Das Jüdische Museum in Frankfurt am Main macht die Vielfalt jüdischer Kulturen in Geschichte und Gegenwart erfahrbar. Zu diesem Zweck sammelt, bewahrt und erforscht es Kulturgüter und Zeugnisse jüdischen Lebens in Frankfurt. Mit seinen kunst- und kulturhistorischen Ausstellungen, Bildungsprogrammen und digitalen Angeboten sowie seiner Freude an experimentellen Formaten möchte das Jüdische Museum Frankfurt ein Museum ohne Mauern sein.
Die beiden Standorte des Jüdischen Museums sind von herausragender Bedeutung für die jüdische Stadtgeschichte. Die permanenten Ausstellungen im Museum Judengasse und im Rothschild-Palais unterstreichen die Bedeutung Frankfurts als eines der Zentren jüdischen Lebens in Europa vom Mittelalter bis zur Vernichtung in der Schoa. Der Neubeginn und die Gegenwart jüdischen Lebens in Frankfurt bilden den Ausgangspunkt dieser Ausstellungen.
Die Arbeit des Museums wird von der Überzeugung getragen, dass die Geschichte von Jüdinnen und Juden in der Diaspora einmalig und jüdische Kulturen von zentraler Bedeutung für die europäischen Gesellschaften sind. Die jüdische Erfahrung von Diskriminierung und Gewalt wie auch des Ringens um Gleichberechtigung und soziale Teilhabe ist von unverminderter Aktualität. Vor diesem Hintergrund wollen wir zu interkultureller Verständigung und zur Selbstreflexion anregen. Wir verstehen unsere Arbeit als vernetztes Handeln im digitalen und sozialen Raum und wirken darauf hin, dass in Europa offene, aufgeklärte und zivile Gesellschaften fortbestehen, in deren Mitte Jüdinnen und Juden weiterhin leben wollen und können.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Léo Maillet: Der zerbrochene Spiegel
100 Jahre Neues Frankfurt – Pop-up-Präsentation
2025 begeht die Stadt Frankfurt das 100-jährige Jubiläum eines Modernisierungsschubs, den die „Internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung« Mitte der 1920er Jahre unter einen programmatischen Titel stellte: Das Neue Frankfurt.
Bezeichnend für die wegweisende Transformation von Stadt und Gesellschaft waren funktionale Neubauten, inklusive Wohnsiedlungen mit der berühmten »Frankfurter Küche«, Investitionen in die urbane Infrastruktur, neue Medien wie Radio und Fotografie sowie ein soziales Verständnis von Kunst und Design.
Die maßgeblichen Persönlichkeiten des Neuen Frankfurts waren jüdisch und säkular: Oberbürgermeister Ludwig Landmann, Stadtbaurat Ernst May, Stadtkämmerer Bruno Asch und Kulturdezernent Max Michel. Auch viele der beteiligten Kulturschaffenden und Medienmacher – wie etwa der Architekt Fritz Nathan, die Künstlerin Erna Pinner, die Fotografinnen Ilse Bing und Jeanne Mandello oder der Radiopionier Hans Flesch – kamen aus jüdischen Familien, wenngleich ihre Herkunft keine besondere Bedeutung in ihrem Selbstverständnis spielte. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der jüdischen Tradition der Pflege von Gemeinsinn und dem sozialen, urbanen wie kulturellen Modernisierungsvorhaben »Neues Frankfurt«? Dieser Frage geht das Jüdische Museum Frankfurt in verschiedenen Pop Up-Präsentationen bis ins Frühjahr 2026 nach.
Die Neue-Frankfurt-Spur im Museum am Bertha-Pappenheim-Platz führt Sie vom Vorplatz über die öffentliche Bibliothek, die Wechselausstellung »Im Angesicht des Todes« bis in die Dauerausstellung im Rothschild-Palais.
Follow the Function?
Die jüdische Tradition wird wesentlich durch gemeinschaftliche Zeremonien und Rituale bestimmt. Sie verbinden über Jahrhunderte hinweg Menschen in unterschiedlichen Zeiten und Orten, dabei treffen feste Traditionen immer wieder auf neue Formen und Entwicklungen. Fast immer werden dabei Ritualgegenstände benutzt. Sie können zu diesem Zweck entworfen sein oder auch aus einfachen Alltagsgegenständen entstehen. Erst durch das Ritual bekommen sie eine besondere, religiöse Bedeutung.
Im Laufe der Zeit veränderten sich diese Objekte in ihrer Gestaltung. Sie behalten zwar ihre Funktion, werden aber immer wieder neu interpretiert – künstlerisch, kulturell und individuell. Die Kabinettausstellung »Follow the Function?« präsentiert Arbeiten der Künstlerinnen Rachel Kanter, Rhonda Lieberman und Sari Srulovitch, die Gegenstände zur religiösen Verwendung in zeitgenössischem Design entwerfen. Hierbei gehen sie neue Wege und verbinden ihre Ritualobjekte mit Inhalten, die mit dem Ritual verknüpft sind. Ihre Werke zeigen modernes Design und zugleich eine tiefe persönliche Auseinandersetzung mit der Bedeutung ihrer Rituale. Die Funktion bleibt weiterhin wichtigstes Kriterium, neben der Ästhetik wird sie nun von – manchmal humorvoll interpretierten – Inhalten begleitet.
Die Vernissage findet während Chanukka am 18. Dezember 2025 um 19 Uhr statt. Bei dem Gebäck Sufganiot und einem Welcome-Drink sind alle eingeladen, gemeinsam den Chanukka-Leuchter anzuzünden und im Anschluss erstmalig die Präsentation im Kabinett-Raum zu besichtigen.

