Die Weserburg Museum für moderne Kunst ist Bremens Haus für internationale Kunst der Gegenwart. Wechselnde Einzel- und thematische Gruppenausstellungen sowie eine langfristig angelegte Sammlungspräsentation ermöglichen lebendige Auseinandersetzungen mit dem Kunstschaffen von den 1960er Jahren bis heute. 1989 legte die Freie Hansestadt Bremen den Grundstein für die Stiftung Neues Museum Weserburg, die als Europas erstes Sammlermuseum 1991 ihre Räume eröffnete. Seit 2007 firmiert das Haus unter dem Namen Weserburg Museum für moderne Kunst. Enge Partnerschaften mit Privat- und Unternehmenssammlungen bilden die Grundlage, um in unterschiedlichen Formaten und in Ergänzung der eigenen Sammlungsbestände einen spannungsreichen Umgang mit Kunst der Gegenwart umzusetzen.
Internationale Ausrichtung und regionale Verankerung
Das bietet in vielfältigen Ausstellungen, Veranstaltungen, Vermittlungsformaten und wissenschaftlich erarbeiteten Publikationen einen Einblick in die internationale Kunst. Ein Schwerpunkt liegt auf hochqualitativen Positionen des Fluxus und Nouveau Réalisme, der Sound, Conceptual und Minimal Art – Bewegungen, die im Dialog mit der Kunst des 21. Jahrhunderts das Programm prägen. Neben ihrer dezidiert internationalen Ausrichtung fühlt sich die Weserburg Museum für moderne Kunst auch den herausragenden regionalen Positionen und der Nachwuchsförderung verpflichtet.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Julika Rudelius – The Emperor’s New Mall
In ihren Filmen, Fotografien und Performances treibt Julika Rudelius (*1968 in Köln, lebt in den Niederlanden/Amsterdam) die Neugier auf Menschen, Stereotype und Milieus an, die sie (noch) nicht kennt und meist ganz anders sind, als sie zuvor gedacht hätte. Die Lust, hier einzutauchen und ihren Widersprüchen, Ästhetiken und Funktionsweisen nachzuspüren, prägt ihr Schaffen sowohl auf inhaltlicher wie auf formaler Ebene. Ihr Ausgangspunkt ist die Faszination für und das Erstaunen über das, was wir Menschen uns ausdenken, um uns in gesellschaftlich, politisch oder kulturell geformten Rollen und Klischees einzufügen.
The Emperor’s New Mall in der Weserburg konzentriert sich auf perfektionierte Oberflächen – auf unsere äußere Erscheinung, unser Auftreten, unsere Statussymbole und die Verführung, die von ihnen ausgeht, für die Protagonist:innen in den Arbeiten wie für die Betrachter:innen davor. Wieviel davon ist von uns selbst gewählt und damit tatsächlich individuell? Wieviel ist durch gesellschaftliche Normen, kapitalistische Werte und unterbewusste Prägungen vorgegeben? Was ist Geste, was Haltung? Und worin liegt ihre Faszination?
Cold as Ice. Kälte in Kunst und Gesellschaft
Kälte, das meint niedrige Außentemperaturen ebenso wie Emotionslosigkeit, mangelnde Empathie und fehlende Solidarität. In diesem Kontext kann Kälte zum künstlerischen Mittel werden, um gesellschaftliche Zustände darzustellen und zu kritisieren. Doch wie steht es heute mit der Idee, einen gesellschaftlichen Ist-Zustand der Kälte künstlerisch zu fokussieren? Welche Bilder finden internationale Künstler:innen angesichts sich übereinanderlegender globaler Krisen, mit denen wir uns konfrontiert sehen? Angesichts von Diskriminierung und Destruktion, Lüge und Hass und damit Prozessen von Entsolidarisierung, die sich entlang gewaltvoller Machthierarchien manifestieren und unser Miteinander bestimmen?
Die künstlerischen Werke in Cold as Ice. Kälte in Kunst und Gesellschaft nehmen die existenzielle Dimension von Kälte in den Blick. Wärme ist ein menschliches Grundbedürfnis, Voraussetzung für Wohlbefinden und Gesundheit. Ihre Abwesenheit hat gravierende Folgen: Fehlender sozialer Zusammenhalt, zunehmende Entfremdung, Gleichgültigkeit, Einsamkeit, Gewalt. Die Ausstellung präsentiert künstlerische Bilder eines sich immer weiter abkühlenden gesellschaftlichen Klimas, führt Arbeiten zusammen, die (politisch) frostige Zeiten thematisieren, aber auch Widerstand und das Gegenbild von Veränderung und Solidarität beschwören.
Zu sehen sind auf 1.000 qm raumgreifende Installationen, Videoarbeiten, Skulpturen, Fotografien, Zeichnungen, Audioarbeiten und Gemälde bis hin zu Performances und partizipativen Formaten. Renommierte Künstler*innen aus einem internationalen Kontext, die zum Großteil erstmalig in Bremen zu sehen sind, stehen neben noch zu entdeckenden Positionen. Es entstehen überdies mehrere Neuproduktionen.
Ausstellung auf Ebene 3
Kuratiert von Ingo Clauß und Janneke de Vries
Die Tödliche Doris
Die Ausstellung präsentiert das multimediale Werk des Künstler:innenkollektivs Die Tödliche Doris. Es ist die erste umfangreiche Überblicksschau der Gruppe, die von 1980–1987 aktiv war. Die Tödliche Doris entstand gleichermaßen im Umfeld der Punkbewegung wie der Kunsthochschule in Westberlin. Als Künstlerkollektiv arbeitete sie konzeptuell und medienübergreifend in den Bereichen Musik, Performance, Video, Malerei, Objektkunst und Literatur. Insbesondere stellte sie immer wieder Seh- und Hörgewohnheiten in Frage.
Bei ihrer Auflösung 1987 war Die Tödliche Doris international bekannt. Ausstellungen, Filmvorführungen und Konzerte führten in zahlreiche Städte innerhalb Deutschlands und nach New York, Amsterdam, Brüssel, Basel, Helsinki, Budapest, Warschau, Wien, Paris, Bordeaux und Tokio.
Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Archiv der Tödlichen Doris, das sich seit 2020 in den Räumen der Galerie K Strich in Bremen befindet.
So wie wir sind
Die Sammlungsausstellung So wie wir sind präsentiert sich in verändertem Licht: Neue Werke, neue Sammlungen, neue Themenareale. Daneben Bekanntes mit modifizierten Schwerpunkten, Bewährtes als Moment des Wiedererkennens, Mitmachstationen für die Besucher:innen und eine Verstärkung von Positionen aus den 1960er bis 1980er Jahren als historisches Rückgrat. Die leitende Frage: Wer sind wir und wer könnten wir sein?
Mit Werken von mehr als 100 Künstler:innen und -gruppen aus unterschiedlichen Zeiten und Orten dieser Welt eröffnet So wie wir sind auf 2.500 m² vielgestaltige Perspektiven auf die Kunst der Gegenwart. Renommierte Namen werden dabei von jungen, noch zu entdeckenden Positionen herausgefordert und Sichtweisen der klassischen Kunstgeschichte gegen den Strich gebürstet. So entstehen überraschende, spannende, humorvolle, poetische und radikale Möglichkeiten, sich den Fragen unserer Zeit über die Kunst zu nähern.
Neu in der Ausstellung sind Werke von rund 40 Künstler:innen:
Saâdane Afif, John M. Armleder, Rebekka Benzenberg, Viktoria Binschtok, Karla Black, Christian Boltanski, André Cadere, Jesse Darling, Cao Fei, Hans-Peter Feldmann, Ceal Floyer, Andrea Fraser, Ryan Gander, Kyriaki Goni, Donald Judd, Johanna Karlsson, Annette Kelm, Sonia Khurana, Jürgen Klauke, Fabian Knecht, Jürgen Krause, Till Krause, Wolfe von Lenkiewicz, Richard Long, Robert Longo, Urs Lüthi, Małgorzata Mirga-Tas, Marge Monko, Andreas Mühe, Zanele Muholi, Kenneth Noland, Susan Philipsz, Paloma Proudfoot, Peter Roehr, Bunny Rogers, Kay Rosen, Ulrike Rosenbach, Emma Sarpaniemi, Lerato Shadi, Luc Tuymans, Anna Vogel, Wim Wenders
Ausstellung auf Ebene 1 und 2
Kuratiert von Ingo Clauß und Janneke de Vries

