05 Okt. 2026

Ryuichi Sakamoto im Hamburger Bahnhof: Führung & Infos

Erste große Sakamoto-Retrospektive Europas in Berlin: Klanginstallationen, Führungen des Museumsdienstes, Öffnungszeiten, Preise und Tipps für Ihren Besuch.

Ryuichi Sakamoto im Hamburger Bahnhof: Führung & Infos

Was passiert, wenn Musik nicht mehr nur gehört, sondern betreten werden kann? Im Berliner Hamburger Bahnhof lässt sich genau das erleben: Mit „Ryuichi Sakamoto | seeing sound, hearing time“ zeigt die Nationalgalerie der Gegenwart die erste große Retrospektive des japanischen Komponisten und Künstlers in Europa. Wer die Schau nicht allein erkunden möchte, kann sich einer einstündigen Führung des Museumsdienstes Berlin anschließen.

Ryuichi Sakamoto: Pionier zwischen Klang, Film und bildender Kunst

Ryuichi Sakamoto (1952–2023) gilt als Pionier der elektronischen und experimentellen Musik. Er wurde mit einem Academy Award, zwei Golden Globes und einem Grammy ausgezeichnet und schrieb unter anderem Filmmusiken, etwa für „The Revenant“. Sein Werk überschritt immer wieder die Grenzen zwischen Klang, Film, Performance und bildender Kunst. Sakamoto starb am 28. März 2023.

Neben seiner Karriere als Komponist und Popmusiker wurde die Arbeit im Ausstellungsraum für ihn zunehmend wichtig. Seit den 2000er-Jahren entwickelte er dreidimensionale Klangräume, oft gemeinsam mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern wie Shiro Takatani, Carsten Nicolai oder dem Filmemacher Apichatpong Weerasethakul. Das Konzept dahinter: „Installationsmusik“, also Musik, die einen physischen Raum einnimmt und nicht nur als Aufnahme oder Konzert existiert.

Die Ausstellung „seeing sound, hearing time“

Die Schau läuft vom 11. September 2026 bis 20. Juni 2027 und wurde zur Berlin Art Week eröffnet. Auf rund 1.500 Quadratmetern in den Rieckhallen präsentiert der Hamburger Bahnhof sieben Werke in fünf großformatigen Installationen. Sie rückt die Schnittstelle von Klang und Kunst ins Zentrum, die seit der Gründung des Hauses vor 30 Jahren zu dessen Markenzeichen gehört.

async–immersion: zwei Zeitebenen zugleich

Besonders eindrücklich ist die Arbeit async–immersion, die Sakamoto mit Shiro Takatani schuf. Vierzehn Audiokanäle umgeben die Besucherinnen und Besucher mit Klang, während eine 18 Meter lange LED-Wand Fragmente aus Sakamotos New Yorker Studio zeigt. Musik und Bild folgen unterschiedlichen Rhythmen, sodass zwei parallele Zeitebenen entstehen statt eines einzigen chronologischen Ablaufs. Die taz beschrieb den Eindruck als eine Art Zeittunnel, in den man eintaucht.

IS YOUR TIME: Erdbebendaten werden zu Klang

In IS YOUR TIME (2017) wird ein vom Tsunami 2011 beschädigtes Klavier zum Klangobjekt. Die Installation beruht auf digital umgewandelten seismologischen Daten von Erdbeben weltweit. Natur und Musik greifen hier ineinander: Das Instrument, von der Katastrophe gezeichnet, „spielt“ nun die Bewegungen der Erde.

Weitere Zusammenarbeiten

Zu den gezeigten Arbeiten gehören außerdem async–first light (2017), entstanden mit Apichatpong Weerasethakul und kombiniert mit dessen Film Durmiente (2021), sowie TIME, TIME, erneut mit Shiro Takatani. Der Titel „hearing time“ lässt sich dabei als Einladung verstehen: die Zeichen der Zeit wahrnehmen, innehalten, loslassen.

Kuratiert und begleitet von einem Katalog

Die Ausstellung wurde von Ingrid Buschmann, Kuratorin am Hamburger Bahnhof, gemeinsam mit der Tokioter Kuratorin Sachiko Namba kuratiert, in enger Zusammenarbeit mit dem Nachlass von Ryuichi Sakamoto (The Estate of Ryuichi Sakamoto / KAB Inc.). Eine Publikation in der Katalogreihe des Hamburger Bahnhofs erscheint bei Silvana Editoriale Milano; nach Angaben der taz kostet der Katalog 20 Euro. Zuvor war die Schau 2024 im Museum of Contemporary Art Tokyo zu sehen.

Führung des Museumsdienstes Berlin

Der Museumsdienst Berlin bietet einstündige Führungen durch die Ausstellung an. Gerade bei einer Schau, die stark auf Atmosphäre, Technik und Konzepte setzt, lohnt sich die Begleitung: Sie erhalten Hintergründe zu Sakamotos Arbeitsweise, zur Entstehung der Installationen und zu den Kooperationen mit Takatani, Nicolai und Weerasethakul. Auch für das Format der Kuratorenführung findet sich ein Angebot im Programm des Museumsdienstes. Eine Anmeldung ist erforderlich; aktuelle Termine und Buchungsmöglichkeiten finden Sie auf der Seite des Museumsdienstes zum Hamburger Bahnhof.

Der Museumsdienst hat außerdem weitere Formate rund um das Haus im Programm, darunter die Tour „MuseumsMeileMitte – Eine Tour, vier Museen“ (90 Minuten) und eine Führung zu Architektur und Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes (60 Minuten).

Praktische Informationen für Ihren Besuch

  • Ort: Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Invalidenstraße 50–51, 10557 Berlin
  • Laufzeit: 11. September 2026 bis 20. Juni 2027
  • Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–20 Uhr, Samstag und Sonntag 11–18 Uhr, montags geschlossen. Am 24. und 31. Dezember bleibt das Museum geschlossen.
  • Eintritt: 16 Euro, ermäßigt 8 Euro (inklusive Wechselausstellungen); Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt. Tickets gibt es online im Ticketbereich der Staatlichen Museen zu Berlin oder an der Museumskasse.
  • Anfahrt: Das Museum liegt im Berliner Zentrum und gehört zur MuseumsMeileMitte, einem Verbund von vier Museen, die fußläufig zueinander erreichbar sind.
  • Barrierefreiheit: Die Ausstellung findet in den Rieckhallen statt. Laut Museum ist der Zugang zu den Rieckhallen derzeit nicht barrierefrei. Bitte wenden Sie sich bei Bedarf vorab an den Infopoint an der Kasse. Informationen zu barrierefreien Angeboten finden Sie im Programm des Museumsdienstes.

    Tipp: Planen Sie genügend Zeit ein. Die Installationen entfalten ihre Wirkung erst, wenn man sich auf ihre eigene Zeitlichkeit einlässt.

    Fazit: Sakamoto sehen, hören und erleben

    „seeing sound, hearing time“ ist mehr als eine Retrospektive: Die Ausstellung zeigt, wie Ryuichi Sakamoto Klang zu einem Raum machte, den man betreten, durchwandern und fühlen kann. Mit einer Führung des Museumsdienstes gewinnen Sie zusätzliche Perspektiven auf Technik, Konzept und Poesie dieser Werke. Sichern Sie sich Ihren Platz, buchen Sie Ihr Ticket und nehmen Sie sich eine Stunde Zeit, um Zeit neu zu hören.

    Jetzt Führung beim Museumsdienst Berlin anmelden

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