München
Museum

Pinakothek der Moderne

Barer Straße 40, 80333 München

Die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne knüpft genau dort an, wo die Sammlungspräsentation der Neuen Pinakothek endet, nämlich bei der Kunst nach etwa dem Jahr 1900. Sie zählt mit ihren insgesamt über 20.000 Werke umfassenden Beständen zu den international führenden Institutionen für Malerei, Plastik, Fotografie und Neue Medien. Ihr Sammlungsspektrum reicht von den wichtigsten Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart. In dialogischen Vergleichen und individuellen Künstlerräumen werden formale und inhaltliche Fragestellungen der Moderne aufgezeigt. Sie spiegeln die veränderten Bedingungen einer durch Technologieoptimismus, Fortschrittskult und zugleich Krisenbewusstsein geprägten Zeit. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass die historischen Bedingtheiten des 20. und 21. Jahrhunderts in der Sammlungspräsentation sichtbar und beispielsweise die Einwirkungen von Krieg und Diktatur auf die Kunst vermittelt werden.

 

Der kubistischen und futuristischen Neudefinition einer autonomen Kunst steht in der reichen Sammlung des Expressionismus die Frage nach den veränderten Bedingungen des Menschen in der Moderne gegenüber. Die Künstler der Brücke und des Blauen Reiter sowie Max Beckmann, der mit einer einzigartigen Werkdichte vertreten ist, vermitteln dies auf eindrucksvolle Weise, wie auch die moderne Fotografie, die durch August Sander, Albert Renger-Patzsch und Florence Henri repräsentiert wird. Die Bildfantasie und der formale Erfindungsreichtum von Pablo Picasso kommen in umfänglichen Werkgruppen ebenso zum Tragen wie die surrealistische Verrätselung der Welt bei Max Ernst, René Magritte und Salvador Dalí.

 

Wichtige Themen seit 1960, etwa die formale und inhaltliche Erweiterung des Kunstbegriffs, die Nobilitierung des Alltäglichen und die damit einhergehende Diskussion über die Gleichrangigkeit von Trivial- und Hochkultur stehen im Zentrum umfangreicher Werkblöcke von Joseph Beuys, Andy Warhol, Dan Flavin, Donald Judd, Georg Baselitz, Jeff Wall, Rosemarie Trockel und Anselm Kiefer. Die jüngsten Entwicklungen, die das traditionelle Gattungsverständnis erweitern, kommen besonders in Rauminstallation, Performance und Medienkunst zum Ausdruck (Pipilotti Rist, Wolfgang Tillmans). 

Veranstaltungen und Ausstellungen

03.07.26 - 15.08.27

Between and Beyond – Der erweiterte Bildraum. Werke aus der Sammlung ab 1960

Der Raum bestimmt unsere Position, Bewegung und Wahrnehmung. Als Betrachtende erleben wir Kunst nie losgelöst vom Raum, sondern immer im Raum. Unter dem Titel Between & Beyond präsentiert die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne Werke aus dem eigenen Bestand, die sich mit der ästhetischen wie gesellschaftlichen Wahrnehmung des Raumes auseinandersetzen. Gezeigt werden Gemälde, Objekte und installative Arbeiten von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart, welche die Beziehung zwischen Werk, Raum und Betrachter:in benennen. 

 

Ab den 1960er Jahren begannen Künstler:innen der Minimal Art, den umgebenden Raum als integralen Bestandteil ihrer Werke zu begreifen. Der Raum wird als Zwischenraum (»between«) angesehen, der zwischen Werk und Betrachtenden entsteht oder als imaginärer und transzendenter Raum (»beyond«), der durch Licht, Schatten und Bewegung erfahrbar wird.  

 

Pioniere wie Dan Flavin, Fred Sandback oder die bislang wenig beachtete Mary Miss verwendeten neue Materialien und schufen mit ihren Werken Räume, in die explizit auch die Erfahrungen der Betrachtenden einbezogen wurden. Der Ausstellungsraum wurde Teil des Kunstwerks. Auch in der Malerei wurde der Bildraum immer stärker hinterfragt: Lucio Fontana zerschnitt die Leinwand, Ida Applebroog setzte ihre Kompositionen aus mehreren einzelnen Leinwänden mit sich ergänzenden Motiven zusammen. Die Perspektiven auf einen erweiterten Bildraum beeinflussten auch die nachfolgenden Generationen. Monika Baer hinterfragt Sehgewohnheiten, indem sie ihre abstrakte Malerei mit subtilen Zeichen durchbricht. Victor Leguy oder Roman Ondak erweitern den Bildraum um eine gesellschaftliche Dimension, indem die Autorschaft mit Nicht-Künstler:innen geteilt wird. 

 

Die präsentierten Werke aus der Sammlung Moderne Kunst beziehen die Besucher:innen ein und machen den Museumsraum neu erfahrbar. Schwebezustände, Übergangs- und Schwellenmomente laden ein zu einer veränderten Art der Auseinandersetzung – mit sonst Verdrängtem oder Übersehenem. 

 

Gezeigt werden Arbeiten u. a. von Nevin Aladağ, Carl Andre, Ida Applebroog, Monika Baer, Dirk Bell, Joseph Beuys, Martin Boyce, Alberto Burri, Dan Flavin, Lucio Fontana, Wade Guyton, Klára Hosnedlová, Donald Judd, Imi Knoebel, Victor Leguy, Mary Miss, Roman Ondak, Fred Sandback, Sean Scully, Augustas Serapinas, Richard Serra. 

 

Kuratiert von Verena Hein und Bernhart Schwenk, mit Eva Schuster. 

03.07.26 - 08.11.26

GEORG BASELITZ (1938–2026) – WERKE DER BAYERISCHEN STAATSGEMÄLDESAMMLUNGEN

Über mehr als fünf Jahrzehnte war Georg Baselitz eng mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verbunden. Als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart erneuerte er maßgeblich die figurative Malerei nach 1945. Der Bestand umfasst 31 Werke – von frühen Arbeiten der 1960er Jahre über die »Remix«-Serie bis zum Spätwerk. Diese Präsentation in Erinnerung an den Künstler macht die komplexe Entwicklung des Schaffens nachvollziehbar.

 

Der erste Ankauf eines Werkes erfolgte 1972. Bereits vier Jahre später widmete die Institution dem damals 38-jährigen Künstler eine Einzelausstellung, kuratiert von Carla Schulz-Hoffmann. Dies markierte einen Wendepunkt: Zeitgenössische Kunst rückte in den Fokus des Museums, und eine gegenwartsorientierten Ankaufspolitik wurde verfolgt. Dank der Unterstützung des langjährigen Wegbegleiters und frühen Sammlers des Künstlers Herzog Franz von Bayern konnten bedeutende Werke für den Bestand gesichert werden. Hervorzuheben ist »Der Mann am Baum« (1969), eines der ersten Gemälde, in denen Baselitz die Figur auf den Kopf stellte. Diese Umkehrung wurde zu einem zentralen Merkmal seines Werks und kann zugleich als kritische Reflexion deutscher Geschichte verstanden werden.

 

Baselitz setzte sich mit der Malerei auseinander: er experimentierte mit Farbtönen, fragmentierte die Figur, trug die Farbe mit Fingern auf, bezog sich auf kunsthistorische Vorbilder, nahm eigene Motive in der »Remix«-Serie wieder auf. Er hinterfragt schonungslos, Verdrängtes wird damit auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene zu Tage gefördert. Zu den herausragenden Werken des Spätwerks zählen das Gemälde »Avignon ade«, dessen Figur in einem zeit- und grenzenlosen Raum zu schweben scheint, sowie die Skulptur »Zero Ende«, ein eindringliches Sinnbild der Vergänglichkeit. Baselitz’ Werk bleibt herausfordernd, kraftvoll und kompromisslos.

 

Kuratiert von Verena Hein und Carla Schulz-Hoffmann, unterstützt von Lilith Bitzer.

03.07.26 - 31.12.29

Can You Imagine? | Part I – Kunst ab 1960

Die visionäre Kraft der Kunst steht im Mittelpunkt der neuen Sammlungspräsentation, die in der Nachfolge von Mix & Match sukzessive in 27 Sälen im Obergeschoss der Pinakothek der Moderne entsteht. Eine Einladung an die Besuchenden, mittels der grenzenlosen Imaginations- und Gestaltungskraft der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts Verbindungen und Verknüpfungen zu entdecken, Vertrautes neu zu sehen, Begegnungen und Austausch zu ermöglichen.

 

Ein Künstlerraum zu Blinky Palermo, Highlights von Gerhard Richter, Rosemarie Trockel und Andy Warhol und jüngste Neuerwerbungen von Simon Fujiwara, Andy Hope oder Ambera Wellmann sind Teil der Präsentation. Säle zu »Spielräumen« und »Vorbildern« setzen neue thematische Schwerpunkte und bieten erste Einblicke in die Räume im Ostflügel, die der Kunst seit 1960 gewidmet sind.

 

Die Eröffnungen von Can You Imagine? | Part II (Kunst ab 1945, Säle 11–17) und PART III (Kunst ab 1900, Säle 1–10) sowie der gesamten Präsentation bis zur Kunst der Gegenwart erfolgen am 08. Oktober und 10. Dezember 2026.

09.10.26 - 21.02.27

Die Nacht berührt die Erde – Fritz Winters Kosmos der 1930er und 40er Jahre

Wie gehen Zeitzeugenschaft und künstlerische Abstraktion in Zeiten von Diktatur und Krieg zusammen? Auf Basis des neu zugänglichen Nachlasses wird eine zentrale Werkphase von Fritz Winter anlässlich seines 50. Todesjahres neu erzählt.

 

Ausgebildet bei Klee und Kandinsky am Bauhaus in Dessau, fand Winter ab 1933 keine Ausstellungsmöglichkeiten mehr in Deutschland. Ab 1937 galt seine Kunst als entartet. Den Zweiten Weltkrieg erlebte er als Soldat an der Ostfront, vornehmlich in Rumänien und in der Ukraine. In seiner an Naturphänomenen orientierten, weitgehend ungegenständlichen Kunst fand er kraftvolle und berührende Ausdrucksformen für das »Zeitschicksal«. In zunehmender künstlerischer Isolation entstanden Zellen- und Sternbilder, Kristallisationen und expressiv-surrealen Landschaften. Seine Erfahrungen als Soldat verarbeitete er in hunderten von Zeichnungen, in denen er sich auch mit der menschlichen Vernichtungsmaschinerie und der Zerstörung von Lebensräumen auseinandersetzte. 1944 entstand die berühmte Werkgruppe der »Triebkräfte der Erde« – eine Feier der elementaren Kräfte und Gesetzmäßigkeiten der Natur, die als Metapher für die Überwindung des Nationalsozialismus gelesen wurde.

 

Kuratiert von Anna Rühl

09.10.26 - 31.12.29

Can You Imagine? Part II & III | Die Sammlung Moderne Kunst

PART II, Kunst ab 1945

Ab 08. Oktober 2026 | Säle 11–13, 15–17

 

Im zweiten Teil der Präsentation liegt der Schwerpunkt auf der Kunst ab 1945. Erfahrungen von Gewalt unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs werden in Werken von Francis Bacon oder Georg Baselitz eindringlich umgesetzt; gegenübergestellt sind die Künstlerinnen Marlene Dumas und Ida Applebroog, deren Werke sich mit Ohnmacht und Machtmissbrauch auseinandersetzen. Doch auch die Kraft und das Potential von Kreativität und Imagination werden immer wieder von Generationen von Künstler:innen neu interpretiert. Joseph Beuys wird ein eigener Künstlerraum gewidmet. Vermittlungsangebote sind in jedem Saal Teil der Präsentation.

 

 

PART III, Kunst ab 1900 und Gesamtpräsentation

Ab 11. Dezember 2026 | Säle 1–17, 27–35

 

Der dritte Teil der Präsentation widmet sich der Kunst der Moderne und präsentiert im Ostflügel (Säle 27 und 28) erstmals die neu erworbene Achtkanal-Videoinstallation »Universal Tongue« von Anouk Kruithof, erweitert um einen Themenraum zum Tanz in der Kunst.

 

Ausgehend von den Aufbrüchen der Avantgarde-Künstler:innen ins 20. Jahrhundert präsentieren die Räume im Westflügel Meisterwerke von u.a. Paula Modersohn-Becker, Pablo Picasso, Henri Matisse über die Expressionisten bis hin zum Bauhaus und dem Surrealismus in neuen gattungsübergreifenden Dialogen von Malerei, Textil, Skulptur und Fotografie, ergänzt um pointierte Interventionen der Nachkriegs- und Gegenwartskunst. Unter dem Titel »Zu Gast am Bauhaus« präsentiert die Stiftung Ann und Jürgen Wilde in Saal 7 Fotografien von Florence Henri und Alfred Ehrhardt, die eine freie Umsetzung der Bauhaus-Gestaltungsideen von Raum, Rhythmus, Form, Struktur und Kontrast auszeichnet. Max Beckmann als einem der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts wird zudem seit 2022 erstmals wieder ein eigener Saal gewidmet, der sein unvergleichlich produktives und vielseitiges Schaffen konzentriert vor Augen führt.

09.10.26 - 31.12.29

Can You Imagine? Zu Gast am Bauhaus | Florence Henri und Alfred Ehrhardt

Das Bauhaus in Dessau (1926–1932) galt seinerzeit als eine der innovativsten Kunstschulen in Deutschland. Neben regulären Studierenden war die Schule auch für kurzzeitige Gaststudierende offen, die sich von künstlerischen und pädagogischen Konzepten des Bauhauses inspirieren ließen.

 

Die Malerin und Pianistin Florence Henri (1893–1982) und der Kirchenmusiker, Maler und Pädagoge Alfred Ehrhardt (1901–1984) hospitierten jeweils für wenige Monate am Bauhaus. In der Folge wandten sich beide Künstler:innen der Fotografie zu. Auf jeweils gänzlich unterschiedliche Weise ermöglichte ihnen das Medium die freie Umsetzung von am Bauhaus praktizierten Gestaltungsideen. Geradezu synästhetisch überführen sie Raum, Rhythmus, Form, Struktur und Kontrast ins fotografische Bild.

 

Eine Präsentation der Stiftung Ann und Jürgen Wilde.

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