Helden-Figuren finden, entwickelte er über sechs Jahrzehnte in der Druckgrafik meisterhaft weiter. Zeit für neue Helden veranschaulicht die Bandbreite seiner Innovation in Technik, Maßstab und Farbe. Anlässlich der Ausstellung öffnet das Kunstmuseum Schloss Derneburg erstmals das Untergeschoss des sogenannten »Neuen Ateliers«, das Baselitz 10 Jahre lang als Druckwerkstatt diente. Die Ausstellung komplementiert die Langzeitpräsentation Baselitz im Atelier im Erdgeschoss des Gebäudes.

 

In einem Interview mit Ulrich Weisner, durchgeführt in Derneburg am 22. August 1989, erinnert sich Baselitz: »Ich habe Holzschnitte immer dann gemacht, wenn für mich die Notwendigkeit bestand, ein Bild, eine Bildidee, die ich entwickelt hatte und die in Bildern manifest war, in einer endgültigen Form zu präzisieren.« Obwohl Baselitz ursprünglich als Maler Bekanntheit erlangte, behielt er den Anspruch, seinen Stil in fluidem Austausch zwischen Malerei, Zeichnung, Bildhauerei und Druckgrafik weiterzuentwickeln. Die Verbindung der Prozesse und Herausforderungen der jeweiligen Disziplin beeinflussen dabei seine allgemeine Praxis. Durch die Arbeit in diesem historisch reichen, fast überholten und technisch anspruchsvollen Handwerk der Radierung und des Holzschnitts positioniert sich Baselitz als vielseitiger zeitgenössischer Außenseiter innerhalb einer historischen Tradition, zu der unteranderem Albrecht Dürer, Pontormo, die Schule von Fontainebleau und Edvard Munch gehören. Mit jeder Übung und jeder Innovation bezeugt Baselitz eine lebenslange Treue zur Druckgrafik und eine sisyphusartige Hingabe an eine schwer zu fassende ›finale Form‹.

 

Während eines zweimonatigen Aufenthalts auf Schloss Wolfsburg 1964 fertigte Baselitz erstmals eine Reihe kleinformatiger Weichgrundradierungen an, die seine zentralen Motive präzisierte. Aus weichen und rauen Linien zusammengesetzte, gefallene oder zerzauste Gestalten, die seine Zinkplatten in den folgenden Jahren bevölkerten, wurden von der Kritik als »Helden« bezeichnet. Die Arbeit Ohne Titel (Typ)/Grüner am Baum (1965) zeigt einen isolierten Mann in zerrissener Kleidung und breitem Stand mit ausgestreckten Armen innerhalb einer wüsten Landschaft.

 

Mit der Serie Remix '65/66 (2008) nimmt Baselitz durch Titel und Motiv Bezug auf seine frühen Drucke. Das in unnatürlich leuchtenden Farben grundierte Papier bildet einen energiegeladenen Untergrund für das Motiv im Negativ. Der enge Zuschnitt der Figur und die Verschiebung der Form ab der Taille in Maler im Mantel – drei Streifen (2008) erinnert an die sogenannten Fraktur-Bilder des Künstlers, ein kompositorisches Element, das er 1966 entwickelte und welches später zur Umkehrung seiner Motive führte.

 

Die frühen Holzschnitte, die Baselitz nach dem Umzug aus Berlin in seinem Wohnsitz und Studio in Osthofen anfertigte, sind beispielhaft für seine ersten Versuche des Weißlinienschnitts. Exemplarisch dafür ist die Arbeit Der neue Typ (1966), die das Verfahren durch eine in Braun gedruckte, massige Figur vor einem Hintergrund aus gewundenen Linien veranschaulicht. Nach seinem Aufenthalt in der Villa Romana 1965 verstärkte sich Baselitz' Interesse an manieristischen Drucken und Techniken, wobei ihm die Hell-Dunkel-Elemente der Chiaroscuro-Holzschnitte als Inspiration dienten.

 

Der intensiven, körperlich anstrengenden Arbeit zur Vergrößerung seiner Motive nahm er sich erstmals 1977 und erneut in den 1990er Jahren an. Ein zwei Meter hoher Holzschnitt mit dem Titel 32 Punkte (1991) entspricht in seiner Größe den Gemälden des Künstlers aus der Zeit, während die Maserung des Holzblocks im grünen Hintergrund sichtbar bleibt. Die Ergänzungen in Schwarz fügt Baselitz durch die Nutzung eines zweiten Holzblocks hinzu, indem er das Motiv ohne Vorzeichnung direkt in das Holz schneidet.

 

In dem Gemälde Ein Roter (Remix) (2005) spiegelt eine verzweifelt blickende, rot uniformierte Figur mit offenem Mund, umgeben von einem größtenteils roten Feld, die auf wenige Farbflächen beschränkten traditionellen Drucke. Der weiße Rahmen erinnert möglicherweise an die Ränder des Papiers. Die Kaltnadelradierung Der neue Typ (2006) unterscheidet sich in ihrer Größe drastisch. Sie zeigt den zyklisch wiederkehrenden »Helden« in Uniform mit ausgestreckten Armen aus deutlich feineren, sich überlagernden Linien, die auf dem leuchtend gelben Hintergrund hervortreten.

 

Hans-Georg Kern, einer der wichtigsten deutschen Künstler:innen der Nachkriegszeit, wurde 1938 im sächsischen Deutschbaselitz geboren. 1961 nahm er den Namen Georg Baselitz in Hommage an seinen Geburtsort an. Seine Werke werden seit Jahrzehnten international ausgestellt. Zu den wichtigsten Einzelausstellungen zählt die vom  Guggenheim Museum, New York, organisierte Retrospektive, die im Los Angeles County Museum of Art, Hirshhorn Museum und Sculpture Garden, Washington, D.C., sowie in der Nationalgalerie Berlin (1995–96) zu sehen war, gefolgt von einer umfassenden Ausstellung im Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris (1996). Georg Baselitz' Remix-Zyklus wurde erstmals in der Pinakothek der Moderne, München (2006), und im Albertina, Wien (2007), präsentiert. Im selben Jahr fand eine Retrospektive in der Royal Academy of Arts, London (2007) statt. Eine Überblickspräsentation der Skulpturen des Künstlers zeigte das Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris (2011–12), gefolgt von einer Einzelausstellung im Albertina, Wien (2013), und im Haus der Kunst, München (2014). Baselitz’ Helden-Bilder und Neue Typen wurden erst im Städel Museum, Frankfurt (2016), ausgestellt und wanderten anschließend zum Moderna Museet, Stockholm; zum Palazzo delle Esposizioni, Rom; und zum Guggenheim Bilbao. 2018 fanden umfassende Einzelausstellungen in der Fondation Beyeler, Basel, im Hirschhorn Museum, Washington, D.C., und Musée Unterlinden, Colmar, Frankreich, statt. Zuletzt wurden bedeutende Einzelausstellungen seiner Werke in der Gallerie dell'Accademia in Venedig, Italien (2019), im Centre Pompidou in Paris, Frankreich ( 2021–22), Museo di Palazzo, Grimani in Venedig, Italien (2021–22), The Morgan Library & Museum, New York, NY (2022), Kunsthistorischen Museum, Wien (2023), Serpentine Gallery, London (2023), Sakıp Sabancı Museum, Istanbul (2024), KODE Bergen und im Museo de Bellas Artes de Bilbao (2025), Museo Novecento, Florenz (2026) sowie im MdM Salzburg (2026) präsentiert. Baselitz lebt und arbeitet am Ammersee in Bayern, in der Nähe von Salzburg, Österreich, und in Imperia, Italien. Seine Werke befinden sich in institutionellen Sammlungen auf der ganzen Welt.

Termine
Start16.05.2026
EndeLäuft auf unbestimmte Zeit
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstaggeschlossen
Mittwochgeschlossen
Donnerstaggeschlossen
Freitaggeschlossen
Samstag11:00–17:00 (nur im Rahmen von Führungen)
Sonntag11:00–17:00 (nur im Rahmen von Führungen)

Weiterführende Literatur