25 Sept. 2026

Mein Museum. Mein Ort: Junge Perspektiven im Museum

Die Initiative Mein Museum. Mein Ort unterstützt acht Museen dabei, mit jungen Menschen neue Formen der Beteiligung und Vermittlung zu entwickeln und zu testen.

Mein Museum. Mein Ort: Junge Perspektiven im Museum

Wie verändert sich ein Museum, wenn junge Menschen nicht nur als Publikum angesprochen werden, sondern an Ideen, Formaten und Entscheidungen mitwirken? Genau an diesem Punkt setzt die neue bundesweite Initiative Mein Museum. Mein Ort. an. Sie lädt Museen dazu ein, gemeinsam mit 16- bis 24-Jährigen neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln und praktisch zu erproben. Für Häuser, die ihre Vermittlung zeitgemäßer gestalten und junge Perspektiven dauerhaft in ihrer Arbeit verankern möchten, bietet das Programm einen strukturierten Einstieg.

Was hinter Mein Museum. Mein Ort steckt

Die Initiative wird vom Deutschen Museumsbund in enger Kooperation mit dem Fonds Soziokultur durchgeführt. Gefördert wird sie mit insgesamt 225.000 Euro aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Im Mittelpunkt steht nicht ein fertiges Standardmodell, das allen Museen übergestülpt wird. Stattdessen sollen Museumsteams und junge Co-Creatorinnen und Co-Creator gemeinsam herausfinden, welche Form der Beteiligung zu ihrem Haus, ihrem Ort und ihrem Publikum passt.

Dafür werden bundesweit acht Museen ausgewählt. Sie entwickeln zusammen mit jungen Menschen konkrete Ideen und testen diese anschließend in Pilotvorhaben. Denkbar sind neue Vermittlungsangebote, andere Erzählweisen in Ausstellungen oder Formate, durch die junge Menschen tatsächlich Einfluss auf die Museumsarbeit nehmen. Die Ergebnisse sollen nicht in den acht Häusern verbleiben: Erkenntnisse, Arbeitsvorlagen und Beispiele guter Praxis werden dokumentiert und später dem gesamten Museumssektor zur Verfügung gestellt.

Begleitung statt einmaliger Workshop

Das Programm ist als längerer Entwicklungsprozess angelegt. Die teilnehmenden Teams erhalten methodische und fachliche Begleitung, Workshops, ein Co-Creation-Lab, Online-Mentoring sowie praxisnahe Arbeits- und Kommunikationsvorlagen. Hinzu kommen Austausch und Vernetzung innerhalb der Programmgruppe. Damit reagiert die Initiative auf eine zentrale Herausforderung: Beteiligung funktioniert selten durch eine einzelne Veranstaltung. Sie braucht Zeit, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu teilen.

Nach dem offiziellen Informationsblatt des Deutschen Museumsbunds muss mindestens eine verantwortliche Person aus jedem Museum an allen Programmpunkten teilnehmen können. Außerdem arbeitet jedes ausgewählte Museum mit einer jungen Person im Projektteam zusammen. Weitere Mitarbeitende aus unterschiedlichen Abteilungen können punktuell eingebunden werden. Das ist sinnvoll, denn Jugendbeteiligung betrifft nicht nur die Vermittlung. Auch Kommunikation, Sammlung, Ausstellungskonzeption, Besucherservice und Leitung können davon profitieren.

Die verbindlichen Termine

Der gemeinsame Prozess beginnt mit einem Online-Kick-off am 24. November 2026. Ein zweitägiges Präsenz-Lab folgt am 23. und 24. Februar 2027; der Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben. Weitere Online-Treffen sind für den 23. März und den 19. Mai 2027 vorgesehen. Teile des Programms finden in englischer Sprache statt, weil die Initiative in einen internationalen Kontext eingebunden ist. Perfekte Sprachkenntnisse werden nicht verlangt, wohl aber Offenheit für den Austausch.

Wer sich bewerben kann

Der Open Call richtet sich an Museen aller Sparten und Größen. Entscheidend ist nicht, ob ein Haus bereits ein ausgereiftes Jugendprogramm besitzt. Die Bewerbung fragt sowohl nach bisherigen Erfahrungen als auch nach Bereichen, in denen das Museum neue Formen der Zusammenarbeit ausprobieren möchte. Interessierte Teams sollten erläutern, welchen Stellenwert Beteiligung und Co-Produktion bisher haben, welche Veränderungen sie sich wünschen und welche Ressourcen sie für den Prozess bereitstellen können.

Zu den Voraussetzungen gehört außerdem, dass Jugendliche im Museum kostenfreien Eintritt haben oder das Haus bereit ist, dessen Einführung zu prüfen. Die Einrichtung soll aktiv über ihre Teilnahme und ihre Erfahrungen kommunizieren. Der Museumsbund empfiehlt, die Bewerbung nicht allein zu verfassen, sondern Kolleginnen und Kollegen aus mehreren Arbeitsbereichen einzubeziehen. So kann bereits das Bewerbungsverfahren zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme werden.

Bewerbung bis zum 4. Oktober 2026

Museen können sich bis zum 4. Oktober 2026 über den offiziellen Call for Participation bewerben. Die Teilnahme am Programm ist nicht mit einer finanziellen Förderung für das einzelne Museum verbunden. Reisekosten für das zweitägige Präsenz-Lab werden jedoch erstattet. Vor der Bewerbung sollten Teams deshalb realistisch prüfen, ob sie die erforderlichen zeitlichen und personellen Kapazitäten über den gesamten Zeitraum bereitstellen können.

Ein Preis für gemeinsam entwickelte Museumsarbeit

Neben dem Entwicklungsprogramm kündigt die Initiative einen bundesweiten Preis für innovative Museums- und Ausstellungsarbeit an, die gemeinsam mit jungen Menschen entstanden ist. Das Gesamtpreisgeld beträgt 100.000 Euro. Ausgezeichnet werden sollen erprobte Ansätze; zugleich soll das Geld deren Weiterentwicklung und Verstetigung unterstützen. Der dafür vorgesehene offene Aufruf wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht und richtet sich nicht nur an die acht teilnehmenden Häuser, sondern auch an weitere Museen mit beispielhaften Vorhaben.

Diese Trennung ist wichtig: Der aktuelle Open Call sucht zunächst acht Museen für den begleiteten Entwicklungsprozess. Die Bewerbung um den Preis folgt später in einem eigenen Verfahren. Häuser sollten beide Möglichkeiten deshalb nicht miteinander verwechseln.

Warum junge Co-Produktion mehr als Vermittlung ist

Junge Menschen in die Museumsarbeit einzubeziehen bedeutet mehr, als ein bestehendes Angebot mit einer jüngeren Ansprache zu versehen. Echte Co-Produktion beginnt dort, wo ihre Erfahrungen und Interessen Entscheidungen beeinflussen. Das kann Ausstellungen verständlicher und relevanter machen, aber auch interne Routinen infrage stellen. Für Museen entsteht dadurch die Chance, neue Beziehungen zu ihrem lokalen Umfeld aufzubauen und Perspektiven wahrzunehmen, die im bisherigen Programm kaum vorkamen.

Gleichzeitig verlangt dieser Ansatz Offenheit. Ergebnisse stehen am Anfang nicht vollständig fest, und nicht jede Idee wird sofort funktionieren. Das Programm beschreibt diesen Prozess bewusst als Experimentierraum. Die fachliche Begleitung, die gemeinsame Reflexion und der Austausch zwischen den acht Museen sollen helfen, aus Unsicherheiten konkrete, übertragbare Erfahrungen zu gewinnen.

Jetzt im eigenen Haus das Gespräch beginnen

Für interessierte Museen ist der erste Schritt keine perfekte Projektidee, sondern ein gemeinsamer Blick auf die eigene Ausgangslage. Wo können junge Menschen heute bereits mitgestalten? Welche Entscheidungen bleiben ihnen verschlossen? Und wer im Team ist bereit, Verantwortung und Zeit für eine echte Zusammenarbeit zu investieren? Wer diese Fragen offen diskutiert und die verbindlichen Termine einplanen kann, findet in Mein Museum. Mein Ort. einen gut begleiteten Rahmen, um aus Beteiligung praktische Museumsarbeit zu machen.

Weitere Artikel