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Graz

Maria Legat – Missionarsstellung

Missionarsstellung nennt Maria Legat ihre erste große Werkschau und gibt mit dem Titel auch die inhaltliche Stoßrichtung vor. Wir alle meinen zu wissen, was unter diesem Begriff zu verstehen ist, doch die Künstlerin greift die sprachliche Formulierung auf, um sie auf ihre weitreichenden gesellschaftlichen Implikationen zu befragen. Die Missionarsstellung spiegelt klassische Geschlechterrollen wider und hat eine bestimme Positionierung der Frau zum Inhalt: untergeordnet, selbstlos und passiv. Als Künstlerin, Mutter und Bürgerin sucht sie eine Gegenposition, die von Wertschätzung, Gleichberechtigung und Empathie geprägt ist.

 

Die Missionarsstellung steht für eine eurozentrische und androzentrische Position. Aktuell haben sich wieder weiße Männer in Stellung gebracht haben, um mit ökonomischer, militärischer und kultureller Macht altbekannte Vorherrschaften zu exekutieren. Das »Missionarische« in der Missionarsstellung fungiert jedoch nicht nur als Metonym für die Unterdrückung der Frau und einen neuen Imperialismus. Wir alle befinden uns auf die eine oder andere Weise in der Missionarsstellung. Es geht um eine Bewusstwerdung der eigenen Position und um die Suche nach einer Alternative, einer Dialogstellung.

 

Legat nimmt in ihrer Ausstellung eine Positionsbestimmung vor, indem ihre Werke einerseits Stellung beziehen und andererseits zum Austausch einladen. Die von ihr entwickelte Arbeitsweise eignet sich dafür paradigmatisch. Als Malerin zeichnet sie mit Kohle auf rohem Leinen, das nicht auf Keilrahmen aufgespannt, sondern plan an die Wand genagelt wird, und formuliert in einem zweiten Schritt ihre Formen mit selbst angerührten Farben lasierend aus. Sie praktiziert eine transparente Malerei, die ihre Konstruktion nicht versteckt, sondern ihre Entstehung offen zeigt. Ihre Bilder entziehen sich daher dem schnellen Erfassen und damit den Sehgewohnheiten unserer überkontrastierten Welt. Es braucht Zeit und Geduld, um ihren Darstellungen nachzuspüren und den Zusammenhang der Motive zu erkennen. Diese Verweigerung der gegenwärtigen Sehkonventionen ist durchaus als Geste des Widerstands zu verstehen.

 

Legats Bilder sind immer politisch, doch keine Reaktionen auf die Tagespolitik, sie sind theoretisch fundiert, doch keine Illustrationen zeitgeistiger Vorzeigetheoretiker:innen, sie sind persönlich, doch kein Ausdruck individueller Mythologien. Legat zeichnet und malt Parabeln über den Zustand der Welt. In einem langwierigen Prozess des Zweifelns, Abwägens und Entscheidens ringt sie mit jeder malerischen Setzung, um zu ihrer originären und kraftvollen Bildfindungen zu gelangen.

 

Die Ausstellung im BRUSEUM ist die erste museale Einzelausstellung der Künstlerin und zugleich die erste Personale einer Künstlerin im Museum für Günter Brus. 

 

Kuratiert von Roman Grabner

Diese Ausstellung beginnt in
36
Tage
2
Std
53
Min
44
Sek
Termine
Start27.11.2026
Ende28.03.2027
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
Veranstaltungsort
Neue Galerie Graz
Neue Galerie GrazJoanneumsviertel, 8010 Graz

Als Museum für moderne und zeitgenössische Kunst mit einer umfangreichen Sammlung von Werken österreichischer und internationaler Künstler/innen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart aus den unterschiedlichsten Medien widmet sich die Neue Galerie Graz der Forschung zur jüngeren Kunstgeschichte ab dem 19. Jahrhundert, mit einem gesonderten Schwerpunkt in der Kunst des 20. Jahrhunderts und zahlreichen Anknüpfungspunkten bis in die Gegenwart. Das Museum ging 1941 aus der Teilung der Landesbildergalerie des Steiermärkischen Landesmuseums in eine Alte Galerie und eine Neue Galerie hervor, wobei letztere die Werkbestände der Landesbildergalerie aus der Entstehungszeit ab dem 19. Jahrhundert in ihre Sammlung übernahm. Ab den 1960er-Jahren hat sich die Neue Galerie Graz zu einem Zentrum für aktuelle Strömungen der zeitgenössischen bildenden Kunst entwickelt, wobei vor allem die Ausstellungsreihen der Internationalen Malerwochen in der Steiermark (1966–1992) und der Trigon-Biennalen (1963–1992) mit ihrem Fokus auf die Kunstentwicklung in Österreich und seinen unmittelbaren Nachbarländern die programmatische Ausrichtung und den Aufbau der Sammlung bestimmt haben. Ab den 1990er-Jahren erfolgte eine Internationalisierung hinsichtlich der Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit mit einem Fokus auf die Gegenwartskunst in Europa und den USA. Der Sammlungsbestand umfasst einen Querschnitt künstlerischer Strömungen der letzten 200 Jahre wie u. a. Biedermeier, Realismus, Jugendstil, (regionale) Formen der klassischen Moderne, Positionen österreichischer und internationaler Malerei nach 1945, Wiener Aktionismus, Medien- und Konzeptkunst u. v. m., welche in unterschiedlichen Medien wie Malerei, Grafik, Plakatkunst, Plastik, Fotografie und Video mit einem Gesamtumfang von etwas mehr als 60.000 Einzelstücken vertreten sind. 2008 wurde die Sammlung mit dem BRUSEUM um einen Schwerpunkt zum Schaffen von Günter Brus erweitert. Ausstellungen präsentieren zentrale Künstlerpositionen sowie Themen der Kunstgeschichte, wobei die vertiefte Auseinandersetzung mit der eigenen Sammlung und folglich mit der Geschichte des Museums in seinem veränderlichen soziopolitischen Umfeld den Blick über die Kunst hinaus erweitert und das Museum als Dialogplattform erschließt, wo nicht nur Fragen der Kunst und Kunstgeschichte, sondern eine Vielzahl von Themen von allgemeinem Interesse erörtert werden. 2011 erfolgte die Übersiedelung des Museums in das Joanneumsviertel, wo sich die Neue Galerie Graz in einem großzügig bemessenen und nach modernsten Ansprüchen adaptierten Museumsgebäude mit einer Ausstellungsfläche von über 2.000 Quadratmetern präsentiert.