Das Kupferstichkabinett beherbergt ein Universum der »Kunst auf Papier« mit Meisterwerken von Sandro Botticelli über Albrecht Dürer, Rembrandt, Adolph Menzel und Vincent van Gogh, Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso bis hin zu Andy Warhol und Gerhard Richter. Mit seinen Schätzen ist es ein zentraler Ort künstlerischer Ideen, Bilder und Ausdrucksformen Europas und der mit Europa verbundenen Weltkulturen.
Es beherbergt Werke aus 1.000 Jahren Kunst-, Kultur- und Mediengeschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die Sammlung des Museums umfasst etwa 550.000 druckgrafische Arbeiten und 110.000 Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle und Ölskizzen. Das Kupferstichkabinett sammelt europäische, in jüngerer Zeit auch internationale Zeichnungen und Druckgrafik. Daneben finden sich illuminierte, also mit Malereien geschmückte Prachthandschriften des Mittelalters und der Renaissance, Bücher mit Künstlergrafik, Mappenwerke, Skizzenbücher, topografische Ansichten und Druckplatten.
Als Museum der grafischen Künste ist es das Sammlungs-, Kompetenz- und Ausstellungszentrum der Staatlichen Museen zu Berlin für Zeichnung und Druckgrafik, Buchmalerei und künstlerische Buchillustration. Das Kupferstichkabinett ist die größte grafische Sammlung Deutschlands und gehört zu den vier bedeutendsten Museen seiner Art weltweit.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Bosporus Beats – Blicke auf Istanbul von 1500 bis 1800
Die Weltstadt Istanbul und ihre Bewohner:innen in der Kunst auf Papier stehen im Zentrum der Ausstellung. Faszinierende Zeichnungen, druckgraphische Werke und Bücher machen die vielfältigen Verbindungen zwischen Mitteleuropa und der Metropole am Bosporus anschaulich.
Werke weltberühmter Künstler wie Pollaiuolo, Dürer, Coecke van Aelst, Rembrandt, Liotard oder Chodowiecki sowie seltene und kaum gezeigte Beispiele belegen das große Interesse an der osmanischen und türkischen Kultur durch die Jahrhunderte. Dabei zeichnen sie ein vielschichtiges Bild: Die einen reflektieren die Bedeutung von Kunst und Musik, zeugen von Neugier und Begeisterung und dokumentieren Pracht und Schönheit. Andere dienen propagandistischen Interessen und verbreiten Vorurteile. Aktuelle künstlerische Positionen ergänzen die Werkauswahl um Reflexionen zu Fragen über Identität und Stereotype.
Der Blick auf Istanbul von innen
Das Thema der Perspektive – mehr noch: der Offenlegung von Perspektiven – eröffnet und begleitet die Ausstellung. Im Zentrum stehen die Darstellungen Istanbuls von Antoine Ignace Melling (1763–1831). Der deutsch-französische Architekt lebte viele Jahre in der Metropole am Bosporus, wo er für Sultan Selim III. und dessen Halbschwester Hatice tätig war. Er schuf Ansichten der Stadt, bei denen es sich laut Orhan Pamuk um die schönsten Darstellungen handelt:
Melling blickte nicht von außen auf Istanbul, sondern von innen. […] Dadurch, dass er die Stadt wie ein Istanbuler sah und wie ein vorurteilsfreier Europäer malte, ist sein Istanbul einerseits ein vertrauter geographischer Ort mit seinen Moscheen und Erinnerungen und andererseits eine unvergleichliche und damit wunderbare Welt für sich.
Orhan Pamuk, Istanbul. Erinnerungen an eine Stadt, aus dem Türkischen von Gerhard Meier, türkische Originalausgabe 2003, München 2006, S. 91
Echoraum für Themen der Gegenwart
Die Ausstellung spannt einerseits einen großen zeitlichen Bogen von der Eroberung Konstantinopels durch das Osmanische Reich im Jahr 1453 bis zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Preußen durch die erste türkische Gesandtschaft in Berlin 1763. Andererseits fragen die einzelnen Kapitel der Ausstellung – Berührung, Neugier, Konflikt, Propaganda, Vorurteil – jeweils nach der Perspektive von Künstler und Publikum. Auf diese Weise entsteht mit den historischen Kunstwerken ein Echoraum für Themen der Gegenwart.

