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Konferenz – Baselitz, Immendorff, Lüpertz, Penck

Mit über 50 bedeutenden Werken von Georg Baselitz, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz und A.R. Penck vereint die Ausstellung vier gefeierte deutsche Nachkriegskünstler, die sich in einer Zeit politischer Zerrissenheit auf einzigartige, bahnbrechende Weise mit der nationalen Identität auseinandersetzten.

 

Das Kunstmuseum Schloss Derneburg freut sich, die Gruppenausstellung Konferenz: Baselitz, Immendorff, Lüpertz, Penck ankündigen zu dürfen. Mit über 50 bedeutenden Werken von Georg Baselitz, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz und A.R. Penck vereint die Ausstellung vier gefeierte deutsche Nachkriegskünstler, die sich in einer Zeit politischer Zerrissenheit auf einzigartige, bahnbrechende Weise mit der nationalen Identität auseinandersetzten. Die Künstler, deren Wege sich durch ihre zeitgleiche Vertretung durch den Galeristen Michael Werner eng verflochten, lehnten jegliche Bindung an einen bestimmten Stil ab. Gemeinsam vermitteln sie ein umfassendes Bild der Themen, die ihre Generation in den Jahrzehnten vor dem Fall der Berliner Mauer beschäftigten. Konferenz… umfasst Werke aus Baselitz' ehemaliger Sammlung seiner Zeitgenossen und wird ergänzt durch Archivfotos von Edward Quinn, die dieser während seiner Besuche bei Baselitz in den 1980er Jahren aufgenommen hatte, als der Künstler auf Schloss Derneburg lebte und arbeitete.

 

Jörg Immendorff integrierte in seinen Werken häufig unverkennbare Porträts von Freund:innen und Kolleg:innen sowie historischen Persönlichkeiten, wodurch er Autorität sowohl geopolitisch als auch innerhalb der Kunstwelt hinterfragte. Die öffentlichen Schauplätze seiner Gemälde – in Theatern, Cafés, Galerien - versammeln Figuren in lebhafter Debatte. Es entsteht ein Weltbild, dass das Zusammenkommen und den Austausch an einem Tisch begrüßt. In Konferenz über Plastik oder Anarchie in der Galerie (1985) malt Immendorff sich zweimal neben Baselitz, Penck und Werner (sitzend und beim Schaffen einer Skulptur). Das Gemälde entstand im Vorfeld einer Gemeinschaftsaktion, die in Werners Galerie im Jahr 1989 stattfand, und stellt eine noch zu verwirklichende Manifestation dar. In vier Zeichnungen ohne Titel, die Immendorff im Jahr darauf anfertigte, wird jeder Künstler als eine der vier Jahreszeiten dargestellt (Immendorff als Frühling, Lüpertz als Sommer, Baselitz als Herbst und Penck als Winter).

 

In den 1980er Jahren setzte Georg Baselitz seine Suche nach neuen Bildformen fort und löste sich dabei von den gegenständlichen Porträts und Landschaften des vorangegangenen Jahrzehnts. In Immendorffs Porträts wird Baselitz oft mit einer offenen Handfläche dargestellt, in der er eine auf den Kopf gestellte Miniaturskulptur hält. Die Darstellung verweist auf Baselitz' ikonische kompositorische und konzeptuelle Innovation, seine Motive umzukehren, ein Ansatz, der sich jeder ideologischen Bindung an einen bestimmten Stil entzieht. Die Arbeit Ciao America II (1988) zeigt mit wenigen Pinselstrichen gemalte gelbe Vögel, die allein durch die Beschaffenheit des Bildes festgehalten zu werden scheinen. Sie füllen die Leinwand zwischen horizontalen, schwarz schraffierten Streifen, die an eine Voliere erinnern, bis zu ihren Rändern aus. Baselitz' Interpretation des Geheges weicht in Farbe und Form ab und strebt ein flächendeckendes Bild ohne dominanten Blickpunkt, zentrales Motiv oder Tiefenwirkung an. Die Werkauswahl umfasst Landschaften, Porträts und Stillleben aus derselben Zeit, von denen einige auf Schloss Derneburg, Baselitz' Wohn- und Arbeitsort für dreißig Jahre (1976-2006), entstanden.

 

Markus Lüpertz, den Immendorff häufig in Kleidung mit Harlekinmuster darstellte, entwickelte schon früh seine eigene Bildsprache, basierend auf einem poetischen Symbolismus aus Helmen, Eisenbahnen und Baumstümpfen. Seine frühesten Gemälde zeichneten sich durch einen verflachten Bildraum aus, was zum Teil auf die kostengünstig erhältliche Dispersionsfarbe zurückzuführen war. In den 1980er Jahren arbeitete Lüpertz zunehmend mit Ölfarben, wobei er den Blick auf die europäische Moderne richtete. Das Stillleben Sechs Bilder aus dem Leben eines Dichters: IV. Ohne Titel (1981) vermittelt einen kubistischen Sinn für Komposition und Collage, während der Titel auf eine Fortsetzung der Leidenschaft des Künstlers für die Poesie hindeutet. Das Gemälde wird neben einer selten ausgestellten Gruppe von Zeichnungen aus derselben Zeit gezeigt, die Lüpertz’ Innovation in Bezug auf Formen innerhalb einer surrealen Landschaft hervorheben.

 

Nachdem A.R. Penck 1980 aus der DDR emigrierte, war er gelegentlich zu Gast auf Schloss Derneburg. Wie seine Kollegen fühlte sich Penck schon früh zu einer Verbindung von Figuration und Abstraktion hingezogen, durch die sich die nationale Spaltung Deutschlands konzeptuell thematisieren ließ. Baselitz und Lüpertz lernten Penck bereits kennen, als Werner ihm dabei half, seine Werke aus Dresden zu schmuggeln, um sie auszustellen und zu verkaufen. Nachdem er später Immendorffs Bekanntschaft machte, arbeiteten die beiden oft zusammen, wobei sie sich auf das kulturelle Klima des Kalten Krieges konzentrierten. In Immendorffs Porträts wird Penck regelmäßig mit einem Eisberg dargestellt. Anlässlich dieser Ausstellung kehrt das monumentale Holztotem Idol für Deutschland (1982) nach Schloss Derneburg zurück, wo es zu Baselitz' Zeit viele Jahre lang im Eingangsbereich ausgestellt war. Pencks großformatige Skulpturen symbolisieren eine Phase, in der alle vier Künstler gefeiert und regelmäßig zusammen ausgestellt wurden. Sowohl in Deutschland als auch international prägten sie gemeinsam den Zeitgeist.

Termine
Start16.05.2026
EndeLäuft auf unbestimmte Zeit
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstaggeschlossen
Mittwochgeschlossen
Donnerstaggeschlossen
Freitaggeschlossen
Samstag11:00–17:00 (nur im Rahmen von Führungen)
Sonntag11:00–17:00 (nur im Rahmen von Führungen)

Weiterführende Literatur