Frankfurt am Main
Museum

Museum Angewandte Kunst

Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt

Als lebendiger Ort des Entdeckens richtet das Museum Angewandte Kunst seit seiner Wiedereröffnung im April 2013 und unter der Leitung des Direktors Prof. Matthias Wagner K den Fokus auf die Wahrnehmung gesellschaftlicher Strömungen und Entwicklungen, mit einem Schwerpunkt auf Design, Mode und Performativem. Vor dem Hintergrund seiner bedeutenden Sammlungen will es Verborgenes sichtbar machen und Beziehungen schaffen zwischen den Geschehnissen und Geschichten rund um die Dinge. Die wechselnden Ausstellungen erzählen von kulturellen Werten und sich wandelnden Lebensverhältnissen. Darüber hinaus verweisen sie stets auch auf die Frage, was angewandte Kunst heute ist und sein kann und zeigen das ihr eigene Spannungsfeld zwischen Funktion und ästhetischem Mehrwert auf.

 

Mit neuen Präsentationsformaten geht das Museum Angewandte Kunst auf Distanz zu den traditionellen, aus dem 19. Jahrhundert stammenden Sammlungs- und Ordnungskriterien. An die Stelle einer Auseinandersetzung mit den Objekten allein aus ihrer Historie heraus ist ein Aus- und Verhandeln von zeit- und unzeitgemäßen Betrachtungen getreten, woraus Fragestellungen erwachsen, denen in thematischen Ausstellungen mit immer wieder neuen Objektkonstellationen begegnet wird. Die 2014 eröffnete Präsentation Elementarteile. Aus den Sammlungen ist hierbei zentral. Für diese »museale Herzkammer« wurden aus allen Sammlungsbereichen, Geografien und Zeiten Exponate ausgewählt, die gerade in ihrer Unterschiedlichkeit nebeneinander stehen. An dieser Stelle zeigt das Museum Angewandte Kunst sein Potenzial, legt seine Sammlungsgeschichte und den Ausgangspunkt kuratorischer Praxis offen.

Veranstaltungen und Ausstellungen

23.11.17 - Auf unbestimmte Zeit

Frankfurter Küche – in der Präsentation »Elementarteile. Aus den Sammlungen«

Sie veränderte das Verständnis von Wohnen und gilt als Vorbild der modernen Einbauküche: die »Frankfurter Küche«, entworfen von Margarete Schütte-Lihotzky. Nach sorgsamen Restaurierungsarbeiten findet nun erstmals ein Exemplar der legendären Küche Eingang in die Dauerausstellung Elementarteile. Aus den Sammlungen des Museum Angewandte Kunst.

 

2015 erhielt das Museum, das den Blick immer wieder auf die Bedeutung Frankfurts und der Region für die Gestaltungsmoderne wirft, die Möglichkeit, eine komplette, weitgehend unveränderte »Frankfurter Küche« in der Wittelsbacher Allee, Siedlung Bornheimer Hang, auszubauen. Die ABG Frankfurt Holding, Eigentümerin der Küche, stellte sie als Dauerleihgabe zur Verfügung. Den komplizierten Komplettausbau vor Ort, ebenso wie die darauf folgende, über zweijährige Restaurierungsarbeit übernahm Christian Dressen, Diplom-Restaurator am Museum Angewandte Kunst. Er verzichtete auf großflächige Retuschen und stellte stattdessen die letzte Originallackierung durch Freilegung und Säuberung wieder her. Auch Spuren des Gebrauchs blieben bewusst sichtbar.

 

In der Ausstellung sind die Küchenelemente dem Originalgrundriss entsprechend zu einem Raum angeordnet. Die Stirnwand der Küche, in der sich in der ursprünglichen Raumsituation ein Fenster zum Garten befindet, bleibt offen und gibt Blicke in den Museumsraum frei, von der Außenseite zeigen sich an dieser Stelle Einblicke in die Konstruktion der Küche. Als Besonderheit sind auch die originalen Boden- und Wandfliesen Teil des Aufbaus. Somit entsteht ein authentischer Gesamteindruck der Gestaltungsleistung Margarete Schütte-Lihotzkys.

 

Kuratorisch wurde das Projekt von Prof. Dr. Klaus Klemp betreut, eine umfangreiche wissenschaftliche Mitarbeit und Beratung erfolgte durch Dr. Christos-N. Vittoratos. Die Restaurierung wurde durch eine großzügige finanzielle Förderung des Hessischen Museumsverbandes ermöglicht.

21.08.26 - 08.11.26

On Display. Wie Grafikdesign uns gestaltet

Grafikdesign ist allgegenwärtig. Ob Lebensmittelverpackungen, digitale Interfaces auf unseren Smartphones oder Werbeflächen und Leitsysteme im öffentlichen Raum – alles, was uns an visuellen Medien umgibt, ist grafisch gestaltet und intendiert eine Wirkung. So prägt Grafikdesign, wie wir wahrnehmen, verstehen, fühlen und handeln – oft ohne, dass wir uns dessen bewusst sind. Anhand der gestalterischen Positionen von Robin Coenen und Danielle Rosales, Aline Bavier und Sophia Becker sowie Anja Kaiser und Rebecca Stephany untersucht die Ausstellung On Display. Wie Grafikdesign uns gestaltet die gesellschaftliche Dimension von Grafikdesign und fragt nach seiner Wirkmacht in Zeiten politischer, technologischer und sozialer Umbrüche.

 

Die Darstellung von Informationen beeinflusst, was wir wissen – oder zu wissen glauben. Zahlen, Daten und Fakten sind kein formloses Material, sondern immer auf eine bestimmte Art und Weise gestaltet. Und alles, was gestaltet ist, könnte immer auch anders gestaltet sein. Damit ist jede gestalterische Entscheidung immer auch eine inhaltliche. Unter dem Titel Design Macht Wissen untersuchen Robin Coenen und Danielle Rosales, wie Grafikdesign Wissen formt und vermittelt und welche Machtverhältnisse dadurch entstehen.

 

Auch die Werkzeuge, mit denen wir gestalten, sind nicht neutral. Die Geschichte des Grafikdesigns ist eng mit technologischem Fortschritt verbunden. Aktuell stößt uns die Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz in eine neue Medienrevolution und fordert auch die Disziplin des Grafikdesigns grundlegend heraus. Aline Bavier und Sophia Becker nehmen eine offensive Haltung ein und eignen sich die gestalterischen Mittel dieses technischen Umbruchs an. In ihrer Videoinstallation False Memories verarbeiten sie gemeinsame Kindheits- und Jugenderinnerungen mit Hilfe von generativen Bildmodellen. Medien, Methoden und Werkzeuge werden zu Mitautor:innen unserer Wirklichkeit.

 

Der Kanon des Grafikdesigns wurde insbesondere im 20. Jahrhundert vom Anspruch geprägt, allgemeingültige Gestaltungsprinzipien zu formulieren. In ihrem Glossary of Undisciplined Design (Glossar des undisziplinierten Gestaltens) machen Anja Kaiser, Rebecca Stephany und weitere Autor:innen deutlich, dass sich die Disziplin ebenso gut als offenes und widersprüchliches – also undiszipliniertes – Feld begreifen lässt, das sein Potenzial in der Zusammenarbeit, der Vielstimmigkeit und der Bereitschaft entfaltet, Gegebenheiten zu hinterfragen.

 

Die Ausstellung On Display. Wie Grafikdesign uns gestaltet macht sichtbar, wie Grafikdesign unsere Wirklichkeit formt – und lädt dazu ein, aufgeworfene Fragen weiterzudenken und die gesellschaftliche Verantwortung der Disziplin neu zu verhandeln.

 

Kurator: Dr. Jonas Deuter

28.08.26 - 21.02.27

Adler, Orden, Wahlurne. Redesigning Democratic Representation

Eine Wahlurne, ein Wappentier, ein Verdienstorden: Drei Objekte, die im Alltag unserer Demokratie eine erstaunlich große Rolle spielen – und über die dennoch selten nachgedacht wird. Genau hier setzt die Ausstellung Adler, Orden, Wahlurne an. Sie lädt dazu ein, vertraute Zeichen des demokratischen Gemeinwesens neu zu betrachten und zu fragen, ob sie noch zu dem passen, was wir heute unter Demokratie verstehen.

 

Design und Architektur haben schon immer dabei geholfen, gesellschaftliche Vorstellungen sichtbar und diskutierbar zu machen. Statt jedoch – wie es historisch oft geschah – auf große, monumentale Gesten zu setzen oder sich umgekehrt in kleinen Nischenprojekten zu erschöpfen, verfolgt das Forschungs- und Gestaltungsprojekt Re-De-Re einen dritten, unaufgeregteren Ansatz: die gestalterische Auseinandersetzung mit einzelnen, sehr konkreten Objekten unserer demokratischen Repräsentation.

 

Drei davon stehen im Zentrum der Ausstellung. Die Wahlurne, in vielen Kommunen bis heute eine schlichte, zweckentfremdete Mülltonne – praktisch, aber der Feierlichkeit des Wahlakts kaum angemessen. Der Bundesadler, dessen symbolische Bedeutung als Raubvogel auf eine Zeit weit vor der Demokratie zurückgeht. Und das Bundesverdienstkreuz, mit dem der Staat bürgerschaftliches Engagement ehrt, dessen Form aber stark von christlicher Symbolik und vor allem von militärischer Tradition geprägt ist. Ausgehend von diesen drei Beispielen haben Gestalter:innen neue Entwürfe entwickelt, die zeitgemäßer und offener gedacht sind.

 

Re-De-Re ist zugleich ein Forschungsprojekt: Drei Jahre lang begleitet das Team Politiker:innen in ihrem parlamentarischen Alltag, um zu verstehen, wie Repräsentation im Kleinen funktioniert. Die gestalterische Perspektive richtete den Blick auf das Sinnliche und Materielle dieser Arbeit, die politikwissenschaftliche auf Machtverhältnisse und Verfahren, die sich weniger leicht greifen lassen. Beobachtung und Entwurf informieren sich dabei immer wieder gegenseitig – ein Prozess, der die entstandenen Objekte zu einer Brücke zwischen Abgeordneten, Forschenden und Besucher:innen macht.

 

Zu sehen sind Arbeiten und Positionen internationaler Gestalter:innen, darunter Rozbeh Asmani, Maciej Chmara & Anna Rosinke, Esra Gülmen, Jianping He, Nadine Kolodziey und Ingo Offermanns. Die Ausstellung möchte zeigen, dass Demokratie nicht nur verwaltet, sondern auch gestaltet wird – und lädt dazu ein, sich diesen Gestaltungsprozess gemeinsam anzueignen.

 

Re-De-Re (Redesigning Democratic Representation) ist ein Projekt der Hochschule für bildende Künste Hamburg und der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, gefördert durch die VolkswagenStiftung.

 

Kurator: Friedrich von Borries

Ausstellungsgestaltung: Friedrich von Borries und Philipp Cartier

Ausstellungsgrafik: Gihong »Kiki« Park

Wissenschaftliches Team: Sven T. Siefken, Friedrich von Borries, Juliane Baruck, Philipp Cartier

 

Beteiligte Künstler:innen und Designer:innen:
Rozbeh Asmani, Uri Barnea, Moritz Bendl, Nehora Chajes, Maciej Chmara, Kadijatou Dahaba, Neta Magda Dror, Petra Esveld, Caine Förster, Agata Germain, Gestaltungszentrale Politik, Santiago Gomez, Esra Gülmen, Juan Guse, Jianping He, Jarek Kozakiewicz, Nadine Kolodziey, Pauli Muszi, Itay Noy, Ingo Offermanns, Krzysztof Oleksiak, Stanislaw Orlowski, Daniel Afriyie Owusu, Oxa, Haim Parzon, Peter Post, Emma Rahe, Anja Rosinke, Kaj Schlicht

07.11.26 - 29.11.26

Triangular – New Frankfurt Kitchen 2040

Genau 100 Jahre nach der Gestaltung der historischen Frankfurter Küche durch Margarete Schütte-Lihotzky präsentiert die Ausstellung Triangular. New Frankfurt Kitchen 2040 visionäre Designkonzepte für das zukünftige Leben rund um Ernährung und Nahrungszubereitung. Internationale Design-Studierende vom Politecnico di Milano, der Technischen Universität Delft und der İstanbul Teknik Üniversitesi haben in Zusammenarbeit mit der De’Longhi Braun Household GmbH und der rams foundation wegweisende Modelle, Prototypen und Kurzfilme entwickelt. Die Ausstellung ist ein offizieller Beitrag zur World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 und wird im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt gezeigt.

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Studierenden und ihre Arbeiten. Die Nachwuchstalente bieten greifbare Visionen für funktionale, barrierefreie und nachhaltige Zukunftskonzepte. Sie präsentieren nicht nur zukunftsweisende Küchenentwürfe, sondern auch innovative Haushaltsprodukte und Objekte, die eng mit der Lebensmittelproduktion, -zubereitung und dem -konsum verknüpft sind. Die kulturellen Unterschiede und vielfältigen Hintergründe der Studierenden aus Italien, den Niederlanden und der Türkei prägen die verschiedenen Entwürfe maßgeblich und gleichzeitig fundieren viele der Konzepte auf dem gleichen Grundgedanken oder auf ähnlichen Zukunftsszenarien.

 

Insgesamt werden 21 wegweisende Arbeiten mit Modellen und Prototypen ausgestellt. Weitere 30 Konzepte werden als von den Studierenden selbst erstellte Kurzfilme präsentiert.

 

Um den Fokus auf die Innovationskraft zu lenken, lösen sich die Entwürfe bewusst vom klassischen Raumkonzept. Sie orientieren sich an globalen Megatrends und sind in vier zentrale Säulen gegliedert:

 

Economy
Die Küche passt sich intelligent an kleinere Wohnräume an und fokussiert sich auf die wesentlichen Praktiken des Kochens, um aus minimalen Ressourcen maximalen Wert zu schöpfen.

 

Society
Die Küche wird zu einem Raum für Entschleunigung und Gemeinschaft, der nachhaltige Gewohnheiten sowie den sozialen Zusammenhalt in einer schnelllebigen Zeit fördert.

 

Humanity
Das menschliche Erlebnis rückt wieder in den Fokus; Produkte agieren als bedeutungsvolle Begleiter statt als rein auf Effizienz getrimmte Maschinen.

 

Culture
Die Küche spiegelt die kulturelle Vielfalt einer vernetzten Welt wider, integriert verschiedenste Kochpraktiken und feiert das Teilen von Identitäten und Traditionen.

 

Das Projekt Triangular ist eine Zusammenarbeit zwischen der De’Longhi Braun Household GmbH, der rams foundation und den drei renommierten Design-Hochschulen Politecnico di Milano, Technische Universität Delft (TUDelft) und İstanbul Teknik Üniversitesi (İTÜ).

Standort
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Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt
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