Die Kunsthalle Zürich zeigt zeitgenössische Kunst mit internationalem Anspruch und das dazu gehörige Denken. Jede Ausstellung ist ein Experiment. So befragt die Kunsthalle die Kunst, das Publikum und sich selbst immer wieder von Neuem.
Kunst entstammt einem bestimmten Kontext. Sie auszustellen heißt, eine neue orts- und zeitspezifische Perspektive herzustellen. Auf diese Weise tritt die Kunsthalle Zürich in Dialog mit dem Publikum und das Publikum mit ihr. So kann die Kunst ihre volle Wirkung entfalten und die Kunsthalle Zürich wird lokal zum Treffpunkt, der international ausstrahlt.
Die Ziele, die wir uns setzen, verlangen Sensibilität und Sorgfalt. Wir versuchen einander und unseren Partner:innen, Kolleg:innen und unserem Publikum mit Respekt zu begegnen und dulden keine Diskriminierung. Ein transparenter, offener und inklusiver Umgang ist zentraler Grundsatz der Kunsthalle Zürich.
Die Kunsthalle Zürich wurde 1985 gegründet und befindet sich heute im Löwenbräukunst Areal. Sie organisiert sechs bis zehn Ausstellungen jährlich, ist nicht kommerziell und besitzt keine Sammlung. Der Verein Kunsthalle Zürich bildet ihre Trägerschaft, ihre Mitglieder, Gönner:innen, Sponsor:innen und die Subventionsgeber:innen sind ihre Stützen. Die Kunsthalle Zürich wird maßgeblich unterstützt von Stadt Zürich Kultur und Kanton Zürich Fachstelle Kultur.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Niloufar Emamifar – Offcut
Die Kunsthalle Zürich freut sich, mit Offcut die erste institutionelle Einzelausstellung von Niloufar Emamifar in der Schweiz zu präsentieren. Die Ausstellung wurde vor Ort entwickelt und ist als räumliche Syntax konzipiert, die sich durch eine Unbestimmtheit von Massstab, Nähe und Beständigkeit artikuliert.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein architektonischer Eingriff, durch den der Boden der Kunsthalle Zürich um wenige Zentimeter angehoben wird. Ausgeführt mit einem schwarzen, gefederten Tanzboden, wie er üblicherweise vom Ballett Zürich verwendet wird, fungiert diese erhöhte Ebene sowohl als eigenständige Arbeit als auch als räumliche Neukalibrierung, entlang derer sich eine Reihe neuer Arbeiten entfaltet.
Kuratiert von Fanny Hauser.
Niloufar Emamifars Ausstellung wird ermöglicht durch die Unterstützung des SüdKulturFonds.
Mit besonderem Dank an Otto Bonnen, Fredi Fischli, Gina Folly, Janis Frank, Seline Fülscher, David Ganzoni, Jacqueline Granwehr, Mike Guyer, Salome Hohl, Sara Izzo, Lily Koper, Moritz Lehner, Shehrazade Mahassini, Julia Mangisch, Beat Marti, Christina Maria Mayer, Monika Milakovic, Tine Milz, Niels Olsen, Attila Panczel, Alex Ritter, Aoife Rosenmeyer, Andrina Roth, Rose Schuller, Sabeth Tödtli, Laura Vuille, Florian Wagner, Judith Welter, Jörg Zielinski und Michael Zimmermann.
Niloufar Emamifar ist eine in New York lebende Künstlerin. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Künstlerhaus Stuttgart (2023); im Kunstverein Kevin, Wien (2023); im MoMA PS1, New York (2022); in der Renaissance Society, Chicago (2022); im SculptureCenter, New York (2021); im Hammer Museum, Los Angeles (2021); Museum of Fine Arts, Houston (2020); Human Resources, Los Angeles (2019); Los Angeles Contemporary Exhibitions (2017); und der Architekturbiennale in Venedig (2016) ausgestellt. Ihre jüngste Einzelausstellung war Disjecta im Progetto, Lecce, Italien (2025). Sie hat am Whitney Independent Study Program, dem Capp Street Fellowship am Wattis Institute in San Francisco, dem Core Residency Program am Museum of Fine Arts in Houston und Künstler:innenresidenz Programme bei der Amant Foundation in New York und dem London College of Communication teilgenommen. Emamifar hat einen BFA in Architektur von der Soore School of Architecture in Teheran, Iran, und einen MFA in Studio Art von der University of California, Irvine.
Kaarel Kurismaa – Intermezzo
Die Kunsthalle Zürich freut sich, mit Intermezzo die erste institutionelle Einzelausstellung des in Tallinn lebenden Künstlers Kaarel Kurismaa (geb. 1939, Pärnu, Estland) ausserhalb seiner Heimat zu präsentieren. Ausgangspunkt der Ausstellung ist eine Auswahl von Klangskulpturen, die Kurismaa in den späten 1990er-Jahren entwickelte, und die in den Räumlichkeiten der Kunsthalle Zürich erstmals in Dialog miteinander gesetzt werden.
Kurismaa ist vor allem für seine kinetischen Objekte bekannt, die er meist aus massengefertigten Materialien wie gefundenen Möbelteilen, Küchenutensilien und elektronischen Motoren Mitte der 1960er-Jahre zu fertigen begann. Nachdem er 1957 an der Musikschule in Tartu abgelehnt wurde, schrieb er sich zunächst an der dortigen Kunsthochschule ein und studierte wenige Jahre später Monumentalmalerei am Staatlichen Kunstinstitut in Tallinn. Parallel zu seinem Studium arbeitete Kurismaa als Künstler-Dekorateur im 1960 eröffneten Tallinna Kaubamaja – dem ersten Selbstbedienungs-Warenhaus im sowjetischen Estland, das sich bewusst an westlichen Handelsketten orientierte. Die Tätigkeit im Kaufhaus ermöglichte es ihm, mit Readymade-Materialien und industriell produzierten Formen zu experimentieren. Vor diesem Hintergrund entstand 1966 seine erste, aus einem Kaminrost und Küchenutensilien gefertigte Skulptur, die als erstes kinetisches Objekt der estnischen Kunstgeschichte gilt, heute jedoch nicht mehr erhalten ist.
Inmitten der Stagnation der 1970er-Jahre – einer Phase ideologischer Verhärtung und kultureller Unterdrückung, die einen Höhepunkt in der seit den 1940er-Jahren bestehenden sowjetischen Besatzung bildete – standen die estnischen Künste, insbesondere die Avantgarde, unter intensiver Beobachtung. Kurismaa verlagerte seinen Schwerpunkt auf Aufträge für Kunst im öffentlichen Raum und arbeitete zudem als Bühnenbildner und Regisseur bei Tallinnfilm, dem ältesten noch bestehenden Filmstudio Estlands. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und deren nachlassenden Kontrolle über die Sowjetrepubliken Mitte der 1990er-Jahre wandte sich Kurismaa schliesslich wieder verstärkt seiner eigenen Praxis zu. Es entstanden zunehmend raumgreifende Skulpturen, die sich an der Schnittstelle von Instrument und Maschine bewegen.
Die Ausstellung entlehnt ihren Titel der gleichnamigen Arbeit Intermezzo, die 1997 in zweifacher Ausführung von Kurismaa entwickelt und im Rahmen seiner Ausstellung in der Kunsthalle Zürich in einer dritten Auflage realisiert wurde. Bestehend aus winzigen Becken, die auf gefalteten Metallstreifen montiert und von kleinen Holzhämmern gespielt werden, sind die am Boden platzierten Arbeiten von Wechselstrommotoren angetrieben. Mehrere nicht synchronisierte Motoren sind dabei gleichzeitig in Betrieb und erzeugen ein sich stetig wandelndes klangliches Gefüge, das Kurismaas anhaltendes Interesse an mechanischer Perkussion verdeutlicht.
Den kleinformatigen Variationen von Intermezzo gegenübergestellt, ist Alma’s Railroad, 1997 – eine grossformatige Skulptur in drei Teilen, die an Hightech-Maschinen oder Raumfahrzeuge erinnert und elektronisch verstärkt wird. Ihre dumpfen, durch violette Karton- und Kunststoffröhren geleiteten Töne verbinden sich mit den hellen Klängen von Intermezzo, 1997/2026, zu einer vielschichtigen Klanglandschaft. Während die Titel seiner Arbeiten meist musikalische Bezüge aufweisen, bewegt Alma’s Railroad sich zwischen persönlicher Erinnerung und Wortspiel und verweist zugleich auf Kurismaas Tante Alma sowie auf das estnische Wort «allmaa» (Untergrund).
Den Anfangs- und Schlusspunkt der Ausstellung bildet Kurismaas einzig bekannte Videoarbeit Racing the Waves, 2001, die den Künstler an der Küste Tallinns bei einer Performance dokumentiert. Der Titel – eine wörtliche Übersetzung des estnischen Originals Lainetega võidu – beschreibt eine parallele Bewegung, in der Kurismaa mit an Wellen erinnernden Messingblechen um die Wette springt; jenes Material, das er bereits wenige Jahre zuvor bei der Arbeit an Intermezzo verwendete. Während «Intermezzo» im musikalischen Sinne ein Zwischenspiel bezeichnet, verweist der Begriff zugleich auf einen relationalen Moment des Übergangs und der Verknüpfung – eine Erfahrung, die sich nicht zuletzt in der Kunsthalle Zürich entfaltet, wenn die Klänge von Kurismaas Arbeiten sich überlagern und ein visuelles wie akustisches Ensemble formen.
Kuratiert von Fanny Hauser.
Kaarel Kurismaas Ausstellung wird ermöglicht durch die Unterstützung des Eesti Kultuurkapitals und des estnischen Kulturministeriums.
Mit besonderem Dank an Tom Engels, Mari Kurismaa, Erik Liiv und Temnikova & Kasela, Tallinn.
Kaarel Kurismaa arbeitet mit Sound, Skulptur, Malerei, Design und Kinetik. Seine Werke wurden in Einzelausstellungen im Tartu Art House, Tartu; im Kunstmuseum Kumu, Tallinn; im Retretti Kunstmuseum, Punkaharju; und in der Temnikova & Kasela Galerie, Tallinn, präsentiert. Darüber hinaus waren seine Arbeiten Teil zahlreicher Gruppenausstellungen u.a. an der 15. Baltic Triennial: Same Day, Vilnius (2024); in der Halle für Kunst Steiermark, Graz (2021); im Garage Museum für zeitgenössische Kunst, Moskau (2018); an der Akademie der Künste, Berlin (2018); in der SALT Galata Galerie, Istanbul (2013); und im Zimmerli Art Museum, New Jersey (2011).

