22 Juli 2026

Zu den Sternen! Weltraumkunst im Arp Museum 2026/27

Das Arp Museum zeigt „Zu den Sternen!“ (10.07.2026–10.01.2027): rund 100 Werke zu Weltraum, Weltflucht und Moderne. Infos & Besuchstipps.

Zu den Sternen! Weltraumkunst im Arp Museum 2026/27

Der Blick in den Nachthimmel ist seit jeher Projektionsfläche: für Fortschrittsglauben und Utopien ebenso wie für Angst, Eskapismus und Endzeitfantasien. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck mit seiner großen Sonderausstellung „Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne“ an. Vom 10. Juli 2026 bis zum 10. Januar 2027 entfaltet die Schau mit rund 100 Werken ein Panorama kosmischer Träume – und fragt zugleich, warum der Wunsch nach „oben“ oft auch ein Wunsch nach „weg“ ist.

Wer Kunst liebt, die sich nicht mit dem Sichtbaren begnügt, sondern das Imaginäre, Politische und Existenzielle mitdenkt, findet hier eine Ausstellung, die sich wie eine Reise anfühlt: von der Moderne bis in die Gegenwart, von der Verheißung des Unendlichen bis zum apokalyptischen Erwachen.

Ausstellung im Überblick: Daten, Thema, Spannungsfelder

Das Arp Museum beschreibt die Ausstellung als Erkundung von Weltraum und Weltflucht seit der Moderne – mit Motiven zwischen kosmischen Träumen, apokalyptischem Erwachen und exzentrischem Grenzverlust. Diese drei Pole sind mehr als poetische Schlagworte: Sie markieren Denk- und Bildräume, in denen Kunst seit über 100 Jahren auf Wissenschaft, Technik, Spiritualität und politische Realität reagiert.

Die Faszination für den Kosmos ist dabei nie nur „Science-Fiction“. Sie ist auch Spiegel einer Zeit, die sich beschleunigt: Industrialisierung, Weltkriege, Kalter Krieg, digitale Gegenwart. In solchen Umbrüchen wird der Weltraum zur Bühne für Sehnsucht – und zur Metapher für Entfremdung. Die Ausstellung macht diesen doppelten Boden sichtbar: Weltflucht kann Trost sein, aber auch Warnsignal.

Künstler:innen und Positionen: Von der Avantgarde bis heute

Zu sehen sind Arbeiten u. a. von Yael Bartana, Max Ernst, Katharina Sieverding, Sophie Taeuber-Arp und Emma Talbot – ein bewusst weit gespanntes Feld, das unterschiedliche Medien, Bildsprachen und Generationen zusammenbringt. Ergänzend nennt das Arp Museum außerdem weitere zentrale Namen wie El Lissitzky, der für die Avantgarde und ihre Zukunftsentwürfe steht.

Yael Bartana: Utopie, Ritual und politische Gegenwart

Yael Bartana ist bekannt für filmische und installative Arbeiten, die kollektive Mythen, nationale Erzählungen und politische Sehnsüchte untersuchen. In einem Ausstellungskontext, der „zu den Sternen“ ruft, wirkt Bartanas Perspektive wie ein Reality-Check: Was bedeutet Aufbruch – und wer darf überhaupt aufbrechen? Ihre Kunst zeigt häufig, wie schnell Utopien in Inszenierungen kippen können, und wie Rituale Gemeinschaft stiften, aber auch ausschließen.

Max Ernst: Kosmische Imagination im Surrealismus

Max Ernst steht für eine Kunst, die das Unbewusste als Bildmaschine ernst nimmt. Seine surrealen Welten wirken oft wie fremde Planeten: geologisch, biologisch, traumartig. Dass Ernst sich auch mit astronomischen Bezügen beschäftigte, unterstreicht, wie eng Kunst und Kosmos in der Moderne verschränkt sind – nicht als Illustration, sondern als poetische Forschung am Unbekannten.

Katharina Sieverding: Bildmacht, Zeitdiagnose, „Weltraum“ als Gegenwart

Katharina Sieverding arbeitet seit Jahrzehnten an der Frage, wie Bilder Macht ausüben – und wie sich Zeitgeschichte in Gesichtern, Zeichen und medialen Überlagerungen einschreibt. In einer Ausstellung über Weltraum und Weltflucht kann ihre Kunst den Blick zurück auf die Erde lenken: auf politische Realitäten, auf mediale Konstruktionen, auf das, was wir verdrängen, wenn wir „nach oben“ schauen.

Sophie Taeuber-Arp: Abstraktion als Zukunftssprache

Dass das Arp Museum als weltweit einziges Museum dem Künstlerpaar Hans (Jean) Arp und Sophie Taeuber-Arp einen besonderen Schwerpunkt widmet, macht Taeuber-Arps Präsenz in dieser Ausstellung besonders stimmig. Ihre abstrakten Kompositionen – oft geprägt von Linien, Rhythmen, geometrischen Bewegungen – wirken wie visuelle Modelle: nicht für Raketen, sondern für eine andere Ordnung der Welt. Abstraktion wird hier zur Sprache des Möglichen.

Emma Talbot: Gegenwärtige Mythen und fragile Zukünfte

Emma Talbot verbindet häufig erzählerische Elemente mit zeitgenössischen Fragen nach Körper, Ökologie und gesellschaftlichen Umbrüchen. Im Kontext von „Zu den Sternen!“ kann ihre Position wie ein Gegenwartsmythos wirken: eine Kunst, die das Märchenhafte nicht als Flucht versteht, sondern als Werkzeug, um über Zukunft, Verletzlichkeit und Verantwortung nachzudenken.

Warum der Weltraum in der Kunst so präsent ist

Seit der Moderne ist der Weltraum nicht nur wissenschaftliches Terrain, sondern kulturelle Projektionsfläche. Die Avantgarden entwickelten neue Bildsprachen, die Geschwindigkeit, Technik und neue Wahrnehmungserfahrungen aufnahmen. Später prägten Raumfahrt, Satellitenbilder und Science-Fiction das visuelle Gedächtnis. Heute, in Zeiten multipler Krisen, kehrt das Motiv der Weltflucht als ambivalente Geste zurück: als Sehnsucht nach Distanz – und als Symptom von Überforderung.

Die Ausstellung im Arp Museum setzt genau hier an: Sie zeigt, wie Künstler:innen den Kosmos nutzen, um über Hoffnung und Angst, über Grenzen und Grenzverlust, über Zukunft und Endzeit zu sprechen. Das macht „Zu den Sternen!“ zu einer Schau, die nicht nur ästhetisch reizt, sondern auch gedanklich nachhallt.

Praktische Infos für den Besuch im Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Ort

Arp Museum Bahnhof Rolandseck (Remagen-Rolandseck) – ein Haus, das Kunstgenuss mit einer besonderen Lage am Rhein verbindet. Aktuelle Informationen zur Ausstellung finden sich auf der offiziellen Ausstellungsseite: Zu den Sternen! – Arp Museum.

Öffnungszeiten & Tickets

Die jeweils aktuellen Öffnungszeiten und Eintrittspreise (inklusive Ermäßigungen und Kombi-Regelungen) sind auf der Museumsseite gebündelt: Hours & Admission. Tipp: Der reguläre Eintritt gilt in der Regel auch für die Sonderausstellungen – ideal, wenn der Besuch mit der Sammlung kombiniert werden soll.

Anfahrt & Parken

Wer mit dem Auto kommt, profitiert von einem großen kostenfreien Parkplatz direkt vor dem Bahnhof Rolandseck (Zufahrt von der B9). Details beantwortet das Museum in den Fragen & Antworten.

Barrierefreiheit

Das Arp Museum ist nach eigenen Angaben als barrierefreie Kulturinstitution zertifiziert. Auch hierzu gibt es konkrete Hinweise in den FAQ. Wer vorab besondere Bedürfnisse klären möchte, findet dort die wichtigsten Kontakt- und Serviceinformationen.

 

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