Fuzzy Logic verwandelt den kleinsten Ausstellungsraum Basels, die ehemalige Telefonzelle des Museum Tinguely, in ein Figurentheater. In fünf Akten wird eine Auswahl der gleichnamigen Werkgruppe von Nicolas Darrot präsentiert. Die Besucher:innen aktivieren die Performance selbst: Mit dem Scan des Barcodes auf einer eigens gestalteten Spielkarte wird die Figur zum Leben erweckt. Sie singt, tanzt und bewegt sich in ihrer ganz eigenen unscharfen Logik.
Nicolas Darrot (*1972 in Le Havre) lebt und arbeitet in Paris. In seinem primär skulpturalen und installativen Werk realisiert er robotisierte Puppen, Automaten und mechanische Figuren, die sich zwischen Theater, Technik und Fabelwesen bewegen. Der Künstler programmiert seine Arbeiten selbst. Dieses Zusammenspiel aus handwerklichem und digitalem Können entwickelte sich nach seinem Abschluss an den Beaux-Arts in Paris 1998, als Darrot in der Filmproduktion als Teil eines Special-Effects-Teams arbeitete. Eine Erfahrung, die grossen Einfluss auf seine späteren Arbeiten nahm. In seinem Atelier, das Werkstatt und Programmierstube zugleich ist, treffen sich Präzision und Zufall. Millimetergenau konstruierte Bewegungsabläufe münden in unvorhersehbaren Choreografien. Das bewusste «Offenlassen» wird dabei zum künstlerischen Prinzip.
Fuzzy-Logik akzeptiert das, was klassische Logik ausschliesst: Vieldeutigkeit und Unschärfe. Als Form künstlicher Intelligenz ermöglicht sie es Computern mit Mehrdeutigkeiten umzugehen, wie es dem menschlichen Denken inne ist. Die reale Welt ist von Natur aus ungenau. Zwillingsgeschwister sind unterscheidbar, die Grenzen zwischen Tag und Nacht verschwimmen, unser Wissen über einen Themenkomplex bleibt oft unvollständig. Darrots Figuren verkörpern diese Logik der Unvollkommenheit und bewegen sich voller Unsicherheiten und Gemütsschwankungen in spontanen Tänzen und komplexen Spielen.
Bei einigen der Figuren bestimmt der Zufall die Bewegung. Die Soundtracks komponiert und programmiert Darrot teilweise selbst, teilweise nutzt er Aufnahmen oder arbeitet mit Musiker:innen zusammen – jedes Element ist ein integraler Bestandteil des Gesamterlebnisses.
Die Aktivierung des Figurentheaters ist im allgemeinen Museumseintritt inbegriffen.
Kurator: Andres Pardey.