Kriege und die Folgen der Klimakrise zerstören weltweit Städte und Lebensräume. Millionen von Menschen verlieren ihr Zuhause. Wiederaufbau ist deshalb eine dringende Aufgabe. Wird er jedoch auf ein technisches Projekt reduziert – als Rückkehr zur Ordnung, als vermeintliche »Stunde Null« oder gar als Gelegenheit für Investition und Innovation –, gerät aus dem Blick, dass nicht nur Gebäude zerstört werden, sondern auch soziale Beziehungen, Lebenswelten und historische Zusammenhänge. Die entscheidenden Fragen des Wiederaufbaus stellen sich deshalb, bevor überhaupt gebaut wird.
Hier setzt das Projekt »Metaxy : Zwischen Zerstörung und Wiederaufbau« mit einer Ausstellung und einem vierteiligen Veranstaltungsprogramm an. Metaxy, altgriechisch für »zwischen«, bezeichnet einen Raum, in dem Vergangenheit und Zukunft, Erinnerung und Neubeginn sowie Verlust und Hoffnung zugleich wirksam sind. Rekonstruktion bedeutet nicht die Rückkehr zu einem früheren Zustand, sondern die Freilegung der durch Gewalt zerrissenen Zusammenhänge.
Ausgehend vom Akademiegebäude am Hanseatenweg als exemplarischem Ort des Wiederaufbaus nach 1945 verbindet die Ausstellung eine Spurensuche zur kolonialen, nationalsozialistischen und jüdischen Geschichte des Berliner Hansaviertels mit Positionen aus Afghanistan, Bangladesch, Bosnien und Herzegowina, Gaza, Namibia, Polen, Syrien, dem Sudan, dem Jemen, der Ukraine und den USA. Das größte Exponat ist Ausstellungsarchitektur selbst: Sie überlagert die ehemalige Bebauung des Grundstücks mit den heutigen Ausstellungshallen. Dieses Palimpsest im Maßstab 1:1 macht die Geschichte des Ortes durch das Dazwischen räumlich erfahrbar.
Ein Veranstaltungsraum als Teil der Ausstellung lädt zu Gesprächen, Vorträgen, künstlerischen und musikalischen Performances ein. Ein partizipatives Vermittlungsprogramm mit Führungen und Lecture Performance Walks sowie eine Ausgabe der Zeitschrift ARCH+ vertiefen die Themen der Ausstellung.
Beteiligte Künstler:innen und Raumpraktiker:innen:
Hala Alnaji, Archigrest, Marina Tabassum Architects, Maja Bajević, Centre for Documentary Architecture, Kees Christiaanse, Tiffany Chung, Co-Haty, Salma Samar Damluji, Nir Evron, Ola Hassanain, Paul Hübner, Open Group, Anton Kolomieitsev, Omer Krieger, V. Mitch McEwen, megouem, Kioomars Musayyebi, Ute Richter, Sasha Marianna Salzmann, Immanuel Schumacher, Arinjoy Sen, Nurit Stark, Syrbanism, topoScape, Feda Wardak, Eyal Weizman, Ines Weizman, Julita Wójcik, Lebbeus Woods, Ina Wudtke
Kurator:innen:
Anh-Linh Ngo, Johanna M. Keller, Christian Hiller, Felix Hofmann, Markus Krieger, Daniel Kuhnert, Melissa Makele