Bonn
Museum

Bundeskunsthalle

Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn

Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, kurz: Bundeskunsthalle, ist ein einzigartiger Ort der Kunst, Kultur und Wissenschaft. Im Zentrum des Programms steht die Kunst aller Epochen, einschließlich zeitgenössischer Kunst, sowie Ausstellungen zu kulturhistorischen Themen, Archäologie, Naturwissenschaft und anderen Wissensgebieten. Die Bundeskunsthalle entwickelt und präsentiert darüber hinaus ein eigenständiges Programm im Bereich der darstellenden Künste, mit Gastspielen und Eigenproduktionen verschiedener Künstler und Ensembles aus dem Bereich Theater, Performance, Tanz und Musik.   

 

Erklärtes Ziel der Bundeskunsthalle ist es, den Blick nicht nur auf die westliche Kultur zu richten, sondern eine globale Perspektive aufzuzeigen. Das Engagement für eine breite kulturelle Teilhabe im Sinne eines umfassenden Inklusions- und Integrationsbegriffs spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Dies spiegelt sich im künstlerischen Programm ebenso wie in den begleitenden Veranstaltungen, die Diskussionen, Lesungen und Vorträge, aber auch Führungen und Workshops umfassen.

 

Die Bundeskunsthalle hat durch ihre vielfältigen Kooperationen ein internationales Netzwerk zu Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen aufgebaut und zugleich ganz unterschiedliche Publikumskreise erschlossen, mit denen stets der Dialog gesucht wird. Aufgabe der Bundeskunsthalle ist es, mit ihren Ausstellungen und Veranstaltungen national wie international ein Schaufenster für jenen offenen Kulturbegriff zu sein, der für die Identität der Bundesrepublik Deutschland von zentraler Bedeutung ist.

Veranstaltungen und Ausstellungen

02.04.26 - 25.10.26

Sex Work – Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit

Die Geschichte der Sexarbeit lässt sich von weit vor der Antike bis in die Gegenwart verfolgen. Welches Menschenbild die Zeit prägte, welche Werte galten und wer Macht ausübte, lässt sich auch daran ablesen, wie gesellschaftlich mit Sexarbeit umgegangen wurde. Sie bedeutete in manchen Zeiten für Frauen eine von wenigen Möglichkeiten, selbständig Einkommen zu generieren. Ihre Geschichte wurde bislang meist aus einer Außen-perspektive geschildert. Die Ausstellung SEX WORK erzählt die Geschichte anders: Gemeinsam mit einem Kollektiv forschender Sexarbeiter:innen wird in der Bundeskunsthalle Kunst, Kulturgeschichte und Archivmaterial präsentiert, orientiert an einem zentralen Prinzip: Nichts über uns ohne uns!

 

Die Ausstellung setzt Schlaglichter auf Kunst- und Kulturgeschichte ebenso wie auf gesellschaftspolitische Themen der Gegenwart. In der bildenden Kunst spielten Hetären, Dirnen, Kurtisanen und Nackttänzerinnen lange Zeit vorrangig eine motivische Rolle, wurden allenfalls als Musen wahrgenommen. Dass Sexarbeiter:innen auch eine schöpferische, künstlerische Rolle einnehmen, ist eine Perspektive, die hier sichtbar gemacht wird. Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit zu erzählen heißt, ein Terrain zu betreten, das von moralisierenden und hochpolitischen Diskursen durchzogen ist. Medien und Popkultur greifen bei der Darstellung von Sexarbeitenden nur zu gerne auf eindimensionale Stereotypen zurück. Die öffentliche Debatte pendelt zwischen moralischer Verurteilung und Positionen, die jede Form der Sexarbeit pauschal als Ausbeutung einstufen. Die im Kontext der Sexarbeit gebräuchlichen Begriffe spiegeln seit jeher soziale Verhältnisse, Machtstrukturen und Geschlechterordnungen wider. Während historische Bezeichnungen wie »Hure« oder »Dirne« primär eine moralische Stigmatisierung markierten, rückt der Begriff »Sexarbeit« den Aspekt der Erwerbstätigkeit in den Fokus und löst diese von einer festgeschriebenen Identität. Zusammen mit Sexarbeitenden kreiert, ermöglicht die Ausstellung historische und aktuelle Einblicke in die Sexarbeit sowie Perspektiven auf Arbeits- und Menschenrechte.

 

Das zentrale Prinzip: Nichts über uns ohne uns!

 

Die Geschichte der Sexarbeit ist geprägt von einem Wechselspiel aus Restriktion, Verfolgung, Duldung und Liberalisierung. Im 17. Jahrhundert waren Dirnen ein gängiges Motiv niederländischer Genremalerei – als Projektionsfläche erotischer Fantasien oder Spiegel moralischer Vorstellungen. Die enge Verbindung von Handel, Migration und Sexarbeit war kein Randphänomen, sondern Ausdruck struktureller Veränderungen urbaner Räume. Auch im Paris des 19. Jahrhunderts waren Kunst und Erotik eng verflochten: Von Tänzerinnen der Oper erwarteten wohlhabende Männer sexuelle Gefälligkeiten für ihr »Mäzenatentum«. Im Nachtleben der großen westlichen Metropolen entwickelte sich ab 1900 ein neuer, freiheitlicher Zeitgeist, mit dem sich Künstler:innen, Intellektuelle und die Bohème gegen die konservative Gesellschaft auflehnten. Im Berlin der 1920er Jahre, zwischen Glitzer, Rauch und Jazz, entstand ein kurzer Traum, der auch Frauen und queere Personen auf mehre Rechte hoffen ließ – bis die Nationalsozialisten diese Vielfalt gewaltsam zerstörten. 

 

Zu den Verfolgten und in Konzentrationslagern ermordeten Opfern des Nationalsozialismus zählten auch vermeintliche oder tatsächliche Sexarbeiter:innen. Seit den 1980er-Jahren verschaffen sich Sexarbeiter:innen zunehmend Gehör. Restriktive Maßnahmen und öffentliche Stigmatisierung im Zuge steigender Polizeigewalt, Gentrifizierung und der AIDS-Krise führten zu Protesten und organisiertem Widerstand – oft in Solidarität mit der queeren Community. Trans*Sexarbeitende standen an vorderster Front der queeren Bürgerrechtsbewegung. Für Sexarbeitende ist diese Erfahrung von Gemeinschaft entscheidend, um Stärke und Unabhängigkeit zu entwickeln. Räume, in denen über Erfahrungen und Traumata gesprochen werden kann, ohne auf eine Opferrolle reduziert zu werden, schaffen Selbstwirksamkeit und Schutz. Davon handeln viele der Objekte und Erzählungen aus dem Sexarbeitenden-Archiv Objects of Desire. Die persönlichen Geschichten drehen sich um Liebe, Freude und Scham, um Angst und Frustration wie auch um ganz alltägliches Schuften bei der Arbeit. Die Ausstellung lädt dazu ein, Einblick in diese Räume zu nehmen – und neue Perspektiven auf ein von Vorurteilen und Tabus geprägtes Thema zu gewinnen.

01.05.26 - 01.11.26

Interactions 2026

Erneut lädt die Bundeskunsthalle Sie über den Sommer zum Spiel mit vielen Kunstwerken in den Außen- und öffentlichen Innenraum der Bundeskunsthalle ein. Wieder dabei sind aus den Vorjahren der beliebte Wasserpavillon Circular Appearing Rooms von Jeppe Hein und die Bonner Rutschbahn von Carsten Höller. Das organische Klettergerüst von Temitayo Ogunbiyi You will follow the Rhein and compose play (playground) und die drei Fußballtorwände Camouflage/Torwand 1–3 [Croy, Kleff, Maier] von Olaf Nicolai bereichern im Sinne eines nachhaltigen Denkens auch wieder den spielerischen Parcours. Auch Finnegan Shannons Bänke Do you want us here or not (KAH) können wieder genutzt werden, sie thematisieren u.a. Zugänglichkeiten von Kunst im Allgemeinen und in Ausstellungsräumen.

 

Nach dem Themenjahr der ökologischen Nachhaltigkeit 2025, steht das Jahr 2026 im Zeichen der sozialen Nachhaltigkeit, des Zusammenhaltes und der Achtsamkeit. Es werden Kunstwerke angeboten, die neben der Reflexion zum interaktiven Spiel einladen, sich aber auch mit Bildern, Sprache oder Musik/Sound als grenzüberschreitende und universelle Kommunikationsformen beschäftigen.

 

Interaktionen, Interventionen und Irritationen geben die Möglichkeit, an der Kunst aktiv teilzuhaben.

 

So können mit Constatin Lusers Protosaurus Töne gezaubert werden, während die Dirty Parrots von Gerrit Frohne-Brinkmann nach einem Zufallsprinzip Töne und Worte generieren. Mit Ólafur Elíassons The collectivity project entstehen unterschiedliche Bilder, wenn individuell oder gemeinsam die schönsten Gebäude aus weißen LEGO®-Steinen gebaut werden, während Philipp Messner ein scheinbar gängiges Farbbild, Constantly Shifting, auf dem Museumsplatz als Intarsienarbeit entstehen lässt, das sich durch die unbeabsichtigte Interaktion durch uns oder die Natur im Wandel befindet.

 

Bilder oder Kommunikationsmodelle sind nicht nur bei Bettina Pousttchis World Time Clock mit ihren weltweit konformen Darstellungen der Uhrzeit um 13:55 erkennbar. Auch Thomas Mader und Christine Sun Kim thematisieren mit Find Face Methoden der Verständigung und visualisieren die ASL-Gebärdensprache. Damit regen sie zu Gedanken über Wahrnehmung und Kommunikation an, wie auch Aletheia Kí Zoeÿs Illusionary Silence, die mit ihren drei großen, farbigen Schaumküssen Worte in Braille-Schrift anbietet. Und Juergen Staack lädt mit seiner Telefonzelle Communication Model 01–Calling zu einem Dialog mit unbekanntem Ausgang ein. Martin Pfeifle bietet mit der gewellten Bank Onda einen Ort zum Verweilen an – vielleicht auch zur Interaktion mit anderen oder der Natur, was sich ebenfalls im Verkehrsschild ohne Funktion, Camouflage, Fig. 8, des Künstlerduos Elmgreen & Dragset im wahrsten Sinne des Wortes spiegelt.

 

Natalie Brehmer reflektiert in ihrer Arbeit run ran run Momente der Bewegung, der Körperlichkeit und des Stadtraumes und bringt unsere Architektur und eigene Interaktion in ein poetisches Zusammenspiel. Und das Künstlerduo Famed bietet passend zum Themenjahr die Aussage, bzw. die Aufforderung Trust People an, die unser Vertrauen sowohl hinterfragen als auch stärken kann.

 

Alle Werke oder Projekte beinhalten eine eigene Erzählung oder Vision, die es neben der Interaktion zu entdecken gilt. Sie machen deutlich, dass Offenheit sowohl dem individuellen als auch dem gemeinsamen Erleben dient und ein Miteinander, Toleranz und Sensibilität fördert, frei nach dem Motto »Was uns verbindet«. Somit können Verhaltensweisen und Denkmuster – manchmal spielerisch – hinterfragt werden.

11.10.26 - 02.05.27

NIE WIEDER! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen

In den kommenden Jahren wird es kaum noch Überlebende des Holocaust und andere Opfer des NS-Regimes geben, die über ihre Erlebnisse berichten könnten. Wie sichern wir die Beweise an den Tatorten und schützen die authentischen Zeugnisse im digitalen Zeitalter? Diese Ausstellung stellt zentrale Fragen zu Gedenkarbeit und Erinnerungskultur und möchte die Arbeit der Gedenkstätten unterstützen, die noch heute Orte der Trauer, Bildung und Vermittlung sind.

Die Ausstellung beleuchtet die sich wandelnden Methoden der Gedenkarbeit. Die Disziplin der Kunst mit ihren vielfältigen Möglichkeiten steht hierbei im Mittelpunkt. Eine Vielzahl von Künstler:innen haben sich der Würdigung der Opfer und der historischen Spurensuche angenommen. Zudem zeigen mediale Werke und historische Zeugnisse, wie gegen das Vergessen gekämpft werden kann. Zum Schutz unserer Freiheit und Demokratie ist die Gedenkarbeit unverzichtbar.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Eva Umlauf, Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, und Staatsminister Wolfram Weimer, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Standort
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Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–21:00
Donnerstag10:00–18:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
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