Am 22. April 1985, dem 40. Todestag der Künstlerin, wurde in Köln das Käthe Kollwitz Museum gegründet – das erste Museum, das einzig dieser bedeutenden deutschen Künstlerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts gewidmet ist.
Mit seiner heute weltweit umfangreichsten Sammlung vermittelt das Käthe Kollwitz Museum Köln ein geschlossenes Bild der Zeichnerin, Graphikerin und Bildhauerin, die in ihrer Kunst wie keine Zweite die Themen Krieg, Armut und Tod, aber auch Liebe, Geborgenheit und das Ringen um Frieden in nachdrücklicher Weise zum Ausdruck brachte. An kaum einem anderen Ort kann man Käthe Kollwitz näher kommen.
Der Bestand des Museums umfasst neben dem kompletten plastischen Werk über 300 Zeichnungen und mehr als 550 druckgraphische Blätter sowie alle Plakate.
Unter den Zeichnungen, die einen Schwerpunkt bilden, besitzt das Kölner Museum einige der ausdrucksvollsten Blätter – viele aus dem Spätwerk der Künstlerin, als sie sich vornehmlich mit dem Thema ›Tod‹ befasste. Aus dem Frühwerk sind drei der weniger als 10 erhaltenen Pastelle und die Kohlezeichnungen, die sie für die satirische Zeitschrift Simplicissimus anfertigte, in der Sammlung vertreten. Skizzenhafte Vorzeichnungen, die das Entstehen wichtiger druckgraphischer Blätter beleuchten, gehören ebenfalls zum Bestand. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entstehungsgeschichte des Zyklus »Bauernkrieg« (1901–1908) und der Folge »Krieg« (1921/1922).
Veranstaltungen und Ausstellungen
KOLLWITZ NEU SEHEN
Die Ausstellung zur Wiedereröffnung nach der Generalsanierung
Nach knapp drei Jahren Sanierung öffnen wir wieder unsere Türen und laden Sie ein, Käthe Kollwitz (1867–1945) neu zu entdecken. Die Ausstellung zur Wiedereröffnung zeigt die wichtigsten Zeichnungen, Druckgrafiken und Plastiken in einer neuen Hängung und bietet neue Einblicke in die Arbeitsweise der Künstlerin. Im Zentrum steht ihre weibliche Perspektive auf die Herausforderungen ihrer Zeit. Kollwitz‘ Botschaft berührt bis heute – ihre Ausdruckskraft wirkt bis in unsere Gegenwart.
Im Gedenkjahr zum 80. Todestag der Kollwitz und zum 40-jährigen Bestehen des Museums rückt KOLLWITZ NEU SEHEN die Themen in den Fokus, die sie zeitlebens bewegten: soziale Ungleichheit, politische Umbrüche, Geschlechterrollen und das Leben von Frauen in schwierigen Zeiten. Die Ausstellung hebt bewusst ihre Sicht als Frau und Künstlerin hervor – zu Mutterschaft, Verlust, Trauer, aber auch zu Solidarität und Hoffnung. Darstellungen von Wohnungsnot, schlechten Arbeitsbedingungen oder den Folgen von Krieg und Gewalt unterstreichen die ungebrochene Aktualität ihres Schaffens.
Ein neuer Dialog zwischen Kunst und Betrachter
Die neu konzipierte Hängung bringt die Werke – darunter rund 20 Neuerwerbungen und 10 neue Dauerleihgaben – in oft überraschende Dialoge. Thematische, technische und motivische Bezüge eröffnen neue Blickwinkel und Zusammenhänge. KOLLWITZ NEU SEHEN macht das Ringen der Künstlerin um die passende Technik für ihre Botschaft nachvollziehbar und ermöglicht ein tieferes Verständnis ihres Arbeitsprozesses und Werks.
Ein neuer Multimedia-Guide bietet zusätzliche Informationen in Text, Bild, Audio und Video.
Neue Tools der Kunstvermittlung – spielerisch, kreativ, informativ
Unter dem Motto »Kollwitz erleben« erweitern wir unsere Vermittlungsangebote.
Neue interaktive Module laden ein, ihr Leben, ihr Werk und die Zeitgeschichte eigenständig zu erkunden. Highlights sind ein Virtuelles Atelier, Medienstationen zum Tiefdruck und zur Plakatkunst sowie Informationen zur internationalen Rezeption von Kollwitz’ Werk.
Herzstück ist die neu eingerichtete Museumswerkstatt mit einer historischen Lithopresse.
Isaac Chong Wai: DIE MÜTTER – Bildstörung #1
Ein Kollwitz-Bild erwacht zum Leben: Arme, die einander schützend umfangen, Hände, die tröstend nach dem Gegenüber fassen, Körper, die sich gegenseitig stützen. Dicht gedrängt bewegen sich die Performer:innen langsam im Kreis. Trauer- und Wiegenlieder singend, verweben sich ihre Leiber zu einem großen Gebilde, skulpturengleich.
Isaac Chong Wai: Die Mütter
Inspiriert von Käthe Kollwitz´ Holzschnitt »Die Mütter« (1921/1922) hat der Künstler Isaac Chong Wai (*1990) einhundert Jahre später diese eindrückliche Choreographie für seine gleichnamige Videoinstallation (2022) entwickelt.
Chong thematisiert darin, ebenso wie Kollwitz, Mutterschaft und den Ur-Instinkt, die eigenen Kinder zu beschützen, Verlust, Tod und Trauer, aber auch Widerstand, Protest und Zusammenhalt. Dabei überführt er Kollwitz‘ Themen aus ihrem historischen Kontext heraus in einen gegenwärtigen und transnationalen Diskurs, der sowohl die Vergangenheit als auch das Heute miteinschließt.
Die künstlerische Praxis von Isaac Chong Wai (*1990) ist geprägt von einem konzeptuellen, performativen und politischen Charakter. Poetisch und zugleich kritisch setzt sich der in Berlin und Hongkong lebende Künstler mit gesellschaftlich-globalen Gegebenheiten, historischen Ereignissen und zwischenmenschlichen Interaktionen auseinander. Auf dem schmalen Grat zwischen Individuum und Kollektiv untersucht er die Verletzlichkeit des Körpers, Traumata sowie die inhärente Gewalt sozialer Systemen und entwirft alternative Vorstellungen von menschlichen Beziehungen.
In den vergangenen Jahren nahm er an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil, unter anderem an der 60. Biennale von Venedig 2024 und der 22. Biennale Sesc_Videobrasil in São Paolo 2023. Seine Werke sind in namhaften internationalen Sammlungen vertreten. Seit 2025 befindet sich seine Videoarbeit »Die Mütter« (2022) auch in der Sammlung des Kollwitz Museum Köln.
Bildstörung
So sehr die Arbeiten von Käthe Kollwitz in Ausdruck und Botschaft unverwechselbar für sich stehen, so deutlich zeigt der Blick in die Geschichte wie auch in die Gegenwart, wie stark ihr Werk in einen fortwährenden künstlerischen Dialog eingebunden ist. Dieser Dialog reicht von einer allgemein thematischen, motivischen sowie technischen Nähe der Arbeiten anderer Künstler:innen aus allen Jahrhunderten bis hin zu einer konkreten Bezugnahme späterer Generationen auf Käthe Kollwitz.
In unserer neuen Ausstellungsreihe Bildstörung zeigen wir ab 2026 Positionen von Künstler:innen, die auf unterschiedliche Weise mit den Werken Kollwitz´ interagieren. Eingebettet in die Sammlungspräsentation und in direkter Gegenüberstellung werden einerseits Parallelen sichtbar, gleichzeitig werden gewohnte Sichtweisen aufgebrochen, neue Assoziationen zugelassen und Diskurse erweitert.
Die Video-Installation »Die Mütter« (2022) von Isaac Chong Wai ist die erste Bildstörung in dieser Reihe.

