Bereits 1992, fünf Jahre vor der KUB Eröffnung 1997, wurde das Projektbüro Kunsthaus Bregenz gegründet. Von diesem Jahr an sammelt das Kunsthaus Bregenz mit den Schwerpunkten Architektur und österreichischer Gegenwartskunst. Ebenso wie das KUB Programm wurde die KUB Sammlung von Jahr zu Jahr internationaler. »Vieles davon sind Schenkungen«, erklärt Ute Denkenberger. Andere Objekte werden eigens für Ausstellungen im Kunsthaus Bregenz entwickelt und werden anschließend Teil der Sammlung. Neben Werken zeitgenössischer junger Künstler:innen wie Maria Anwander, Nilbar Güreş, Benjamin Hirte, Angelika Loderer, finden sich auch Werke von arrivierten international bekannten Künstler:innen wie Maria Lassnig, Valie Export, Ai Wei Wei und Heimo Zobernig in der Sammlung.
Das Archiv Kunst Architektur bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Kunst, Architektur und Design. Es bewahrt Objekte von Künstler:innen, die sich architektonischen Fragen stellen oder Aufgaben des Designs widmen. Dazu zählt u.a. die archivierten Architekturmodellen von Peter Zumthor, Entwurfszeichnungen von Per Kirkeby sowie Bleistiftzeichnungen von Donald Judd.
Veranstaltungen und Ausstellungen
1525 – Siegessäule für eine Niederlage
Ab dem 22. November stehen gleich zwei Bauernsäulen im Atrium des vorarlberg museum: Marko Lehankas Skulptur Bauernsäule Remix 19, 2019, antwortet auf Albrecht Dürers Bauernsäule-Denkmalentwurf zum Bauernkrieg von 1525. Aus Kannen, Eimern und Werkzeugen baut Marko Lehanka, angelehnt an den Entwurf des deutschen Renaissancekünstlers, eine wackelige Siegessäule, gekrönt von einer kleinen Figur, die gelassen raucht. Sie wird so zum Gegendenkmal: eine Erinnerung an den Aufstand von 1525, an das Scheitern der Befreiung und an die Würde jener, die in den Archiven der Geschichte kaum eine Stimme haben – hier aber, zwischen Milchkannen, Hufeisen und einer Perücke, ihr widerspenstiges Denkmal erhalten haben.
»Als ich die Zeichnung sah, hat mich die Idee, Alltagsobjekte zu einer Säule zu stapeln, fasziniert. Ich habe sie frei interpretiert und mit eigenen Elementen versehen, darunter ein Text, ein Auszug meiner computergenerierten Texte aus den 1990er Jahren. In diesem spielen ein Landwirt, eine Wirtin und weitere Personen die Hauptrollen«, sagt Marko Lehanka, mit Blick auf Dürers Entwurf, und ergänzt mit Schalk: »...denn schließlich ist mein Bauer obendrauf der Einzige, der im Museum rauchen darf!«
In der Installation im Atrium des vorarlberg museum werden Lehankas Werk historische Bezüge aus der Region gegenübergestellt. In den Quellen zeigt sich, dass auch in Vorarlberg um das Jahr 1525 der Funke der Empörung glomm: Es gab den Wunsch nach der freien Wahl der Pfarrer, Beschwerden über Abgaben und Nutzungsrechte bis hin zu Solidaritätsaktionen mit aufständischen Allgäuer Bauern. Die Erinnerung an diese Unruhen – an Macht, Unterdrückung und Hoffnung – wurde in der Landesgeschichte meist einseitig überliefert. Heute, 500 Jahre später, ist sie Anlass zur kritischen Reflexion über soziale Gerechtigkeit, politische Teilhabe und Erinnerungskultur.
vorarlberg museum Direktor Michael Kasper: »Der Bauernkrieg von 1525 ist Teil unserer Geschichte – auch in Vorarlberg. Die Erinnerung an diesen Aufstand erzählt nicht nur von Unterdrückung, sondern auch vom Streben nach Gerechtigkeit und Teilhabe. Mit der Bauernsäule schaffen wir einen Ort, an dem Geschichte, Kunst und Gegenwart in Dialog treten – und Fragen nach Macht, Widerstand und Hoffnung neu gestellt werden.«
»Dürers Bauernkriegsmonument ist durchaus doppeldeutig. Erinnert es an die Besiegten oder feiert es die Sieger?« sagt KUB Direktor Thomas D. Trummer »Marko Lehankas Arbeit verwandelt Dürers Pathos in Fragilität, Zufall und Humor. Die Bauernsäule Remix 19, 2019, wird so zum Gegendenkmal: eine Erinnerung an jene, die in den Archiven der Geschichte kaum eine Stimme haben.«
1525 entwirft Albrecht Dürer nach der Erhebung der Bauern im selben Jahr ein Denkmal. Der Holzstich, den er als Illustration in seine theoretische Schrift Underweysung der Messung aufgenommen hat, zeigt eine Säule. Ihr Aufbau ist durch Maßzahlen gegliedert, als wolle Dürer den Aufruhr in eine geometrische Ordnung bannen. Die Säule besteht aus gestapelten Alltagsgegenständen: einem Ofen, einer Kanne, einem Bündel Getreide, landwirtschaftlichen Geräten, gekrönt von einer sitzenden Figur, einfach gekleidet, den Hut tief ins Gesicht gezogen, der Rücken von einem Schwert durchbohrt. Dürers Bauernkriegsmonument ist durchaus doppeldeutig. Erinnert es an die Besiegten oder feiert es die Sieger? Ist es eine Mahnung an den unterdrückten Bauernstand, für seine Rechte aufzustehen oder ein Sinnbild für die restaurierte Macht von Kirche und Adel nach der Niederschlagung des Aufstands?
Fast fünf Jahrhunderte später – 1999 und 2019 – greift der deutsche Künstler Marko Lehanka Dürers Entwurf in zwei Versionen auf. Er verwandelt ihn in seiner »Bauernsäule« in eine fünf Meter hohe Skulptur – humorvoll und kritisch zugleich. Auch hier türmen sich Kannen, Eimer, ein Fass und Fundstücke, darüber eine Getreidegarbe. Ganz oben sitzt eine kleine, groteske Gestalt, die gelassen eine Zigarette raucht, als hätte sie die Geschichte überlebt und dabei ihre Bitterkeit in Gleichmut verwandelt.
Wo Dürer die Gewalt der Geschichte in ein Maßsystem bannte, zeigt Lehanka deren surrealen Nachhall in einer Welt aus Resten und bäuerlichen Artefakten. Seine Arbeit ist zugleich Hommage und Umdeutung: Sie verwandelt das Pathos der Säule – Symbol von Sieg, Ewigkeit und Macht – in Fragilität, Zufall und Humor. Die bäuerliche Figur ist kein Held, sondern ein Überlebender, ein mythisch-schrulliger Zeuge einer vergangenen Welt. Die Bauernsäule Remix 19, 2019, wird so zum Gegendenkmal: eine Erinnerung an den Aufstand von 1525, an das Scheitern der Befreiung und an die Würde jener, die in den Archiven der Geschichte kaum eine Stimme haben – hier aber, zwischen Milchkannen, Hufeisen und einer Perücke, ihr widerspenstiges Denkmal erhalten haben.
Thomas D. Trummer, 6. Oktober 2025
KOO JEONG A
KOO JEONG A widmet sich beiläufigen Erscheinungen, die aus geduldigem Beobachten hervorgehen. Unsichtbare Phänomene werden über Klänge und Gerüche erfahrbar, wobei Erfundenes und Gefundenes eng miteinander verwoben werden. Zarte Phänomene sensibilisieren die Sinne um die Imagination zu öffnen. KOO JEONG As Werk ist von einer außergewöhnlich stillen Sprache und zurückhaltenden Gesten geprägt: Wenige, präzise gesetzte Mittel genügen, um Wirkung zu erzeugen. Das Kunsthaus Bregenz bietet dafür den idealen Rahmen – trotz seiner Größe und Weitläufigkeit lässt es das scheinbar Marginale zur Geltung kommen. Erinnerung, Eleganz und eine fast spirituelle Atmosphäre prägen sowohl KOO JEONG As Arbeiten als auch Peter Zumthors Architektur.
Raum wird bei KOO JEONG A nicht nur als physische Bewegung, sondern auch als Denkweise erfahrbar, er ist zyklisch, offen und durchlässig.
Für die Triennale in Mailand im Winter 2019 baute KOO JEONG A einen tatsächlich befahrbaren Skatepark. Die Anlage im Freien war nicht nur eine Architektur für Sport, sondern eine ästhetisch-poetische Zone körperlicher Erfahrung, eine Verbindung von Raum, Bewegung und Wahrnehmung, die für KOO JEONG As Werk charakteristisch ist. Bei der Biennale in Venedig 2024 vertrat KOO JEONG A Südkorea. Wie bereits beim Skatepark in Mailand oder in früheren Ausstellungen in Arles, Liverpool, São Paulo und Seoul bezog KOO JEONG A sich auch in Venedig auf die Form des Möbiusbandes. Das Symbol der Unendlichkeit wurde in die Böden des Pavillons eingraviert und in skulpturaler Form als Sitzbank umgesetzt. Eine comicartige Skulptur verstärkte die sinnliche Erfahrung, indem sie in unregelmäßigen Abständen Duftnebel verströmte. Dieser olfaktorische Moment erweiterte die Wahrnehmung über das Sichtbare hinaus. Der Raum wird nicht nur betrachtet, sondern geatmet und absorbiert.
KOO JEONG As Installationen sind keine Bühnen, sondern Zonen der Durchlässigkeit und der verfeinerten Phänomene, wie auch in Arbeiten mit elektromagnetischen Feldern deutlich wird. Hier zeigt sich, dass KOO JEONG As Werke nicht von Bedeutung oder Interpretation leben, sondern von Präsenz, Atmosphäre und verborgener Energie. In einer Zeit, in der Kunst oft laut, erklärend und bildstark sein muss, stehen KOO JEONG As Werke für die Kraft des Leisen.
KOO JEONG A (*1967, Seoul) lebt und arbeitet »überall«. 2024 vertrat KOO JEONG A Südkorea bei der 60. Biennale in Venedig. Zu den bedeutendsten Ausstellungen zählen: OooOoO, Malmö Konsthall, 2024, Dance with Demons, Fondation Beyeler, Basel, 2024, [YONG DONG], Pilar Corrias, London, 2022, KOO JEONG A, Galerie Eva Presenhuber, New York, 2020, It’s Urgent!, LUMA, Arles, 2020, OooOoO, Triennale Milano, 2019, und 16:07, Kunsthalle Düsseldorf, 2012. 2025/2026 ist die Ausstellung LAND OF OUSSS [KANGSE] im LUMA, Arles, und die Installation HAUS DER MAGNET im Haus der Kunst in München zu sehen.

