Für die umfangreichen Sammlungen des Kaiserhauses wurde das Kunsthistorische Museum nahe der Hofburg erbaut. Mit seiner Kollektion bedeutender Werke und der weltgrößten Bruegel-Sammlung zählt es heute zu den bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt.
Zahlreiche Hauptwerke der abendländischen Kunst, darunter Raffaels »Madonna im Grünen«, Vermeers »Malkunst«, die Infantinnen-Bilder von Velazquez, Meisterwerke von Rubens, Rembrandt, Dürer, Tizian und Tintoretto beherbergt die Gemäldegalerie. Die Antiken- und Ägyptisch-Orientalische Sammlung faszinieren mit Schätzen rätselhafter Kulturen vergangener Zeiten.
Die Kunstkammer mit Raritäten aus den einstigen Schatz- und Wunderkammern der Habsburger feierte im März 2013 ihre glanzvolle Wiedereröffnung. Die Sammlung zählt zu den bedeutendsten Kunstkammern der Welt und zeigt Pretiosen aus der Zeit des Mittelalters, der Renaissance und des Barock. Höhepunkte bilden die Kunstkammer Kaiser Rudolfs II., der Exotica-Komplex und die berühmte Saliera.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Pieter Claesz –Stillleben
Das Kunsthistorische Museum widmet dem niederländischen Barockmaler Pieter Claesz (um 1597/98–1660) in Kooperation mit der Kaiserschild-Stiftung eine einzigartige Sonderpräsentation. Im Rahmen des Projekts Kaiserschild Art Defined rückt die Ausstellung drei Werke dieses bedeutenden Vertreters der Stilllebenmalerei des 17. Jahrhunderts ins Rampenlicht.
Gemeinsam mit der Alten Galerie des Universalmuseums Joanneum Graz und dem Kunst Museum Winterthur werden atmosphärisch dichte Stillleben von Pieter Claesz präsentiert, die seine meisterhafte Lichtregie und raffinierte Umsetzung von Materialität eindrucksvoll zur Schau stellen.
Pieter Claesz – Meister der Schlichtheit und Illusion
Claesz, gebürtig aus Flandern, lässt sich um 1620 im niederländischen Haarlem nieder – einem blühenden Kunstzentrum. Dort entwickelt er die aus Antwerpen adaptierte Form des Stilllebens der „gedeckten Tische“: eine reduzierte Farbpalette, wenige Objekte und eine meisterhafte Lichtregie kennzeichnen seine Werke. Diese kleinen Mahlzeitenbilder (»ontbijtjes« oder »banketjes« genannt) machen ihn berühmt. Mit über 230 Gemälden prägte er das Genre nachhaltig und wird zum Hauptmeister des Haarlemer Stilllebens, Wegbereiter und bedeutenden Neuerer der Stilllebenmalerei.
Die Präsentation wird durch hochauflösende Digitalisate ergänzt, die mithilfe eines interaktiven Multimedia-Tischs zur selbständigen Auseinandersetzung mit den Kunstwerken einladen und tiefgehende Einblicke in die die barocke Bildsprache des sogenannten Goldenen Zeitalters bieten. Begleitet wird die Schau außerdem durch mehrere Kurzfilme, die weiterführende Informationen zur Gattung Stillleben, den historischen Kontext sowie das Leben und Schaffen von Pieter Claesz eintauchen lassen.
Die Ausstellung ist Teil des Projekts Kaiserschild Art Defined, mit dem die Kaiserschild-Stiftung Kunstwerke digital neu erfahrbar macht. Durch hochauflösende, multiperspektivische Bilddaten und filmische Inhalte entsteht ein immersives Kunsterlebnis.
Zart geritzt, flott gepinselt, gut versteckt – Inschriften auf griechischen Vasen
Die Sonderpräsentation Vitrine EXTRA, die in regelmäßigen Abständen in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums unterschiedliche antike Objekte vorübergehend in der Dauerausstellung präsentiert, begibt sich in ihrer siebten Ausgabe mit Kurznachrichten aus der Antike.
Denkt man an antike griechische Inschriften, hat man vielleicht das Bild von großen, in Stein gemeißelten Texten vor Augen. Sie präsentieren sich uns aber auch ganz anders: Fein (oder auch etwas kräftiger) in die Oberfläche eingeritzt oder mit dem Pinsel schwungvoll aufgetragen, finden wir sie auf griechischen Vasen. Manche heben sich klar vom Hintergrund ab, andere sind nur schwach erkennbar, undeutlich geschrieben oder stehen an versteckter Stelle.
Man unterscheidet gemalte und eingeritzte Inschriften. Ritzinschriften sind fast immer nach dem Brand und damit erst eine gewisse Zeit nach der Herstellung der Gefäße angebracht worden; mit den Darstellungen auf ihnen haben sie üblicherweise nichts zu tun. Neben Besitzerinschriften oder Geschenkwidmungen zählen hierzu auch unterschiedlichste Markierungen oder Notizen. Sogar Bestellungen wurden hier notiert!
Im Gegensatz dazu sind gemalte Inschriften immer gleichzeitig mit dem Vasenbild entstanden und damit Teil des Gesamtkonzeptes. Hier haben sich vor allem in den Produktionszentren in und um Athen (attische Vasenmalerei) spezielle Gattungen entwickelt. Sie reichen von Beischriften, die die Darstellungen erklären, Signaturen mit den Namen des Werkstattbesitzers, Töpfers oder Vasenmalers (Frauen sind hier so gut wie nicht belegt) bis zu Inschriften, die Gesprochenes wiedergeben – nicht anders als es heute etwa Sprechblasen in einem Comic tun.
Von dieser Vielzahl will die Ausstellung im Rahmen der Vitrine EXTRA #7 Beispiele zeigen und gleichzeitig auch die vielen Fragen, die damit in Zusammenhang stehen, nicht vorenthalten. In zwei Sondervitrinen sind Sie zu einem – vielleicht ungewöhnlichen – Blick auf Gefäßunterseiten eingeladen, wozu die Vasen für Sie (nahezu) auf den Kopf gestellt wurden: So können Sie einerseits geritzte Markierungen und Notizen antiker Händler sehen, andererseits auch Marken, die der Töpfer bei der Herstellung anbrachte.
Weitere Themen werden an insgesamt sieben zusätzlichen Stationen im selben Saal angesprochen. Hier widmet sich die Ausstellung der Entwicklung des griechischen Alphabets und verweist auf Namensbeischriften, Signaturen oder die sogenannten Kalos-Inschriften (von griechisch kalós = schön), die sich auf griechischen Vasen der Dauerausstellung befinden. Gerade letztere werfen mehr Fragen auf, als sie Antworten geben können: Sie loben die Schönheit athenischer Jünglinge und manchmal auch junger Frauen – doch was wollte man damit bezwecken? Rätselhaft sind auch die zahlreichen Aufschriften, die sprachlich gar keinen Sinn ergeben („Nonsense-Inschriften“). Wie sind sie zu erklären – war der Vasenmaler Analphabet oder verwendete er vielleicht Vorlagen und ergänzte diese nach seiner eigenen Fantasie? Oder hatten die Zeichen gar nur dekorative Funktion? Nicht zuletzt können Sie auf den Vasenböden auch moderne Beschriftungen sehen: In roter Farbe (oder auf rosa Etikett) ist die jeweilige Inventarnummer aufgeschrieben, oft neben Nummern früherer Besitzer der Gefäße.
Um die Ausstellung in vollen Zügen genießen zu können, ist es nicht notwendig, Altgriechisch zu verstehen – die griechischen Texte sind in Umschrift wiedergegeben und übersetzt. Alle Interessierte sind also herzlichst eingeladen, mit uns in die Vitrine EXTRA #7 und die vielleicht auf den ersten Blick unscheinbare, dafür aber umso spannendere Welt der Inschriften auf griechischen Vasen einzutauchen!
Michaelina Wautier – Malerin
Das Kunsthistorische Museum Wien feiert eine der faszinierendsten Künstlerinnen des 17. Jahrhunderts: Michaelina Wautier, die aufregendste kunsthistorische Wiederentdeckung der letzten Jahrzehnte. Diese umfassende Schau bietet erstmals Gelegenheit, nahezu das gesamte Œuvre dieser außergewöhnlichen Malerin zu entdecken – und es auf Augenhöhe mit Größen wie Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck zu erleben.
Michaelina Wautier gilt heute als eine der bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit. In einer Epoche, in der sich Künstlerinnen vorwiegend mit Stillleben- oder Genremalerei beschäftigten, fand Wautier selbstbewusst auch mit anspruchsvoller Historienmalerei Anerkennung.
Die Ausstellung bietet einen zeitgenössischen weiblichen Blick auf sowohl traditionelle als auch innovative Bildthemen und den männlichen Körper.
Der Triumph des Bacchus wurde lange nicht als Werk einer Malerin erkannt, weil man(n) es für unmöglich hielt, dass eine Frau ein Historiengemälde von so monumentaler Größe geschaffen haben könnte.
Malerinnen beschränkten sich in der Regel auf die Genres Stillleben oder Porträt.
Chinesische Kunst aus der Verbotenen Stadt
Ab dem 2. Dezember 2025 zeigt das Kunsthistorische Museum im Goldenen Saal der Kunstkammer die Sonderausstellung Chinesische Kunst aus der Verbotenen Stadt.
Die gemeinsam vom Palastmuseum und dem Kunsthistorischen Museum kuratierte Ausstellung zeigt 76 Meisterwerke in einem integrierten Präsentationsformat. Im Dialog mit Werken aus der Kunstkammer beleuchten sie die Ästhetik des chinesischen Hoflebens im 18. Jahrhundert und zeigen somit Parallelen und Kontraste zwischen Ost und West in ihren künstlerischen Ausdrucksformen.
Die meisten Exponate, darunter kaiserliche Jadeschnitzereien und Porzellanschätze, werden zum ersten Mal in Europa gezeigt.
ist das ist das zentrale Thema der Ausstellung, die die Virtuosität der Hofkunst und des Kunsthandwerks im China des 18. Jahrhunderts präsentiert. Gezeigt werden Objekte aus den unterschiedlichsten kostbaren Materialien – von Jade, Porzellan und Lackwaren über Emaille bis hin zu Uhren.
»Glück und Segen«
Das Herzstück der Ausstellung – ein Ruyi-Zepter aus vergoldeter Bronze in Filigranarbeit, mit Jaden dreifach eingelegt – zeugt nicht nur auf das Anschaulichste von der exquisiten Virtuosität chinesischer Filigranarbeit, sondern bedeutet auch »Glück und Segen«. Unter diesem Motto verweist die Ausstellung auf den 55. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und Österreich im Jahr 2026.

