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Bonn

JACQUES TILLY – Wagen und Widerstand

Was passiert, wenn gesellschaftliche Kritik auf künstlerische Zuspitzung trifft? Parallel zum Ausstellungsprojekt FREIRÄUME. Zwischen Wandel und Widerstand präsentiert das Kunstmuseum eine Sonderausstellung mit dem renommierten Satiriker und Künstler Jacques Tilly (*1963 in Düsseldorf). Sie thematisiert die Bedeutung des Karnevals als einen zentralen gesellschaftlichen Freiraum unserer Demokratie.

 

In einer Zeit, in der Debattenräume zunehmend enger werden, widmet sich diese Schau dem Kern von Tillys Schaffen: dem Kampf um die Freiheit von Provokation, Kritik und künstlerischer Zuspitzung. International bekannt wurde Tilly durch seine oft drastischen Entwürfe für den Düsseldorfer Rosenmontagszug, die weltweit Aufmerksamkeit erregen. Für die Ausstellung verwandelt der Künstler das Museum in ein Laboratorium der Kritik und des Widerstands.

 

Die Ausstellung macht sichtbar, wie Tilly die Tradition der Narrenfreiheit ins 21. Jahrhundert übersetzt. Seine Wagen und Figuren greifen politische Machtstrukturen, religiöse Institutionen und gesellschaftliche Missstände auf – pointiert, humorvoll und kompromisslos. Damit stoßen sie Debatten an, die weit über den Karneval hinausreichen, und erinnern an die Bedeutung von Meinungsfreiheit und Kritik in einer offenen Gesellschaft. Zu sehen sind Modelle seiner Großplastiken aus verschiedenen Jahrzehnten, Entwurfszeichnungen sowie Fotografien, Filme und Presseberichte. Die Präsentation reicht von Arbeiten aus der Zeit der Bonner Republik und des geteilten Deutschlands bis zu aktuellen internationalen Reaktionen auf sein Werk – von begeisterter Zustimmung bis zu Protesten, Zensurversuchen und staatlicher Verfolgung.

 

Jacques Tilly, geboren 1963 in Düsseldorf, studierte Kommunikationsdesign und prägt seit den 1980er Jahren das Bild des politischen Karnevals. Mit seinen international beachteten Motivwagen zählt er zu den bekanntesten satirischen Künstlern Deutschlands. Ein Moskauer Gericht verurteilte den Künstler jüngst (am 2. April 2026) zu einer Haftstrafe von 8,5 Jahren wegen »Verunglimpfung von Staatsorganen« und vierjährigem Arbeitsverbot.

 

Eröffnung: 25. November 2026, 19 Uhr
Der Eintritt ist am Eröffnungsabend frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Diese Ausstellung beginnt in
37
Tage
23
Std
4
Min
25
Sek
Termine
Start29.11.2026
Ende14.03.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–18:00
Mittwoch11:00–19:00
Donnerstag11:00–18:00
Freitag11:00–18:00
Samstag11:00–18:00
Sonntag11:00–18:00
Veranstaltungsort
Kunstmuseum Bonn
Kunstmuseum BonnHelmut-Kohl-Allee 2, 53113 Bonn

Das Kunstmuseum Bonn gehört zu den großen, bundesweit beachteten Museen für Gegenwartskunst. Sein 1992 eröffneter, von dem Berliner Architekten Axel Schultes entworfener Neubau zählt deutschlandweit zu den wichtigen Museumsbauten der letzten Jahrzehnte. Im Mittelpunkt des Hauses steht die rund 9.000 Werke umfassende Sammlung des Kunstmuseums Bonn mit ihrem zentralen Werkkonvolut zu August Macke und der Kunst der Rheinischen Expressionisten sowie die bedeutende Sammlung zur Kunst in Deutschland nach 1945 mit Schwerpunkt auf der Malerei, Fotografie und zeitbasierten Medien. Besonderes Kennzeichen des bundesweit einmaligen Profils ist die Konzentration auf eine überschaubare Anzahl herausragender Künstler:innen, deren Werk in großangelegten Künstler:innenräumen gezeigt wird. Die international ausgerichteten thematischen und monografischen Ausstellungsprojekte werden in der Regel aus einem engen Bezug zum Sammlungskontext entwickelt. Mit dem Aufgabenbereich »Bildung und Vermittlung« erschließt das Kunstmuseum Bonn neue Besucher:innenkreise und realisiert die gesellschaftspolitischen Anforderungen an eine zeitgemäße Museumsarbeit und Kunstvermittlung durch ein qualifiziertes und vielseitiges museumspädagogisches Angebot, das eine Schlüsselfunktion im Rahmen der Bonner Freizeit- und Bildungsangebote einnimmt. Zudem verankern vielfältige Kooperationen mit unterschiedlichsten Institutionen im lokalen und regionalen Kontext das Haus im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit.

Weiterführende Literatur