Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe ist eine weltweit einzigartige Kulturinstitution, denn es ist ein Ort, der die originären Aufgaben des Museums erweitert.
Es ist ein Haus aller Medien und Gattungen, ein Haus sowohl der raumbasierten Künste wie Malerei, Fotografie und Skulptur als auch der zeitbasierten Künste wie Film, Video, Medienkunst, Musik, Tanz, Theater und Performance. Das ZKM wurde 1989 mit der Mission gegründet, die klassischen Künste ins digitale Zeitalter fortzuschreiben. Deshalb wird es gelegentlich auch das »elektronische bzw. digitale Bauhaus« genannt – ein Ausdruck, der auf den Gründungsdirektor Heinrich Klotz zurückgeführt wird.
Die Sammlung des ZKM umfasst etwa 10.200 Werke der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.
Sie enthält Werke aller Gattungen der bildenden Kunst – Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur, Fotografie, Film, Video und Installation. Der Bestand an computerbasierten Installationen, Videobändern und Videoinstallationen ist weltweit einzigartig.
Die Forschungssammlung des ZKM umfasst zudem circa 24.000 Video- und Audiobänder. Sie enthält Werke der Videokunst sowie Dokumentationen zu KünstlerInnen, Kunstwerken, künstlerischen Veranstaltungen und Ausstellungen von den 1960er-Jahren bis heute.
Veranstaltungen und Ausstellungen
The Story That Never Ends. Die Sammlung des ZKM
Mit der Ausstellung »The Story That Never Ends. Die Sammlung des ZKM« gibt das ZKM | Karlsruhe einen umfassenden Einblick in die eigene Sammlung, die mit ca. 12.000 Werken zu den größten und bedeutendsten Medienkunstsammlungen der Welt gehört. Die Ausstellung erzählt nicht nur von den miteinander verwobenen Geschichten von Kunst und Technologie, sondern auch von den Herausforderungen, die die schnelllebigen technologischen Medien für Museen weltweit mit sich bringen.
Die Geschichte der Medienkunst von den 1950er-Jahren bis heute
Elektrifizierung und Digitalisierung haben die Welt verändert. Dieser Wandel erfasste nicht nur unseren Alltag, sondern wirkte sich auch auf das künstlerische Schaffen aus.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts nutzen Künstler:innen diese sich rasant weiterentwickelnden Technologien und erweitern so kontinuierlich die Ausdrucksmöglichkeiten der Kunst: Das Spektrum reicht von Video-, Licht- und Klangkunstwerken, über motorbetriebene kinetische Objekte, bis hin zu computerbasierten interaktiven Installationen oder Werken, die mithilfe von künstlicher Intelligenz erzeugt wurden.
Mit etwa 100 Arbeiten zeichnet »The Story That Never Ends« diese Entwicklungslinien der apparativen Künste und ihre Öffnung zu den Kategorien Raum, Zeit und Bewegung sowie Interaktion und Partizipation nach – von den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart. Eine Auswahl bedeutender Schlüsselwerke, die wichtige Momente und Meilensteine der Medienkunst repräsentieren, stellen die Vielfalt und den Einfluss dieser technologischen Entwicklungen dar. Marie-Jo Lafontaines monumentale Videoskulptur »Les larmes d’acier« (1987), mit der sie auf ironische Weise die komplexen Begriffskonstellationen »Mann, Maschine, Macht und Sexualität« paradigmatisch dekonstruiert sowie Bill Violas Video-Klanginstallation »Stations« (1994), die zentrale Aspekte seines künstlerischen Schaffens wie grundlegende Themen menschlichen Daseins vereint oder Jeffrey Shaws »Virtual Sculpture« (1981), die für frühe Experimente der Augmented Reality steht, bilden hier eine kleine Auswahl an Beispielen.
Gleichzeitig macht die Ausstellung auch den sozial- und gesellschaftspolitischen Rahmen, in dem die Werke entstanden sind nachvollziehbar, um Rückschlüsse und Bezüge zu den drängenden Fragen unserer heutigen Zeit zu ermöglichen: Feministische Arbeiten früher (Medienkunst-)Pionierinnen, wie beispielsweise pezoldo (aka Friederike Pezold), Lynn Hershman Leeson, Kirsten Geisler oder Rebecca Horn, sind hier genauso zu nennen wie Arbeiten, die die Auswirkungen der Massenmedien wie Fernsehen (Nam June Paik, Wolf Vostell), die Verbindung zwischen Technologie und Militär, Grenzen und Überwachung oder Gewalt im digitalen Raum (Paul Garrin, Hanna Haaslahti, David Rokeby) oder natürliche Ökosysteme (Justine Emard, Claudia González Godoy) reflektieren. Immer wieder hinterfragen Künstler:innen die Möglichkeiten und Auswirkungen neuer Medien, denken und gestalten sie um, und bringen so neue soziale und kulturelle Narrative hervor, die den Diskurs über unser Verhältnis zu Technologie prägen.
Wir betrachten Kunst, wie der Ausstellungstitel suggeriert, als eine Geschichte, die niemals enden wird, solange es Menschen gibt. Dass wir nicht wissen, welche Form sie in der Zukunft annehmen wird, hat sie mit der Technologie gemeinsam. Unser Wissen über die Vergangenheit und Gegenwart beeinflusst, wie wir die Zukunft gestalten und das, was noch kommen wird, wertschätzen.
Die Medienkunstrestaurierung
»Die Geschichte, die niemals endet« spielt nicht nur auf die künstlerische Entwicklung, sondern auch auf die Herausforderungen an, mit denen Museen konfrontiert sind, die Medienkunstwerke sammeln: Technische Geräte sind nicht für die Ewigkeit gemacht, Datenträger zerfallen, Softwarestandards sind rasch überholt und Medienformate sind nach wenigen Jahren nicht mehr lesbar. Das bedeutet, dass Werke kontinuierlich von Restaurator:innen überwacht und technisch aktualisiert werden müssen. Welche Auswirkungen hat dies auf die Kunst und unser kulturelles Gedächtnis? Welche Fähigkeiten müssen wir entwickeln, um nicht nur eine Zukunft zu haben, sondern auch eine Vergangenheit?
Das ZKM verfügt über eine international anerkannte Expertise in der Konservierung und Restaurierung von Medienkunst. Da diese konservatorischen und restauratorischen Arbeiten jedoch vornehmlich im Verborgenen geschehen, geht »The Story That Never Ends« einen radikalen Schritt: Die Entscheidung, welche Schlüsselwerke aus der Sammlung in der Ausstellung gezeigt werden, wurde den Restaurator:innen des ZKM anvertraut. Sie bringen so verborgene Schätze ans Licht, die aufgrund von aufwändigen Erhaltungsmaßnahmen zum Teil seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich sichtbar waren. Da die Werke selbst nicht unbedingt die Komplexität ihrer Technik und die Herausforderungen ihrer Erhaltung offenbaren, bietet die Ausstellung zusätzlich eine Einführung in die Technikgeschichte und in die Konservierungsstrategien für diese Art von Werken.
Der Blick von der Vergangenheit in die Zukunft
»The Story That Never Ends« erzählt somit anhand der einzigartigen Sammlung des ZKM nicht nur die faszinierende Geschichte der Medienkunst. Sie macht auch die Fragilität unserer elektrifizierten und digitalisierten Zivilisation deutlich. Die Ausstellung ermöglicht einen tiefgehenden Einblick in die Kunst- und Technikgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts und zeigt, wie Geschichte den Blick auf die Gegenwart schärft und anregt, mögliche Zukünfte zu imaginieren.
Eröffnung: 4. April 2025, 19 Uhr
William Forsythe. Choreographic Instructions
William Forsythes »Choreographic Instructions« sind Anweisungen für Bewegungsabläufe, deren Ausführbarkeit von vergleichsweise leicht bis nahezu unmöglich reicht. Im öffentlichen Raum werden Passant:innen dazu eingeladen, sich in der Auseinandersetzung mit den Anweisungen – ganz gleich, wie ungewöhnlich oder beschwerlich diese auch sind – auf einen Akt der Selbstbefragung oder Selbstbetrachtung einzulassen.
Die choreografischen Instruktionen zu verstehen oder umzusetzen, wird nicht allen gelingen. Es stellt sich sogar die Frage: „Wer könnte so ein Werk überhaupt verwirklichen?“ Für William Forsythe ist dies der Augenblick, um über unsere Fähigkeit zur Hoffnung nachzudenken. Er vertraut darauf, dass inmitten der Schwierigkeiten unsere Vorstellungskraft erwacht und wir beginnen, über unerwartete, individuelle Formen des Handelns sowie über die Vielfalt menschlicher Fähigkeiten nachzudenken.
Basierend auf dem Vokabular des klassischen Balletts hat William Forsythe, einer der weltweit führenden Choreografen unserer Zeit, seit den 1970er-Jahren eine einzigartige Bewegungssprache entwickelt. Choreografie ist für Forsythe eine Form des Denkens – ein kreativer Prozess, der sich nicht auf die Ausführung einer festgelegten Anweisung beschränkt, sondern Raum, Körper und Zeit in Beziehung setzt. Seine konzeptuelle Herangehensweise an Tanz und sein tiefgehendes Interesse an den Grundprinzipien der Choreografie haben Forsythe in den letzten Jahren dazu geführt, auch jenseits der Bühne ein breites Spektrum an Projekten in den Bereichen Installation, Film und digitalen Medien umzusetzen.
Im Rahmen von »Choreographic Instructions« werden mit »Backwards« (2018), »Himmel & Hölle« (2019), »Turning your eyes [Drehe deine Augen]« (2019) und »Untitled Instructional Series«(2020) vier Textarbeiten von Forsythe auf dem Vorplatz und im Außenbereich des ZKM gezeigt. Mit diesen Arbeiten setzt das ZKM eine Projektreihe fort, die mit der Übergabe des Archivs von William Forsythe im Frühjahr 2023 begonnen wurde. Realisiert wurden bisher die Website »Improvisation Technologies – The Lectures«, die Ausstellung »Nowhere and Everywhere at the Same Time«, die Uraufführung »Friends of Forsythe« sowie die Präsentation der Installation »Black Flags«.
Elektronischer Streichelzoo. Ist es lebendig – oder tut es nur so?
Flauschig, neugierig und ein bisschen künstlich:
Im Foyer des ZKM zieht eine ganz besondere Tierart ein – die Booboos, zehn interaktive Robotermeerschweinchen, die auf Berührung und Ansprache reagieren. Familien mit Kindern, aber auch Erwachsene ohne Begleitung, sind herzlich eingeladen, diese ungewöhnlichen kleinen Wesen kennenzulernen!
Im Streichelzoo warten die Booboos darauf, gekuschelt, beobachtet und erforscht zu werden. Doch hinter dem verspielten Erlebnis steckt eine große Frage: Ist das lebendig – oder tut es nur so?
Lernen, staunen, hinterfragen
Ob sprechendes Spielzeug, smarte Assistenten oder lernfähige Maschinen – immer mehr technische Gegenstände wirken heute „lebendig“. Der Elektronische Streichelzoo lädt Besucher:innen dazu ein, genau hinzuschauen und zu erleben, wie empathisch unsere Beziehung zu Maschinen jetzt schon ist.
Gemeinsam mit den Booboos lässt sich auf einfache Weise entdecken, wie Maschinen auf Menschen reagieren können, und was den Unterschied zwischen echtem Leben und programmiertem Verhalten ausmacht. So wird auch für Kinder verständlich, worum es bei Themen wie Künstlicher Intelligenz, Empathie und Verantwortung geht.
Zukunft zum Anfassen
Das Projekt regt zum Nachdenken an:
Können Roboter Tiere oder soziale Kontakte ersetzen?
Können sie Gesellschaft spenden – etwa in Pflegeheimen?
Und: Wollen wir das überhaupt?
Ulrich Bernhardt. JETZT: Es war, wird und ist
Mit der Ausstellung »JETZT: Es war, wird und ist« würdigt das ZKM das Werk des in Stuttgart lebenden Video- und Installationskünstlers Ulrich Bernhardt (*1942), der zu den wichtigen Pionieren der Medienkunst in Baden-Württemberg zählt. Die Ausstellung umfasst mit frühen politischen Grafiken, Mail Art, Copy Art, Videoinstallationen und Fotografien zentrale Werkgruppen des Künstlers, der sich selbst ironisch als »letzten analogen schwäbischen Romantiker« bezeichnet.
Für Bernhardt ist Kunst ein offener, sich ständig wandelnder Prozess, eine Form des philosophischen Tuns. Als künstlerischer Leiter des 1978 vor allem auf seine Initiative gegründeten Künstlerhauses Stuttgart prägte er Anfang der 1980er-Jahre den Begriff der »künstlerischen Forschung«, um Formen der subjektiven Erfahrungs- und Wissensvermittlung zu beschreiben. Anders als die Wissenschaft sucht diese Art des Arbeitens nicht nach objektiven Beweisen, sondern verbindet persönliches Erleben mit ungewöhnlichen, teils absurden Methoden. Dadurch entstehen ästhetische Erfahrungen, aus denen neue Erkenntnisse gewonnen werden können – Erkenntnisse, die das Potenzial haben, gesellschaftliche Veränderung anzustoßen.
Nach einer kurzen journalistischen Tätigkeit beim Fernsehen des damaligen Süddeutschen Rundfunks (SDR; heute SWR) und einer Mitarbeit an einem Forschungsprojekt an der Universität Stuttgart entstanden ab 1974 erste Videoarbeiten im sozialen Kontext. Seit Anfang der 1980er-Jahre setzt sich Bernhardt mit aktuellen Technologien und dem gesellschaftlichen Wandel im Zusammenhang mit der griechischen Mythologie auseinander. Dabei interessiert ihn insbesondere, wie tiefgreifende technologische Entwicklungen unser Bewusstsein beeinflussen und wie diese fundamentalen Prozesse mit mythologischen Denkfiguren beschrieben werden können.
Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei Installationen des Künstlers aus der Sammlung des ZKM: »Der Fluss« (1978) und »Der Sarkophag« (1996/2025). Beide Werke setzen sich mit unterschiedlichen Aspekten von Zeit, Vergänglichkeit und Dauer auseinander. »Der Fluss«, Bernhardts erste Videoinstallation, untersucht die Flüchtigkeit der Zeit und den stetigen Wandel unseres Kommunikationsverhaltens. »Der Sarkophag« hingegen thematisiert die zeitliche Dimension radioaktiver Strahlung, welche unsere menschliche Vorstellungskraft übersteigt. In dieser sieht der Künstler ein Verschmelzen von Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart zu einem ewigen JETZT. Vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen um die Rückkehr zur Atomkraft erinnert die Arbeit, die sich auf das Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahr 1986 bezieht, an die oft verdrängten Gefahren der Nukleartechnologie. Die Ausstellung von Ulrich Bernhardt im ZKM endet am 26. April 2026 – dem 40. Jahrestag dieser bisher schlimmsten Atomkatastrophe der Geschichte.
»The Story That Never Ends. Die Sammlung des ZKM«
Die Ausstellung findet im Projektraum der Sammlungsausstellung »The Story That Never Ends. Die Sammlung des ZKM« statt, in dem sammlungs- und archivbezogene Projekte vorgestellt werden. Die Ausstellung ist Teil einer Reihe an Ausstellungen am ZKM, mit der eine Pioniergeneration von Medienkünstler:innen gewürdigt wird, die bisher der breiteren Öffentlichkeit nur wenig bekannt sind. Seit 2019 beherbergt das ZKM das audiovisuelle und Mail-Art-Archiv von Ulrich Bernhardt. Die Restaurierung der Videoinstallation »Der Fluss« konnte dank der großzügigen Unterstützung der Wüstenrot Stiftung, Projektpartner der Ausstellung, realisiert werden.

