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Mülheim an der Ruhr

GUTE NACHT – MÄRCHEN · MYTHEN · GEISTER · PHANTASMEN

»Gute Nacht« – das klingt scheinbar nach Wärmflasche, Schlummerlicht und beruhigendem Geborgensein. 

 

Doch Vorsicht! Die Nacht ist kein Streichelzoo. Kaum erlischt das Licht, werden Konturen porös, Sicherheiten weich und das Unterbewusste meldet sich vehement zu Wort. Denn wo es dunkel wird, haben sie ihren großen Auftritt, sie, die Märchenfiguren mit zweifelhaftem Moralverständnis, die Mythen mit Hang zur Übertreibung, die Geister mit schlechtem Timing und die Phantasmen, die sich nicht entscheiden können, ob sie Einbildung oder Erscheinung sind. Sie alle bevölkern jene Zwischenräume, in denen unsere Vernunft eine Pause macht und die Vorstellungskraft zu blühendem Leben erwacht.

 

Märchen erzählen von Verwandlungen, davon, dass Identität nichts Festes ist, sondern eher ein Kostümfundus mit unklarer Garderobenordnung. 

 

Mythen liefern die großen existenziellen Dramen über Macht, Hybris, Absturz und Wiederkehr. Sie beweisen, dass sich die Menschheit seit Jahrtausenden mit denselben Fragen herumschlägt – nur in wechselnden Outfits. 

 

Phantasmen treiben es noch raffinierter. Sie sind halb Gedanke, halb Bild, ganz Irritation. Kaum meint man, sie fest im Blick zu haben, kippt die Perspektive – und das vermeintlich Vertraute zeigt Zähne. Schatten lösen sich vom Körper, Linien werden zu Fratzen, Strukturen beginnen zu flirren. 

 

Wer schaut hier eigentlich wen an?

 

Auch Geister sind keine staubigen Spukgestalten. Sie sind hartnäckige Wiedergänger des Verdrängten, Echos alter Geschichten, Störungen im System. Sie tauchen dort auf, wo etwas nicht abgeschlossen ist – in uns, zwischen uns, um uns herum.

 

Die Ausstellung »Gute Nacht« nimmt das Fantastische ernst – und gleichzeitig nicht beim Wort. Sie versteht Märchen, Mythen, Geister und Phantasmen als Denkmodelle mit Biss, als elegante Sabotageakte gegen allzu glatte – meist medial getriggerte – Wirklichkeiten. Hier darf das Unheimliche verführen, das Abgründige funkeln und das Ambivalente fröhlich seine Kreise ziehen. 

 

Also: Gute Nacht, schlafen Sie ruhig. Oder bleiben Sie wach, es könnte interessant werden, da die Ausstellung Sie nicht sanft in das Reich der süßen Träume wiegt, sondern die Komfortzone des eindeutig Erklärbaren charmant ins Wanken bringt. Märchen, Mythen, Geister und Phantasmen werden hier nicht als nostalgische Spukgestalten präsentiert, sondern als hochaktuelle Störenfriede. Sie mischen sich in unsere Vorstellungen von Identität, von Wahrheit, von Wirklichkeit ein.

 

Die Ausstellung lädt dazu ein, das Unklare nicht sofort auflösen zu wollen. Sie versteht das Fantastische als Erkenntnisinstrument, als Möglichkeit, das Verdrängte sichtbar zu machen, lineare Erzählungen zu unterbrechen und scheinbar stabile Ordnungen zu befragen. 

 

Es geht um Risse im System, um die Lust an der Ambivalenz und um die produktive Verunsicherung. Die Sammlungspräsentation möchte nicht erklären, wie die Welt ist. Sie möchte zeigen, wo sie flackert.

Diese Ausstellung endet in
17
Tage
14
Std
22
Min
20
Sek
Termine
Start19.07.2026
Ende08.11.2026
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–18:00
Mittwoch11:00–18:00
Donnerstag11:00–18:00
Freitag11:00–18:00
Samstag11:00–18:00
Sonntag11:00–18:00
Veranstaltungsort
Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr
Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr Synagogenplatz 1, 45468 Mülheim an der Ruhr

Das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr kann auf eine bewegte, gut hundertjährige Geschichte zurückblicken. Hervorgegangen ist es 1909 aus der Privatsammlung des Mülheimer Bürgers Robert Rheinen. Durch gezielte Ankäufe und eine stete Förderung der mit Mülheim eng verbundenen Künstler Werner Gilles, Arthur Kaufmann, Hermann Lickfeld, Otto Pankok, Heinrich Siepmann und Werner Graeff konnte es über Jahrzehnte verschiedene Sammlungsschwerpunkte aufbauen. Mit der Übergabe der hochkarätigen Sammlung des Mülheimer Nobelpreisträgers Karl Ziegler und seiner Frau an das Museum 1981, bildeten sich der Expressionismus und die klassische Moderne als Höhepunkt aus. Zeichnungen und Gemälde von Max Beckmann, Max Ernst, Lyonel Feininger, Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel, Emil Nolde, Franz Marc und August Macke sind in den intimen Kabinetten des Altbaus des Museums zu sehen. Darüber hinaus besitzt das Museum als Schenkung des Mülheimer Arztes K. G. Themel eine der größten Heinrich Zille-Sammlungen außerhalb Berlins sowie ausgesuchte grafische Serien unter anderem von Ernst Barlach, Marc Chagall und Pablo Picasso. Seit 1994 residiert das Kunstmuseum im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Hauptpost im Zentrum Mülheims in unmittelbarer Nachbarschaft des Medienhauses. Es wurde von 1984 bis 1994 zu einem Museum umgebaut. Den sehenswerten Platz vor dem Museum gestaltete der bedeutende Bildhauer Otto Herbert Hajek 1977 als farbiges Relief mit Stadtzeichen und Brunnen. In wechselnden Ausstellungen stellt das Museum Künstler und Themen der Sammlung, aus Stadt und Region sowie zur klassischen Moderne und zur internationalen zeitgenössischen Kunst vor. Regelmäßige Malkurse, Kunstberatungen, Führungen, Künstlergespräche und eine Artothek ergänzen das Programm. Im Foyer des Museums, der ehemaligen Schalterhalle, bietet der vom Förderkreis betriebene Museumsshop eine große Auswahl an Geschenkartikeln an. Gefördert und unterstützt wird das Kunstmuseum von Kunstverein und Förderkreis.

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