Das Museum zählt europaweit zu den führenden Häusern für Gestaltung und angewandte Kunst. Gezeigt werden wechselnde Ausstellungen zu Kunsthandwerk und Design, Fotografie und Architektur. Historisches trifft hier auf Zeitgenössisches: Wir laden Sie ein auf Entdeckungstouren durch 3.000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte.
Der Gebäudekomplex beherbergt auch das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig und das Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig. Gemeinsam veranstalten wir als »Museen im GRASSI« verschiedene Großveranstaltungen. Als Museumsquartier sind wir ein Ort der Begegnung, des Austausches und der Inspiration. Wir sind offen für alle Menschen jeglicher Herkunft und jeglichen Glaubens. Das Leben ist anregend und Leipzig bleibt bunt.
Veranstaltungen und Ausstellungen
GEFÄSS | SKULPTUR 4 – DEUTSCHE UND INTERNATIONALE KERAMIK SEIT 1946
Moderne Studiokeramik zählt zu den stark gewachsenen und international hochkarätig besetzten Sammlungsbereichen des GRASSI Museum für Angewandte Kunst. Seit 2008 hat ihr das Museum drei große und vielbeachtete Ausstellungen gewidmet. Neue herausragende Erwerbungen und Schenkungen geben nun Anlass für eine Fortsetzungsausstellung. Sie zeichnet die künstlerischen Entwicklungen seit 1946 bis in die jüngste Gegenwart nach und lässt die keramischen Arbeiten, ihre Formenkraft und Glasurschönheit in ästhetische Zwiesprachen treten – dabei immer wieder das Verhältnis von zweckgebundenem Gefäß und autonomer Skulptur auslotend. Die beiden künstlerischen Ansätze stehen sich in der Ausstellung gegenüber – nicht als Gegensätze, sondern vielmehr in einem wechselseitigen Dialog. In der dualen und chronologischen Anordnung wird deutlich, dass sich die moderne Studiokeramik zunehmend der bloßen Nutzbarkeit entzieht und mit der skulpturalen Eigenständigkeit experimentiert, ohne das Thema »Gefäß« aus dem Auge zu verlieren.
Gezeigt werden über 320 Stücke mit künstlerischen Positionen aus 27 Ländern von fünf Kontinenten. Dazu zählen renommierte Vertreterinnen und Vertreter der internationalen Keramikszene wie Hans Coper, Bernard Leach und Lucie Rie.
ZAUBER DER REVUE – Art déco-Dosen mit Tanz- und Varietéfiguren
In den Goldenen Zwanzigern prägten Revue und Varieté das Lebensgefühl der Großstädte – allen voran Paris und Berlin. Sie standen für eine neu gewonnene Freiheit und fanden sich als beliebte Motive in Zeitschriften und auf Postkarten wieder. Tänzerinnen in modischen Kostümen, mit Zigarettenspitzen, modernen Frisuren, Glitzer oder Federschmuck verkörperten die kulturelle Aufbruchsstimmung der Zeit. Auch die Porzellanmanufakturen der 1920er Jahre griffen diesen Trend auf. Gezeigt werden Dosen aus der Sammlung von Prof. Peter Schatt – darunter auch außergewöhnliche Stücke der französischen Firma Robj.
FORMEN DER ANPASSUNG – KUNSTHANDWERK UND DESIGN IM NATIONALSOZIALISMUS
Sind Objekte des täglichen Gebrauchs wie Vasen, Kannen, Gerät oder Möbel, die zwischen 1933 und 1945 entstanden, ideologisch aufgeladen oder stehen sie gar für das verbrecherische NS-Regime? Die Ausstellung FORMEN DER ANPASSUNG nähert sich einem bislang wenig erforschten Kapitel deutscher Gestaltungsgeschichte. Sie untersucht das Zusammenspiel von Kunsthandwerk, Design und politischer Ideologie und zeigt, wie stark der NS-Staat Gestaltung, Produktion und Repräsentation beeinflusste. Zugleich wird nach Handlungsspielräumen gefragt, die Gestalter und Gestalterinnen in diesem autoritären System nutzten oder suchten. Dabei geht es nicht nur um Form und Ästhetik, sondern um die politische und gesellschaftliche Funktion von Gestaltung im Kontext diktatorischer Macht.
Gezeigt werden über 400 Exponate, vom aufwändigen Einzelstück bis zum Designprodukt für die Massen, die zum Großteil aus politisch favorisierten Materialien wie Schmiedeeisen, heimischen Hölzer, Zinn, Textilien und Bernstein gefertigt wurden. Viele der Exponate wurden staatlich gefördert oder bei offiziellen Ausstellungen, Wettbewerben und Leistungsschauen gezeigt. Andere entstanden unter Zwangsarbeit oder in Konzentrationslagern. Fotografien und zeitgenössische Dokumente ergänzen die umfangreiche Präsentation.
Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst nahm in der NS-Zeit eine vielschichtige Stellung ein. In den 1930er Jahren entwickelte es sich zu einem zentralen Ort, an dem Gestaltungsvorstellungen verhandelt und präsentiert wurden. Die Grassimessen und Sonderpräsentationen ermöglichten zwar gelegentlich Abweichungen von ideologischen Vorgaben, zugleich war das Museum jedoch verpflichtet, mit staatlichen Institutionen zu kooperieren und seine Räume für propagandistische Ausstellungen bereitzustellen.
Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Frank Werner/ Berlin mit Unterstützung von Sabine Epple/ Kuratorin Sammlungen Moderne im GRASSI MAK, Dr. Stefanie Seeberg/ Kuratorin Sammlungen Textil im GRASSI MAK und Nicolas Karpf/ wiss. Volontär und kuratorische Assistenz im GRASSI MAK.
Die Ausstellungsgestaltung übernahm der Künstler Thomas Moecker/ Leipzig.
Eröffnung: 26. November 2025, 19:00–22:00 Uhr

