Bonn
Museum

Kunstmuseum Bonn

Helmut-Kohl-Allee 2, 53113 Bonn

Das Kunstmuseum Bonn gehört zu den großen, bundesweit beachteten Museen für Gegenwartskunst. Sein 1992 eröffneter, von dem Berliner Architekten Axel Schultes entworfener Neubau zählt deutschlandweit zu den wichtigen Museumsbauten der letzten Jahrzehnte.

 

Im Mittelpunkt des Hauses steht die rund 9.000 Werke umfassende Sammlung des Kunstmuseums Bonn mit ihrem zentralen Werkkonvolut zu August Macke und der Kunst der Rheinischen Expressionisten sowie die bedeutende Sammlung zur Kunst in Deutschland nach 1945 mit Schwerpunkt auf der Malerei, Fotografie und zeitbasierten Medien. Besonderes Kennzeichen des bundesweit einmaligen Profils ist die Konzentration auf eine überschaubare Anzahl herausragender Künstler:innen, deren Werk in großangelegten Künstler:innenräumen gezeigt wird. Die international ausgerichteten thematischen und monografischen Ausstellungsprojekte werden in der Regel aus einem engen Bezug zum Sammlungskontext entwickelt.

 

Mit dem Aufgabenbereich »Bildung und Vermittlung« erschließt das Kunstmuseum Bonn neue Besucher:innenkreise und realisiert die gesellschaftspolitischen Anforderungen an eine zeitgemäße Museumsarbeit und Kunstvermittlung durch ein qualifiziertes und vielseitiges museumspädagogisches Angebot, das eine Schlüsselfunktion im Rahmen der Bonner Freizeit- und Bildungsangebote einnimmt. Zudem verankern vielfältige Kooperationen mit unterschiedlichsten Institutionen im lokalen und regionalen Kontext das Haus im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit.

Veranstaltungen und Ausstellungen

09.09.25 - 19.09.27

MENSCHEN UND GESCHICHTEN – Die Sammlung der Klassischen Moderne

»Wir sa­ßen in sei­nem Gar­ten un­ter der Lau­be am Rhein und blin­zel­ten in den strah­len­den Som­mer. Ma­cke, Max Ernst, der zar­te, buck­li­ge See­haus, der schlan­ke, un­end­lich be­gab­te Franz Hen­se­ler, der aus Mün­chen hier­her ver­schla­gen wur­de. Manch­mal tauch­te Hein­rich Nau­en auf, und Franz Marc be­stieg sein blau­es Ross, um den Af­fen­fries im Ate­lier aus­zu­ma­len. Zwi­schen­durch geis­ter­te der schlauch­ar­tig sich win­den­de Ha­ru En­gert um­her, saß mit un­ter­ge­schla­ge­nen Bei­nen und schnitt Sil­hou­et­ten. Aus un­se­ren eu­ro­päi­schen Ge­sprä­chen – wir be­trach­te­ten Köln und Bonn als Vor­or­te von Pa­ris, Wien und Rom – form­te sich in Ma­cke die Idee ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Aus­stel­lung Rhei­ni­scher Ex­pres­sio­nis­ten, die oh­ne je­de Vor­be­rei­tung oder frem­de Hil­fe in den Tag sprang.«
Karl Otten, 1912

 

Kunst ist immer eng mit den Lebenswegen von Künstlerinnen und Künstlern, ihren Familien sowie Kunstsammlerinnen und -sammlern verknüpft. Die neue Sammlungspräsentation im Bereich der Klassischen Moderne im Erdgeschoss des Kunstmuseums spürt diesen Wegen und Geschichten nach. Während die Darstellung ausgewählter Werkprovenienzen historische Entwicklungen und ihre konkreten Auswirkungen auf einzelne Menschen und ihre Lebenswege nachvollziehbar macht, entwerfen exemplarische Biografien ein lebendiges und facettenreiches Bild der Entstehungszeit der gezeigten Kunstwerke.

 

Neben beliebten Sammlungshighlights der bekannten Rheinischen Expressionisten zeigt die Neupräsentation selten ausgestellte Werke von weniger bekannten Künstler:innen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Künstlerinnen, die bislang selten im Museum zu sehen waren und oft nur mit wenigen Werken in der Sammlung vertreten sind. Dazu zählen Käthe Kollwitz, Marta Worringer, Lotte B. Prechner, Emy Roeder, Bertha Oppenheimer und andere.

 

Die Ausstellung fragt zudem nach der heutigen Bewertung von Künstler:innenbiografien, die von Brüchen, Ambivalenzen oder politischen Verstrickungen geprägt sind. Am Beispiel von Werner Peiner und anderen wird sichtbar, wie die Auseinandersetzung mit problematischen Lebenswegen und Haltungen unsere Sicht auf die Werke verändert und die Frage nach musealer Verantwortung in den Vordergrund rückt.

 

 

Vertretene Künstler:innen:

 

Ernst Moritz Engert, Max Ernst, Franz Seraph Henseler, Hannah Höch, Franz M. Jansen, Alexej von Jawlensky, Käthe Kollwitz, Fifi Kreutzer, August Macke, Helmuth Macke, Carlo Mense, Heinrich Nauen, Marie Nauen-Malachowski, Gabriele Münter, Emil Nolde, Meret Oppenheim, Olga Oppenheimer, Werner Peiner, Lotte B. Prechner, Emy Roeder, Paul Adolf Seehaus, Hans Thuar, Marta Worringer.

22.03.26 - 01.11.26

Versammlung der Tiere – Ein kooperativer Malraum

Kinder und Jugendliche sind eingeladen, den Museumsraum malerisch in ein wildes und artenreiches Tierreich zu verwandeln. Anregungen dazu geben Tiere aus dem benachbarten Museum Alexander Koenig. Pinguin, Feldhase, Ratte, Eisbär, Taube, Rüsselkäfer oder Antilope: noch wissen wir nicht, welche Tiere ins Kunstmuseum einziehen, denn dies entscheiden auch die Kinder und Jugendlichen, die sich kollaborativ im Laufe der neun Monate beteiligen.

 

Inmitten des Museums wächst kontinuierlich ein malerischer Ort voller Tiere und deren Eigenarten, Persönlichkeiten und Besonderheiten. Ihre Darstellungen zeugen von Stärke, Selbstwirksamkeit, Verantwortung und dem Eingebettet- Sein in einen komplexen und vielgestaltigen Kosmos. Alle sind dazu eingeladen, mit Farbe und Pinsel diese Vielfalt mitzugestalten.

 

Die bemalten Wandteile können erneuert werden, die Tiere aus dem Museum herauswandern, um sich neue Orte zu erschaffen und dort wiederum Kinder und Jugendliche in fortführende malerische Prozesse einzubinden. Die Versammlung der Tiere ermutigt Kinder und Jugendliche dazu, die Schönheit, Fremdheit, Gefährlichkeit und Verletzlichkeit in einem partizipativ gestalteten Ort erlebbar zu machen.

28.04.26 - 31.12.27

Zoom in – Hito Steyerl: Animal Spirits

In der Reihe ZOOM IN rückt das Kunstmuseum Bonn künstlerische Einzelpositionen aus seiner Sammlung in den Fokus. Für die Präsentation bespielen die Künstler:innen jeweils einen gesamten Raum.

 

Als Highlight zu Beginn zeigt das Kunstmuseum Animal Spirits von Hito Steyerl. Die Rauminstallation erinnert an einen geheimnisvollen, fremden Planeten oder an eine Tropfsteinhöhle: Projektionen von Höhlenmalereien schmücken die Wände und beleuchtete Glasgefäße mit Pflanzen hängen wie Himmelskörper von der Decke. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz hat die Künstlerin die historischen Höhlenmalereien zum Leben erweckt. Natur und Technik verbinden sich zu einer Flut an Sinneseindrücken aus rhythmischen Klängen und Tierdarstellungen.

 

Im Zentrum der Installation steht der Film mit dem Titel »Animal Spirits« – eine Mischung aus Reality TV-Show, Dokumentarfilm und Animationen. Darin behandelt die Künstlerin unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklungen wie die Verbreitung von Kryptowährungen, die Bedeutung von Kultur in Zeiten der Pandemie sowie die Besonderheiten verschiedener landwirtschaftlicher Systeme.

 

Der Begriff »Animal Spirits« geht zurück auf den britischen Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes (1883–1946). In seinem Buch aus dem Jahr 1936 beschrieb er den Einfluss von Gefühlen wie Gier oder Furcht auf wirtschaftliche Zusammenhänge. Hito Steyerl überträgt diese Theorie in ihrem Film auf unsere Gegenwart, wenn beispielsweise der Schafhirte und Aktivist Nel vor der Verbreitung des Wolfs warnt, der hier als Sinnbild für den brutalen Wettbewerb in der freien Wirtschaft steht.

 

Hito Steyerl (*1966 in München, lebt und arbeitet in Berlin und München) gilt als eine der einflussreichsten zeitgenössischen Künstlerinnen, die mit ihren medientheoretischen Überlegungen wichtige Impulse zu aktuellen Themen setzt. Mit ihren Arbeiten beleuchtet sie kritisch die fortschreitende Technologisierung sowie die bestehenden Machtverhältnisse in der Gesellschaft.

 

Die Installation ist eine Dauerleihgabe der Sammlung KiCo.

30.04.26 - 01.11.26

Aki Inomata – Mit-Werden

AKI INOMATA (*1983 Tokio, lebt und arbeitet in Tokio) versteht ihre Werke als Brücke des Mit-Werdens zwischen Menschen und anderen Lebewesen. Dazu kooperiert sie mit verschiedenen nicht-menschlichen Organismen. Nach Ausstellungen im MoMA, New York, dem Musée d’arts de Nantes und dem National Museum of Modern Art, Kyoto, werden INOMATAS Arbeiten nun erstmals in einem Museum in Deutschland präsentiert. Dafür wird die Künstlerin mit drei Werkserien aus den vergangenen Jahren einen Sammlungsraum des Kunstmuseums bespielen:

 

In ihrer 2009 begonnenen Serie Why Not Hand Over a »Shelter« to Hermit Crabs? bietet die Künstlerin Einsiedlerkrebsen 3D-gedruckte Schneckenhäuser an, auf deren Oberseite sie Gebäude verschiedenster Städte ergänzt. Sie erinnert uns mit dieser Serie nicht nur an die Verbindung und das Mit-Werden von Mensch, Tier und Technologie, sondern stellt auch Fragen nach Umweltveränderungen, der Bedeutung von Heimat und Nationalität sowie den Folgen von Vertreibung und Flucht.

 

Für die Videoarbeit Think Evolution #1: Kiku-ishi (Ammonite) (2016–2017) rekonstruierte INOMATA, basierend auf Fossilien, die Schale eines Ammoniten. Diese Tiere starben etwa zeitgleich mit den Dinosauriern aus und sind eng mit heutigen Tintenfischen verwandt. Durch die filmisch festgehaltene Begegnung eines Kraken mit der 3D-gedruckten Nachbildung der Ammonitenschale initiiert INOMATA einen Dialog, der Millionen Jahre evolutionärer Entwicklung überspannt und gleichzeitig hochaktuelle technologische Verfahren einbezieht.

 

Für Memory of Currency (2021–2025) macht sich die Künstlerin die Schutzreaktion von Perlaustern zunutze. Fremdkörper in ihrem Inneren umschließen diese mit Perlmutt, wodurch Perlen entstehen. Muscheln und Perlen wurden an vielen Orten der Welt als frühe Währungsform genutzt. INOMATA setzt in die Muscheln Konterfeis von Personen ein, die auf Geldscheinen weltweit abgebildet sind oder waren. Die Muschel umschließt diese und erinnert so an die paradoxe Verbindung von Warenaustausch, Geld und Natur.

12.07.26 - 11.06.28

KRAFTFELDER – Neue Perspektiven aus der Sammlung

Die Neupräsentation der Sammlung verwandelt das Obergeschoss des Kunstmuseums in einen lebendigen Parcours: Werke des frühen 20. Jahrhunderts sowie der Nachkriegszeit treten in Resonanz mit Beiträgen aktueller Kunst. Dabei entfalten sich vier thematische Felder: Transparenz & Verhüllung, Gemeinschaft & Spaltung, Verletzlichkeit & Widerstand sowie Mikro- & Makrokosmos.

 

Der Begriff »Kraftfeld« kommt sowohl in der Physik als auch in der Soziologie vor und beschreibt die dynamische Wechselwirkung von Körpern im Raum und Interaktionen von Individuen untereinander. Indem die Ausstellung drängende Fragen des Lebens stellt, rückt sie das besondere gesellschaftliche Potenzial der Sammlung des Kunstmuseums Bonn ins Licht. Zugleich möchte sie Kraft spenden, um in Zeiten multipler Krisen neue Perspektiven auf die Zukunft zu eröffnen.

 

Neben Exponaten aus der eigenen Sammlung und Dauerleihgaben ergänzen eine Neuproduktion sowie ausgewählte Leihgaben die Präsentation, wie beispielsweise aus der Bundeskunst­sammlung. Damit wird der eigene Werkbestand als eine offene Struktur vorgestellt, die sich mit anderen Sammlungen vernetzt und weiterwächst.

 

Mit Werken von:
Marina Abramović, Bettina von Arnim, Gili Avissar, Trisha Baga, Tina Bara, Phyllida Barlow, Semiha Berksoy, Joseph Beuys, Shannon Bool, Ulla von Brandenburg, Kerstin Brätsch, Miriam Cahn, Claude Cahun, Louisa Clement, Edith Dekyndt, Thomas Demand, Jiří Georg Dokoupil, Sarah Ama Duah, Stefan Eberstadt, Max Ernst, Isa Genzken, Dominique Gonzalez-Foerster, Almut Heise, Anton Henning, Georg Herold, Erika Hock, Hannah Höch, Candida Höfer, Leni Hoffmann, Rebecca Horn, Bethan Huws, Anselm Kiefer, Paul Klee, Astrid Klein, Christof Kohlhöfer, Eva Koťátková, Wolfgang Laib, Maria Lassnig, Inge Mahn, Florian Meisenberg, Michaela Melián, Joan Miró, Christiane Möbus, Tony Morgan, Berenice Olmedo, Dennis Oppenheim, Anna Oppermann, Daniel Pflumm, Pablo Picasso, Sigmar Polke, Margaret Raspé, Anys Reimann, Gerhard Richter, Ulrike Rosenbach, Ulrich Rückriem, Niki de Saint Phalle, Tomás Saraceno, Felix Schramm, Bernard Schultze, Ursula Schultze-Bluhm, Avery Singer, Ferdinand Spindel, Hito Steyerl, Gabriele Stötzer, Sung Tieu, Anna Uddenberg, WOLS, Rémy Zaugg.

30.08.26 - 25.10.26

100 Jahre GEDOK – Schenkungen an das Kunstmuseum

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der GEDOK würdigt das Kunstmuseum Bonn deren außergewöhnliches Engagement mit einer Präsentation einer Auswahl der Grafiken, die seit 1988 als Schenkungen in die Sammlung gelangt sind. Die 1926 von Ida Dehmel in Hamburg gegründete GEDOK war die erste Vereinigung zur Förderung von Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum. Ihr Ziel war es, Frauen in allen künstlerischen Sparten zu vernetzen, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und ihre Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit zu stärken.

 

Von 1988 bis 2019 wurde der Dr.-Theobald-Simon- Preis von der Bonner Mäzenin Gabriele Vossebein (1935–2019) zum Andenken an ihren Vater Theobald Simon (1906–1978) als GEDOK-Kunstpreis gestiftet. Nach dem Tod von Gabriele Vossebein übernahm ihre Tochter Franziska Behrentin die Stiftung des Preises, seither Gabriele Vossebein-Preis. Der Hauptpreis ist mit 5.000 Euro dotiert und der Grafikpreis mit einer Schenkung im Wert von 500 Euro an das Kunstmuseum Bonn verbunden.

 

Parallel finden Ausstellungen der GEDOK im Stadtmuseum Siegburg und in vielen anderen deutschen Städten statt.

 

Künstlerinnen: Birthe Blauth, Hilla Jablonsky, Susan Donath, Sandra Eades, Angela Fensch, Almut Glinin, Dorothea Frigo, Irmgard Hofmann, Iris Hoppe, Susanne Krell, Rose Kretzschmar, Alexandra Kürtz, Christine Ludwigs, Astrid Meiners-Heithausen, Helene Moch, Barbara Noculak, Elianna Renner, Doris Scheuermann, Lisel Schubert, Rose Stach, Tina Wedel, Birgit Wennighoff, Cesa Wendt, Viktoria Westmacott-Wrede.

Standort
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Helmut-Kohl-Allee 2, 53113 Bonn
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