Als visuelles Gedächtnis der Region beherbergt das Kunstmuseum St. Gallen die umfangreichste Kunstsammlung vom ausgehenden Mittelalter bis zur Gegenwart in der Ostschweiz mit bedeutenden Werkgruppen niederländischer Malerei, der Kunst des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne.
Seit dem 21. Januar 2017 präsentiert das Kunstmuseum St. Gallen seine Sammlung erstmals in einer Dauerausstellung. Um möglichst vielen Werken im Turnus eine Präsenz in der Ausstellung zu ermöglichen, erhält die Präsentation einmal jährlich einen neuen Schwerpunkt.
Die Sammlung des Kunstmuseums St. Gallen weist neben bedeutenden Druckgraphiken von Dürer, Rembrandt und Callot einen (ersten) künstlerischen Höhepunkt in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts mit erlesenen Gemälden von Teniers, Ruysdael oder de Heem auf. Die deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts ist mit Meisterwerken von der Romantik bis zum Impressionismus vertreten – von Spitzweg bis Böcklin, von Delacroix bis Monet –, während die Kunst der Jahrhundertwende dank bedeutender Werkgruppen von Hodler und seiner Nachfolger sowie ausgewählter Gemälde von Liebermann, Corinth oder von Stuck ausführlich dokumentiert werden kann. Einen reichen Bestand weist die Sammlung mit Werken von Lämmler, Haim u.a. auch in der Appenzeller Bauernmalerei auf. Die Abteilung moderner Kunst umfasst herausragende Gemälde und Zeichnungen von Kirchner, Taeuber-Arp, Klee, Warhol sowie bedeutende Installationen von Merz, Serra, Paik, Signer oder Rist.
Die LOK, die zweite »Spielstätte« des Kunstmuseums, dient als Kulturlabor für zeitgenössische Kunst. Sie ist Teil des Kulturzentrums Lokremise St. Gallen, das 2010 vom Kanton St. Gallen eröffnet wurde. Die unmittelbare Nachbarschaft zu Kinok und Tanz/Theater eröffnet faszinierende inhaltliche Synergien während der rohe Charakter des Innenraumes prozessorientierte Ausstellungen ermöglicht.
Veranstaltungen und Ausstellungen
Thi My Lien Nguyen – Shaping Fluidity
Die schweizerisch-vietnamesische Künstlerin Thi My Lien Nguyen (*1995, St. Gallen) beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit der Vorstellung von Heimat und dem Gefühl der Zugehörigkeit aber auch der Empfindung des Fremdseins. Sie interessiert sich für postmigrantische Realitäten, für Traditionen, Rituale, Folklore und Brauchtum aus verschiedenen Erfahrungswelten. Durch inklusive und partizipatorische Arbeiten schafft Nguyen integrative Räume. Im Rahmen von Aktivierungen hebt sie die Bedeutung der Esskultur, deren Sitten, Rituale und Zeremonien im sozialen Gefüge einer Gemeinschaft hervor. Fotografische Serien thematisieren die vietnamesisch-schweizerische Identität und die damit verbundene vielfältige und teilweise parallele Lebenswelt in der Schweiz.
Mit dem Projekt Shaping Fluidity schafft die Künstlerin einen einzigartigen Raum für das Kunstmuseum St. Gallen, der Fotografie und kulinarische Erfahrungen verbindet. Die Ausstellung zeigt verschiedene fotografische Arbeiten, die eine Fortführung ihrer künstlerischen Praxis darstellen und Themen wie Zugehörigkeit, Un- und Sichtbarkeit oder auch die Beziehung zwischen Essen und Identität behandeln.
Thi My Lien Nguyen realisiert ab 7. September 2024 ein Pop-Up-Café als Ort der Begegnung und des Austausches und gibt gleichzeitig Einblick in die vielfältige diasporische Kultur.
Diese Ausstellung wird großzügig von der Kulturstiftung des Kantons Thurgau, Susanne und Martin Knechtli-Kradolfer Stiftung und Senn Resources AG St. Gallen unterstützt.
Die Künstlerin
Thi My Lien Nguyen (*1995, St.Gallen) absolvierte ihren Bachelor in visueller Kommunikation an der Hochschule Luzern Design Film Kunst (HSLU). Ihre Werke zeigte sie in Einzelpräsentationen in der Coalmine – Raum für Fotografie Winterthur (2022) und im «Seitenwagen» im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil (2018) sowie in Gruppenausstellungen u.a. am Athens Photo Festival im Benaki Museum Athen (2024), an der Werkschau Zürich im Museum Haus Konstruktiv Zürich (2023), an der Plat(t)form im Fotomuseum Winterthur (2022), am Heimspiel 2021 im Kunsthaus Glarus (2021), im Vincom Center for Contemporary Art, Hanoi, Vietnam (2021), am Angkor Photo Festival, Siem Reap, Kambodscha (2019), am Heimspiel 2018 in der Kunsthalle St.Gallen (2018). 2024 weilt sie mit dem Atelierstipendium von Landis & Gyr in London.
Jacqueline de Jong. Ungehorsam
Das Kunstmuseum St. Gallen präsentiert die erste Retrospektive der kürzlich verstorbenen niederländischen Künstlerin Jacqueline de Jong (1939 geboren in Hengelo, Niederlande, 2024 gestorben in Amsterdam) in der Schweiz. De Jongs umfassendes Œuvre, das Malerei, Skulptur und Grafik umfasst, steht im Dialog mit wichtigen künstlerischen Bewegungen der Nachkriegszeit wie Art brut, Pop Art, Neue Figuration und Postmoderne. Bereits mit 19 Jahren engagierte sich De Jong in der radikalen Avantgardebewegung Situationistische Internationale. Diesem Geist blieb De Jong zeit ihres Lebens treu: Ihr sich stetig wandelndes, oft politisch engagiertes Werk ist spielerisch, erotisch, humorvoll, abgründig und immer radikal zeitgenössisch der Welt zugewandt.
Jacqueline de Jong wurde 1939 in Hengelo geboren, einer niederländischen Kleinstadt nahe der deutschen Grenze. Ihre jüdischstämmige Familie musste nach der nationalsozialistischen Besetzung der Niederlande 1940 untertauchen. 1942 floh ihre Mutter – eine Schweizerin, die dem Vater in die Niederlande gefolgt war – mit der dreijährigen Jacqueline in die Schweiz, wo sie die Kriegsjahre in Zürich verbrachten. 1947 kehrten sie nach Hengelo zurück, wo Jacquelines Vater eine Strumpffabrik besaß. Trotz der eher provinziellen Umgebung kam De Jong früh mit Avantgardekunst in Berührung: Ihre Eltern waren engagierte Sammler und erwarben Werke von Künstlern wie Karel Appel, Jean Dubuffet, Roberto Matta and Wilfredo Lam. De Jong selbst interessierte sich zunächst für die Schauspielerei. Noch vor dem Abschluss der Mittelschule reiste sie, siebzehnjährig, nach Paris und London, um eine Schauspielkarriere zu verfolgen. Dieser Traum endete jedoch abrupt, als sie die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in Arnheim nicht bestand. Stattdessen begann sie im innovativen Stedelijk Museum in Amsterdam zu arbeiten, wo sie dem Direktor Willem Sandberg assistierte. Zudem studierte sie Kunstgeschichte und begann zu malen. Über ihre Eltern lernte sie Asger Jorn kennen, mit dem sie eine Beziehung einging. Durch ihre Arbeit im Museum kam sie auch mit Mitgliedern der deutschen, situationistischen Künstlergruppe SPUR in Kontakt, mit denen sie sich anfreundete. 1960 schloss sie sich auf dem vierten Kongress der Situationisten offiziell der Bewegung an. Ein Jahr später zog sie nach Paris, um sich ausschließlich ihrer künstlerischen Laufbahn zu widmen.
In den 1960er-Jahren erlebte Paris das Ende von Art Informel, Lyrischer Abstraktion und Vitalismus – Strömungen, die zuvor die Malerei dominiert hatten. Neue Bewegungen wie Pop Art, Nouveau Réalisme und die neue Figuration gewannen an Bedeutung. Jacqueline de Jong nahm diesen Wandel auf: Fasziniert vom Fernsehen und inspiriert von populären Medien wie Science-Fiction und Pornografie fand sie darin wichtige Impulse für ihr Werk. Ihre bis dahin abstrakte Malerei wurde zunehmend figurativer, und sie begann, ihre eigene, unverwechselbare künstlerische Perspektive zu entwickeln. Zudem arbeitete sie vermehrt in Serien.
De Jongs künstlerisches Schaffen in den 1960er-Jahren war zudem geprägt von ihrer Arbeit an The Situationist Times – einem eigenen situationistischen Magazin, das sie nach ihrem Ausschluss aus der Situationistischen Internationale von 1962 bis 1967 herausgab. Auch ihr Engagement in der Protestbewegung von 1968 war prägend: Für die Studentenproteste entwarf sie politischen Plakate und beteiligte sich aktiv an den Aktionen.
1971 kehrte Jacqueline de Jong nach Amsterdam zurück. Die letzte Ausgabe der Situationist Times war ein finanzielles Debakel; sie hatte sich von Asger Jorn getrennt und ihr Atelier verloren. In Amsterdam lebte sie zusammen mit ihrem neuen Partner Hans Brinkman in einem besetzten Haus. Brinkman eröffnete 1975 eine Galerie in Amsterdam, nachdem er zuvor in Den Haag das Pander Kunstcentrum geführt hatte. De Jong unterstützte ihn dabei. 1974 organisierte sie zusammen mit Daniel Spoerri ein grosses Dinner mit performativem Charakter, das Poor Man’s Meal, zu dem sie Künstler:innen aus ihrem Pariser Netzwerk einlud: darunter Ben Vaultier, Niki de Saint Phalle, Lea Lublin, Antonio Seguí, Peter Saul und Christian Boltanski.
In Amsterdam arbeitete De Jong weiter in Serien. Zunächst entstanden die Arbeiten Chronique D’Amsterdam (Diary Drawing), in denen sie Text und Bilder kombinierte, um ihr Amsterdamer Leben mit ihren Pariser Freund:innen teilen zu können. Die aufklappbaren Koffer waren handlich und einfach zu transportieren. Die nächste bedeutende Werkserie war in noch stärker von einem realistischen Malstil geprägt: In ihrer Serie Billiards malte De Jong von der Pop Art inspirierte Szenen von Billardspielenden, in ungewöhnlichen Ansichten, Winkeln und Positionen. Dabei entstand ein spannungsreiches Spiel zwischen Bildfläche, Billardtisch und Hintergrund. Die Gemälde sind zugleich reich an visuellen Wortspielen und Doppeldeutigkeiten.
Ab den frühen 1990er-Jahren beschäftigte sich De Jongs Werk immer wieder mit dem Krieg und seiner medialen Darstellung: Die Serie Megaliths (1991–1993) reflektiert die kollektive Medienerfahrung des Ersten Golfkriegs; in ihrer Serie War (2013–2024) zieht sie eine Linie vom Ersten Weltkrieg bis zum langjährigen Krieg in Syrien; Border-Line (2020–2023) thematisiert die Flüchtlingskrise in Griechenland; und Disaster (2022–2024) setzt sich mit den Kriegen in der Ukraine und in Gaza auseinander.
Neben diesen politisch aufgeladenen Arbeiten wurde auch die ländliche Umgebung ihres Hauses im Bourbonnais in Frankreich zur künstlerischen Inspirationsquelle. De Jong baute dort Kartoffeln an und liess sie austreiben, was zu ihren Collagen Potato Blues (2017) sowie ihrer Skulpturen- und Schmuckserie Pommes de Jong führte. Im Kontrast zu den thematisch klar definierten Werkgruppen steht die Loose-Reihe, in der sich De Jongs lebenslange Interesse an einer expressiven und imaginativen Form der Malerei verdichtet. In diesen großformatigen Werken begegnen sich Monster, Tiere und Menschen in chaotischen, oftmals bedrohlichen Szenen voller Erotik und Gewalt.
Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen Vicious Circles im NSU Art Museum, Fort Lauderdale; Narrative / Non-Narrative bei Ortuzar Projects, New York (2024); Frontspace: Border… and other Lines bei Dürst Britt & Mayhew, Den Haag, Niederlande (2023); The Ultimate Kiss im WIELS Contemporary Art Centre in Brüssel, in MOSTYN in Llandudno, Wales, und im Kunstmuseum Ravensburg (2021, 2022); Border-Line bei Ortuzar Projects, New York (2021); Catastrophes in der Pippy Houldsworth Gallery, London (2020); Pinball Wizard im Stedelijk Museum Amsterdam (2019); Retrospective im Musée Les Abattoirs, Toulouse (2018); Jacqueline de Jong & The Situationist Times in der Malmö Konsthall (2018); sowie Undercover in de kunst im Cobra Museum of Modern Art, Amstelveen (2003).
Ihre Arbeiten waren zudem in Gruppenausstellungen vertreten, darunter Strategic Vandalism: The Legacy of Asger Jorn’s Modification Paintings, Petzel, New York (2019); Asger Jorn & Jacqueline de Jong: Case of the Ascetic Satyr, Galerie Clemens Thimme, Karlsruhe (2016); sowie The Avant-Garde Won’t Give Up: Cobra and Its Legacy, Blum & Poe, Los Angeles (2015).
marce norbert hörler – slant
Das Kunstmuseum St. Gallen präsentiert den/die Gewinner:in des Manor Kunstpreis St. Gallen 2025, marce norbert hörler, mit einer vielschichtigen Ausstellung, die Performance, Poesie, Duft und Architektur verbindet und unsere Wahrnehmung von Raum und Identität herausfordert.
Welche Kriterien beeinflussen unsere Wahrnehmung in einem Raum? Welche Spuren hinterlassen Körper in den Räumen, die sie durchqueren? Wie verändert sich unsere Orientierung, wenn ein Raum nicht geradlinig verläuft? Für marce norbert hörler sind dies zentrale Fragen, die in der Ausstellung slant verhandelt werden.
Ein Korridor, der zwei Räume verbindet, ist perspektivisch so leicht verschoben, dass beim Durchschreiten ein Gefühl von Ungleichgewicht oder Irritation entsteht. Gegossene Aluminiumtafeln tragen poetische Sätze; die Bildmotive der Karten sind nur als entfernte Resonanz präsent. Der leicht florale Duft des Moleküls Hedione durchzieht den Raum und erweitert ihn mit einem sinnlichen Impuls und dem Potenzial, unsere Emotionen zu beeinflussen.
Der Ausstellungsraum dient zugleich als Bühne für eine neu entwickelte Performance von marce norbert hörler gemeinsam mit den Performance-Künstler:innen Hannah Mehler, Kameron Locke und martÍn m. wollmann. In dieser szenischen Erkundung werden Wegfindung, Orientierung und die Verschränkung dieser drei Räumlichkeiten stimmlich und körperlich erfahrbar.
marce norbert hörler lebt zwischen der Schweiz und Berlin und hat einen MA in Art Praxis am Dutch Art Institute in Arnhem (NL) sowie einen BA in Fine Arts am Institut Art Gender Natur der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW, Basel.
Ein Engagement für die junge Schweizer Kunstszene
Der Manor Kunstpreis, einer der wichtigsten Förderpreise des zeitgenössischen Kunstschaffens in der Schweiz, wurde 1982 von Philippe Nordmann ins Leben gerufen, um jungen Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten. Er wird von einer Fachjury jährlich in sechs Schweizer Städten verliehen, wobei sich Aarau, Basel, Biel, Chur, Genf, Lausanne, Luzern, Lugano, Schaffhausen, Sion, St. Gallen und Winterthur im Zweijahresrhythmus abwechseln. Der Förderpreis hat bereits eine ganze Reihe von Künstlern auf ihrem Weg zum internationalen Durchbruch begleitet.
Die Ausstellung marce norbert hörler – slant wurde durch die großzügige Unterstützung von Manor, der Innerrhoder Kunststiftung, des Kunstkredit Basel-Stadt, der Susanne und Martin Knechtli-Kradolfer Stiftung, Dr. Fred Styger Stiftung, Stiftung Erna und Curt Burgauer, Lienhard Stiftung, Arnold Billwiller Stiftung und von Tisca Tischhauser AG ermöglicht.
MITWIRKENDE
Hannah Mehler, Performancekünstlerin
Hannah Mehler arbeitet als freiberufliche Sängerin. Sie tritt als Solistin und Ensemblesängerin auf und entwickelt eigene Projekte in wechselnden Formationen. Im jüngsten Programm, einem szenischen Liederabend mit dem Titel Am Himmel staht es Sternli z’Nacht (2024), widmete sie sich gemeinsam mit Mario Strebel (Akkordeon), Moritz Roelcke (Klarinette) und Charlotte Joss (Regie) dem Schweizer Chanson.
Mehler wirkte in zwei Produktionen des Stuttgarter Performance-Duos NAF (Nana Hülsewig und Fender Schrade) mit. Netzwerk aus 392 Tasten – Musikwerkstatt zu Casta Diva (2020) und NORM IST F!KTION #5/1 (2020) wurden im Theater Rampe in Stuttgart aufgeführt. NORM IST F!KTION #5/3 (2021) präsentierten sie zudem auf Einladung des Performancekollektivs Oblivia in Helsinki.
Ein besonderer Schwerpunkt ihrer musikalischen Arbeit ist die Beschäftigung mit dem Liedrepertoire. Mit der Akkordeonistin Stefanie Mirwald war Mehler 2025 im Rathaus Kultur Lichtensteig zu Gast mit dem Programm Komponistinnen und der Wald. Ebenso war sie mit der Harfenistin Marina Mello beim Kollektiv #workoutjazz (Romantische Liebeslieder) sowie mit dem Pianisten Stefan Kägi beim Heidenheimer Förderverein für Neue Musik (Arbeiter:innenlieder) zu erleben.
Als Mitglied der Zürcher Sing-Akademie ist Mehler regelmäßig solistisch zu hören. Konzertreisen mit dem international renommierten Schweizer Konzertchor führten sie durch zahlreiche europäische Länder sowie nach Asien.
Hannah Mehler erhielt ihre klassische Gesangsausbildung in den Klassen von Ľubica Orgonášová und Werner Güra (Zürich) sowie Christina Landshamer (Trossingen).
Kameron Locke. Performancekünstler
Kameron Locke ist ein in Chicago geborener, in Hamburg lebender interdisziplinärer Performancekünstler, klassisch ausgebildeter Tenor, Autor und Forscher. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit Erfahrungen der afro-diasporischen und LGBTQ+-Community und bedient sich dabei Text, Musik, Bewegung und Performance. Er hat seine Arbeiten bereits an Orten wie dem Gropius Bau, der Art Gallery of New South Wales, dem Barbican Centre, dem Cercle Cité, dem Sydney Modern Project und den Deichtorhallen präsentiert.
Locke debütierte mit seinem halb-biografischen Stück »the Blacker the Berry / perhaps home is not a place but simply an irrevocable condition« über James Baldwin und Fritz Raddatz und zu Themen wie Sexualität, Identität, Liebe (zu sich selbst/anderen), Vätern und Heimat beim Kampnagel Internationalen Sommerfestival 2024. Seine Performancearbeit über Blackness und Queerness im Berlin der 1990er Jahre, »Black Cowboys in Dresses«, eröffnete das Constellations Festival 2023. Locke trat in den Berliner und Sydneyer Premieren von Brook Andrews posttraumatischem Stück »GABAN« auf.
Seine jüngsten Forschungen führten ihn nach Tiflis und Istanbul, wo er sich mit der Realität von LGBTQ+-Bürger:innen und -Künstler:innen befasste, die unter staatlich geförderter Unterdrückung leiden.
martín m. wollmann
martín m. wollmann ist Tänzer:in, Osteopath:in (C.E.O.B), Astrolog:in und Künstler:in aus Buenos Aires, Argentinien. Dey hat Darstellende Künste und Theaterregie (U.N.A) sowie zeitgenössischen Tanz, Voguing, Malambo und C.I. studiert.
Dey ist in verschiedenen somatischen und künstlerischen Praktiken ausgebildet und sucht ständig danach, diese Welten miteinander zu verweben und unterschiedliche Wege zu erforschen, um die Geheimnisse des Körpers zu erkunden.
martín lebt derzeit in der Schweiz, wo dey als Tänzer:in für Baby Volcano auf deren Tourneen arbeitete und mit Sami Galbi in Musikvideos zusammenarbeitete. Dey war außerdem in »Влајна«, bei der Eröffnung der City Art Awards Zürich und beim »Queer Balkan Disco« tätig. martíns neueste Arbeit ist eine Soloperformance mit dem Titel »Galope«, produziert in Zusammenarbeit mit »Dansometre« und »NosEnVera«.
Laurent Hermann Progin, Kostüme
Laurent Hermann Progin, geboren 1990, ist ein Schweizer Modedesigner und Stylist. Im Jahr 2016 schloss er sein Bachelorstudium in Modedesign an der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel ab. Er absolvierte ein Praktikum bei Jean Paul Gaultier in Paris, wo er weiterhin als Assistenzdesigner arbeitete. Im Jahr 2018 begann Laurent mit der Arbeit an Kollektionen unter seiner eigenen Marke »Laurent & Hermann Progin« und arbeitet derzeit auch als freiberuflicher Stylist, Mode- und Kostümdesigner für verschiedene Projekte in Europa.
Nora Wyss, Outside Eye Choreografie
Nora Wyss (*1989 in Olten, CH) ist Performerin, Kulturaktivistin und Tanzpädagogin. Sie studierte Kunstgeschichte und Soziologie an den Universitäten Basel und Kapstadt (BA) und absolvierte 2020 die Ausbildung in Tanz, Improvisation und Performance (TIP) in Freiburg i. Br. 2020/21 vertiefte sie ihre Praxis im Contemporary Dance Intensive bei Oficina Zero in Portugal und bildet sich seither international weiter.
Aktuell entwickelt sie mit Miriam Seifert und Michaela Dašková das Stück Work-Life-Ballet (Uraufführung 2026 am ROXY Birsfelden). Parallel begleitet sie freischaffend Künstler:innen und Kollektive wie marce norbert hörler und Cie La Secousse in dramaturgischer und choreografischer Rolle.
Kari Leigh Rosenfeld, Videoregie, Kamera, Schnitt
Kari Rosenfeld (geb. Houston, TX) ist eine multidisziplinäre:r Künstler:in mit Sitz in Berlin (DE). Kari hat einen Abschluss in Amerikanistik und Philosophie der University of Texas in Austin und schloss 2021 den Master in Art Praxis am Dutch Art Institute ab. Kari war ein:e Co-Gründer:in und Artist in Residence am Cairo Institute of Liberal Arts and Science in Alexandria und hat bereits Arbeiten gezeigt in Gasworks (London), Humberstreet Gallery (Hull), CLB (Berlin) und Motto Books (Berlin). Kari wurde bereits bei Arts of the Working Class und Outline Platform publiziert.
Elio Ricca, Tonaufnahmen
Geb. 1993 in St. Gallen. Frühe musikalische Ausbildung in Klavier, Gitarre und Gesang. Abgeschlossene Lehre als Multimediaelektroniker, danach Berufsmaturität Gestaltung. Studium Fine Arts an der ZHdK (ein Jahr).
Freischaffender Musiker, Ton- Lichttechniker und Ausstellungstechniker. Im Jahr 2014 die Band Elio Ricca gegründet, 4 Musikalben und mehrere Musikvideos produziert. Gewinner des 2025 IBK Popmusik Preis. Lebt und arbeitet in St. Gallen (Schweiz).
Pablo Giménez Arteaga, Abmischen und Mastering
Pablo Giménez Arteaga ist ein Künstler, Musiker, Komponist und Sound Designer aus Barcelona. Seine Praxis konzentriert sich auf die Schaffung von Musik und Sound für eine Vielzahl von Medien und Projekten. Er produzierte und kollaborierte zu Arbeiten in Film, Theater, Performance und Ausstellungen. Er ist Mitglied und Associated Artist bei with the rubbles of old palaces (Berlin). Hier liegt sein Interesse in Recherchen zu Politik, Geschichte, Aktivismus und Nahrungsmitteln, welche in Zusammenarbeiten, Workshops und kulturellen Anlässen münden.
Andri Vöhringer, Fotografie
Andri Vöhringer, 1996, lebt und arbeitet als freischaffender Fotograf in St. Gallen. Er dokumentiert Menschen und ihre Orte und schafft eine einzigartige Atmosphäre mithilfe weniger, aber wichtiger Fragmente. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf die Verwendung von natürlichem Licht, was ihr eine ruhige Bildsprache verleiht. Gemeinsam mit dem Kollektiv LUSA hat er im Mai 2025 eine fotografische Publikation mit dem Titel »Rausch; Sammlung« veröffentlicht.
Jonathan Lauwers, Notation
Jonathan Lauwers (er/they) studiert seit Oktober 2021 »Historischer und Zeitgenössischer Tonsatz« bei Prof. Sebastian Stier an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Zusätzlich verbrachte er als Austauschstudent das Studienjahr 23/24 an der Hochschule Luzern Musik, um dort Musiktheorie bei Prof. Felix Diergarten zu studieren. Lauwers‘ bisheriges kompositorisches Schaffen konzentriert sich vor allem auf Werke für kleinere instrumentale Ensembles in denen er sich mit den Eigenheiten der einzelnen Instrumente im Kontrast zu einem verschmelzenden Gesamtklang auseinandersetzt. Im Kontext seiner Bachelor-Arbeit beschäftigt er sich zur Zeit mit verschiedenen Notationsmöglichkeiten für Musik und damit, welche Auswirkungen diese auf den Schaffensprozess von Komponist:innen und die Herangehensweise von Interpret:innen haben.
Sammlungsfieber
Die 2023 eröffnete Ausstellung Sammlungsfieber erhält nun eine Auffrischung: Einzelne Kapitel werden neu gehängt und bestehende Themen vertieft. Damit reagiert das Kunstmuseum St.Gallen auf den lebendigen Charakter seiner Sammlung und lädt zu einer erneuten Begegnung mit bekannten wie auch neu entdeckten Werken ein. Im Zentrum stehen weiterhin die Besonderheiten des Hauses – die 800-jährige Textilgeschichte als kultureller Hintergrund, die Rolle privater Sammlungen und der Einfluss des Kunsthandels. Entlang der Textilepochen entfaltet sich so eine über fünf Jahrhunderte reichende Präsentation, die neue Perspektiven eröffnet.
Hannah Villiger: Sculpting the Self
Das Kunstmuseum St. Gallen widmet der Schweizer Künstlerin Hannah Villiger (1951–1997) eine Kabinett-Ausstellung, die ihr innovatives, genreübergreifendes Werk im Bereich der künstlerischen Fotografie neu beleuchtet. Villiger, die insbesondere für ihre großformatigen, häufig mehrteiligen, auf Polaroid-Aufnahmen basierenden Werke bekannt ist, bezeichnete sich als Bildhauerin, die Fotografie als ihr Hauptmedium verwendete. Ihr Werk, das zwischen Fotografie und Skulptur vermittelt, trug maßgebend zur Erweiterung der Fotografie zu einem künstlerischen Medium bei. Die Kamera diente ihr in erster Linie als Mittel, die skulpturalen Eigenschaften eines fotografischen Subjekts zu erkunden und aus unterschiedlichen Perspektiven zu untersuchen.
»Am Sucher meiner Kamera – das Gefühl: ich mit dem Objekt«
Die Ausstellung präsentiert zentrale Arbeiten aus Villigers ikonischen Block- und Skulptural-Serien der 1990er-Jahre zusammen mit weniger bekannten, selten gezeigten Werkgruppen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Villigers skulpturales Denken ging weit über die Darstellung des eigenen Körpers hinaus. Auch ihre unmittelbare, oft urbane Umgebung – etwa Hochhäuser, Bäume oder Stadtsilhouetten – verwandelte sich in ihren Bildern zu «Körpern», deren Formen und Oberflächen sie mit der Kamera kartografierte. Ihr Interesse galt stets der Beziehung zwischen dem Selbst und seiner Umwelt. Durch Fragmentierung und Perspektivwechsel hinterfragt ihr Werk konsequent unsere gewohnte Wahrnehmung.
Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER und wurde durch die großzügige Unterstützung der Hürlimann-Wyss Stiftung, des Kantons Zug und Swisslos, der Stadt Zug sowie des Swisslos-Fonds des Kantons Aargau ermöglicht.
Marie Schumann – Coatings
Mit ihrer maßgeschneiderten Installation Coatings verwandelt die Textilkünstlerin Marie Schumann (*1991) die Haupttreppe des Kunstmuseums St. Gallen in einen neuen Erfahrungsraum. Über ein fragiles Gerüst aus Metallstäben spannt sie Bahnen aus Hightech-Gewebe, die wie Häute den Raum kleiden. Steigend und fallend begleiten die textilen Formen den Weg nach oben, sie öffnen und umschließen zugleich, wirken als Grenze, Schutz und Bühne. Das Werk lädt dazu ein, die Architektur neu zu entdecken und erfahrbar zu machen, wie Stoff und Körper miteinander in Resonanz treten.
Marie Schumann lebt und arbeitet in Zürich. Mit textilen Techniken erforscht sie die Beziehung zwischen Körper, Material und Raum. Ihre Arbeitsweise ist prozesshaft angelegt: Aus Experimenten entstehen Objekte, Skulpturen oder raumgreifende Installationen, die wiederum Ausgangspunkt für neue Entwicklungen werden.
Schumann war in zahlreichen Ausstellungen vertreten, darunter Phantasms in der Galerie Carvalho in New York (2025), Textile Manifestos – From Bauhaus to Soft Sculpture im Museum für Gestaltung Zürich (2025) sowie Textile Design Now an der Universität Québec in Montréal (2023). Zu ihren öffentlichen Projekten zählen eine Kunst-und-Bau-Installation an der Baugewerblichen Berufsschule Zürich (2025), eine Installation während Pan Art in Neuchâtel (2024) sowie eine textile Installation zur Mexico City Art Week in der Expo Reforma (2024).
Mit großzügiger Unterstützung der Zürcherischen Seidenindustrie Gesellschaft, Zürich und von Tisca, Bühler.
Marie Schumann
Mit ihrer massgeschneiderten Installation Coatings verwandelt die Textilkünstlerin Marie Schumann (*1991) die Haupttreppe des Kunstmuseums St.Gallen in einen neuen Erfahrungsraum. Über ein fragiles Gerüst aus Metallstäben spannt sie Bahnen aus Hightech-Gewebe, die wie Häute den Raum kleiden. Steigend und fallend begleiten die textilen Formen den Weg nach oben, sie öffnen und umschliessen zugleich, wirken als Grenze, Schutz und Bühne. Das Werk lädt dazu ein, die Architektur neu zu entdecken und erfahrbar zu machen, wie Stoff und Körper miteinander in Resonanz treten.

