Johanna Schütz-Wolffs künstlerischen Anfänge vor und während des Studiums an der halleschen Kunstgewerbeschule, der Burg Giebichenstein, und an der Kunstgewerbeschule München zeigen eine begabte Studentin, die sich rasch in neue Techniken einarbeitet und eigenständige Bildlösungen findet. Nach ihrem Studium baute sie ab 1920 die Textilklasse an der Burg Giebichenstein auf, die sie bis zu ihrer Freiberuflichkeit 1925 leitete.
In dieser Zeit begann sie, den Bildteppich für sich zu entdecken. Sie knüpfte an die große Tradition des figürlichen Wandteppichs an, nicht im Sinne von dekorativen Innenraumgestaltungen, sondern als eigenständige Kunstwerke: Das, was für den Maler Leinwand, Farben und Pinsel, sind für sie der Webstuhl, die Kettfäden und die Wolle. Die Wolle verarbeitete sie häufig selbst, sie sponn und färbte das organische Material, bevor es zum Schussfaden beim Weben wurde. Überhaupt war es ihr Anliegen, die Techniken des Webens sichtbar zu lassen und so arbeitete sie aus den Strukturen und unterschiedlichen Techniken ihre Bildteppiche heraus.
In der Ausstellung wird die Entwicklung ihrer wirkmächtigen Bildsprache – von expressiven farbigen Textilien über großformatigen Webereien mit reduziert agierenden Figuren auf dunklem Grund und den in die Abstraktion hinüberführenden Geweben aus Linien und Flächen – anhand bedeutender Beispiele aus dem gesamten Œuvre nachvollziehbar. Ihre Erfolge und internationalen Anerkennungen werden ebenso thematisiert, wie die eigenhändige Zerstörung von 14 Bildteppichen im Jahr 1938 aus Angst vor einer Hausdurchsuchung durch die Gestapo.
Einen weiteren Schwerpunkt ihres Schaffens bilden Arbeiten auf Papier, vor allem Holzschnitte und Monotypien, die eine innere Spannung zwischen Fläche, Linie und Inhalt erzeugen. An herausragenden Blättern lässt sich auch hier die stilistische Entwicklung, bis zu den verrätselten Schriftblättern, den von ihr genannten »Signaturen«, verfolgen.
Neben diesen künstlerischen Hauptfeldern hat Johanna Schütz-Wolff ein bisher kaum beachtetes architektur- und baubezogenes Werk sowie ein kleines fotografisches Œuvre, Ansichten von einer Reise nach Ägypten und den Nahen Osten, hinterlassen, die es in einzelnen Kapiteln darzustellen gilt.
Durch alle Werkgruppen ziehen sich immer wiederkehrende Themen: die Nähe und Ferne im Zwischenmenschlichen, die Beziehung zwischen Mensch und Kreatur und das Verhältnis zwischen dem Diesseitigen und Jenseitigen im christlich religiösen Sinn. In ihrem gesamten künstlerischen Wirken gelang ihr Modernität und Zeitlosigkeit zu vereinen.