Die Kunsthalle Augsburg (ehem. H2 – Zentrum für Gegenwartskunst) im Erdgeschoss des Glaspalasts ist Augsburgs städtisches Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst. Gezeigt werden in zwei Hallen (H1 und H2) auf einer Fläche von insgesamt 2.700 qm wechselnde Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen zur Kunst des 20. Jahrhunderts sowie zur Kunst der Gegenwart aus dem regionalen, nationalen wie auch internationalen Kontext. Regelmäßige öffentliche Führungen sowie ausstellungsbegleitende Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, Künstlergespräche oder Podiumsdiskussionen ergänzen das Programm. Das Museum wird von Jan T. Wilms geleitet.
Sammlung
Die städtische Kunstsammlung zur Moderne und Gegenwart hat seit 2006 mit der Kunsthalle Augsburg (ehem. H2 – Zentrum für Gegenwartskunst) im Glaspalast einen Ort gefunden, an dem im Wechsel mit Sonderausstellungen in regelmäßiger Folge auch eigene Bestände und Neuerwerbungen präsentiert werden können. In unterschiedlichen Konstellationen und unter wechselnden thematischen Schwerpunktsetzungen werden Auszüge aus der im Aufbau befindlichen »Sammlung Neue Kunst« gezeigt. Der Sammlungsbestand umfasst mehrere hundert Werke aller künstlerischen Ausdrucksmedien. Neben herausragenden nationalen und internationalen Positionen sind auch eine Reihe von Werken regionaler sowie in Augsburg tätiger Künstlerinnen und Künstler vertreten. – Insbesondere der Bereich der Gegenwartskunst wird aktuell digital erschlossen, um die Online-Sammlung künftig sukzessive zu erweitern und so Forschung und Recherche zu befördern.
Neben privaten Stiftungen, Schenkungen und durch die aktive Unterstützung des Kreises der Freunde der Augsburger Kunstsammlungen fanden auch zahlreiche Werke als Folge von Projekten und durch die Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern Eingang in den Bestand. Damit spiegelt die »Sammlung Neue Kunst« auch die Ausstellungstätigkeit der Kunsthalle Augsburg wider.
Veranstaltungen und Ausstellungen
SYMBIOSIS | Kunst zwischen Mensch und Natur
Paul Diestel | Clare Langan | Christiane Löhr | Nathan Peter | Patricia Shone
Die Ausstellung »SYMBIOSIS | Kunst zwischen Mensch und Natur« in der Kunsthalle im Glaspalast untersucht die komplexen Beziehungen zwischen Mensch und Natur. Sie stellt die Frage, wie Kunst diese Verbindung ästhetisch und konzeptionell erfahrbar machen kann. Durch die Werke der fünf ausgewählten, international tätigen Künstlerinnen und Künstler – Paul Diestel, Christiane Löhr, Clare Langan, Nathan Peter und Patricia Shone – wird die Symbiose von Mensch und Natur in verschiedenen Facetten beleuchtet: von der Fragilität natürlicher Prozesse über die poetische Erzählung der Landschaft bis hin zu Materialität und Formgebung als Ausdruck natürlicher Kräfte. Dabei werden die Gegensätze und Harmonien zwischen natürlichen Prozessen und menschlichem Einfluss erfahrbar gemacht.
Die Ausstellung in der Halle 1 des Zentrums für Gegenwartskunst, dem sogenannten »H1«, ist auf rund 1.100 qm als multisensorisches Erlebnis konzipiert und integriert verschiedene Medien – Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation und Videokunst. Durch die räumliche Inszenierung entsteht ein Dialog zwischen den Werken, der den Besucherinnen und Besuchern erlaubt, das Zusammenspiel von Mensch und Natur anhand der ausgestellten Kunstwerke sinnlich, emotional und intellektuell zu erfahren.
Durch die Kombination von poetischer Erzählung, ästhetischer Präzision und individuellen Erfahrungen wird eine Brücke zwischen Kunst, Natur und den Besucherinnen und Besuchern geschlagen. Auf diese Weise lädt die Ausstellung dazu ein, die Verbindung zwischen Menschen und Natur zu reflektieren, sich inspirieren zu lassen und neue Perspektiven auf ein verantwortungsvolles Miteinander zu entwickeln. Die Ausstellung schafft einen Raum, in dem Kunst, Natur und verschiedene Ebenen menschlicher Wahrnehmung miteinander verschmelzen.
Künstlerinnen und Künstler
Der deutsche Bildhauer Paul Diestel (*1996) erforscht in seinen Plastiken, Skulpturen und Installationen flüchtige Momente, in denen Mensch und Natur aufeinandertreffen. Seine Werke verbinden oft eine minimalistische Linienführung mit natürlichen Materialien und erzeugen so einen meditativen Dialog zwischen Natur und menschlichem Eingriff.
Die irische Filmemacherin und Videokünstlerin Clare Langan (*1967) befasst sich mit Landschaften, oft in einem Zustand des Übergangs oder der Zerstörung. Sie erschafft melancholische und atmosphärische Bilder, die den Einfluss des Menschen auf die Natur reflektieren. Langans filmische Werke sind sinnliche Meditationen über Zeit, Raum und die Veränderung natürlicher Lebensräume durch den Klimawandel.
Die deutsche Künstlerin Christiane Löhr (*1965) arbeitet mit natürlichen Materialien wie Samen, Gräsern, Blüten und Tierhaaren, die sie zu filigranen Skulpturen formt. Ihre Werke spiegeln die Präzision und Fragilität natürlicher Systeme wider und erinnern an die Notwendigkeit von Respekt und Achtsamkeit im Umgang mit der Natur. Löhrs Installationen sind eine Hommage an die Eleganz und Zartheit natürlicher Strukturen und verkörpern das Konzept der Koexistenz von Mensch und Natur.
Der US-Künstler Nathan Peter (*1978) arbeitet in seinen Werken mit Schichtungen und Überlagerungen, die natürliche und künstliche Elemente miteinander verschmelzen lassen. Seine Gemälde, Reliefs und Installationen setzen sich intensiv mit dem Konzept von Transformation auseinander – sei es durch Erosionsprozesse, Verwitterung oder das bewusste Eingreifen des Menschen. Peter verwendet dabei oft Materialien wie Holz, Bitumen, Metall, Textilien und Pigmente, die eine Verbindung zur Natur herstellen und zugleich ihre Manipulation durch den Menschen sichtbar machen.
Die schottische Keramikkünstlerin Patricia Shone (*1962) verwendet verschiedene Erden und Tonarten unter der Anwendung tradierter und höchst aufwendiger Techniken – unter anderem japanischer Raku- oder Saggar-Verfahren –, um skulpturale Objekte zu schaffen, die die erodierenden Kräfte der Natur widerspiegeln. Ihre Werke verweisen auf die geologische Tiefe und die Verbindung des Menschen mit dem Boden, auf dem er lebt. Shones bildhauerische Arbeiten sind inspiriert von der Landschaft ihrer schottischen Heimat und erfassen die Essenz von Erdprozessen und natürlicher Zersetzung.
Zur Ausstellung entsteht ein zweisprachiger Katalog (deutsch/englisch).
77. Große Schwäbische Kunstausstellung
Mit der 77. Großen Schwäbischen Kunstausstellung setzt sich eine außergewöhnlich lebendige Tradition fort – eine Schau, die seit Jahrzehnten den künstlerischen Puls Bayerisch-Schwabens fühlbar macht und die Vielfalt der regionalen Gegenwartskunst sichtbar werden lässt. Auch für die 77. Ausgabe ist es dem BBK Schwaben-Nord und Augsburg gelungen, eine beeindruckende Bandbreite künstlerischer Ausdrucksformen zu versammeln – von Malerei, Grafik und Skulptur über Fotografie bis hin zu installativen und medialen Ansätzen.
Wie in den Jahren zuvor hat eine Fachjury aus heuer 233 eingegangenen Bewerbungen 106 Kunstwerke von 90 Künstlerinnen und Künstlern aus ganz Schwaben für die Ausstellung ausgewählt. Das Ergebnis ist eine qualitätvolle und zugleich überraschend vielfältige Überblicksschau, die erneut weit über eine reine Werkschau hinausweist: Sie ist ein facettenreiches Panorama künstlerischer Positionen, ein Spiegel gesellschaftlicher Fragestellungen und zugleich ein Ort ästhetischer Auseinandersetzung.
Die aktuelle Ausgabe markiert zugleich ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Großen Schwäbischen Kunstausstellung. Zum ersten Mal findet sie im H2 der Kunsthalle Augsburg im Glaspalast statt, also in der größeren der beiden Ausstellungshallen. Auf einer Fläche von 1.600 Quadratmetern entfaltet sich die Präsentation mit einer neuen räumlichen Großzügigkeit und eröffnet so eine eindrucksvolle Bühne für die Kunst unserer Zeit. Das Zusammenspiel der Werke mit der charakteristischen Raumarchitektur der lichtdurchfluteten Halle tritt hier in einen intensiven Dialog, der den Besucherinnen und Besuchern ein tiefes Erleben von Form, Material und Idee ermöglicht.

