Bremen
Museum

Kunsthalle Bremen

Am Wall 207, 28195 Bremen

1823 wurde der Kunstverein in Bremen gegründet. Dieser erbaute vor über 170 Jahren, unweit des Bremer Marktplatzes, mit der Kunsthalle Bremen das erste eigenständige Haus für eine bürgerliche Sammlung in Deutschland. Noch heute wird die Kunsthalle privat getragen durch den Kunstverein in Bremen und gehört zu den bedeutendsten und schönsten Museen in Europa. Die vielfältige Sammlung umspannt Kunstwerke aus acht Jahrhunderten.

 

Als lebendiger Bestandteil der Kulturlandschaft sieht sich das Museum im Geiste von Freiheit und Weltoffenheit nicht nur als Ausstellungshaus, sondern auch als Ort der Begegnung und Auseinandersetzung mit aktuellen Themen und Entwicklungen. Durch die umfangreichen historischen Sammlungsbestände und ein aktives Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm werden Vergangenheit und Gegenwart, Bremen und die Welt in einem produktiven Dialog zusammengebracht. Ziel ist es, in allen Bevölkerungs- und Altersschichten sowie bei Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung Begeisterung für die bildende Kunst zu wecken und individuelle Zugänge zu schaffen. Dafür befindet sich die Kunsthalle seit den 2000er-Jahren in einem aktiven Prozess der Öffnung und Diversifizierung.

 

Nach einer substantiellen Erweiterung und Renovierung ist die Kunsthalle Bremen nicht nur technisch auf dem neuesten Stand, sie demonstriert auch durch die Architektur eine programmatische Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Der klassizistische Ursprungsbau von 1849 mit seiner Erweiterung von 1902 erhielt im Jahr 2011 zwei zeitgenössische Seitenflügel, die die Symmetrie der ursprünglichen Architektur betonen. Zurückhaltend modern bieten die Anbauten hervorragende Sammlungs- und Ausstellungsgalerien sowie ansprechende Räume für Veranstaltungen, Atelier- und Seminarräume, Werkstätten und Depots. Sie verkörpern die produktive Verbindung von Tradition und Innovation, die die Kunsthalle Bremen bis heute auszeichnet.

Veranstaltungen und Ausstellungen

06.06.20 - Auf unbestimmte Zeit

Remix – Die Sammlung neu sehen

Unter dem Titel »Remix. Die Sammlung neu sehen« präsentiert die Kunsthalle Bremen die Sammlung seit Sommer 2020 grundlegend neu.

 

Durch mutige Wandfarben, eine aufwendige Installation und ein völlig neues Arrangement der Werke bieten sich überraschende neue ästhetische Erfahrungen. Umfassende Vermittlungstexte zu sämtlichen Werken liefern Informationen, die teilweise aktuell recherchiert wurden. Einzelne Werke waren seit Jahrzehnten nicht mehr zu sehen. Hinzu kommen aktuelle Ankäufe, Schenkungen und Dauerleihgaben, die nun erstmals präsentiert werden. Die Kunst nach 1945 hat eine deutlich größere Präsenz.

 

Im Sinne eines »Remixes« wurde eine kreative Neumischung des vorhandenen Materials vorgenommen. Bekanntes wurde weggelassen, neue Elemente wurden hinzugefügt, neue Kombinationen wurden ausprobiert und so ein fundamental anderes, ästhetisches Erlebnis geschaffen. Intensive Wandfarben, dichte Salonhängung, die ungewöhnliche Inszenierung von Gemälden und Skulpturen, aufwendige und raumfüllende Installationen sowie spektakuläre neue Werke machen den Museumsbesuch zu einem sinnlichen und intellektuellen Genuss.

 

Die neue Hängung der Sammlung befragt historische wie zeitgenössische Kunst nach ihrer Relevanz heute und stellt Bezüge zu aktuellen Themen her und demonstriert die Kontinuität von gewissen Motiven durch die Jahrhunderte. Die Hängung folgt einer grundlegend chronologischen Struktur, die durch Themenräume ergänzt wird. Sie behandeln Fragen, die Menschen seit langem bewegen: Glauben und Krieg, Welthandel und Kolonialismus, Natur und Globalisierung. Kunstwerke aus sieben Jahrhunderten spiegeln so eine ungebrochene Aktualität. Zentraler Bezugspunkt ist dabei auch immer die Geschichte des Kunstvereins im Kontext der Geschichte der Hansestadt Bremen. Die neue Präsentation verknüpft eine regionale Perspektive und gewachsene Sammlungsgeschichte mit dem Weltgeschehen.

 

Die Neukonzeption der Dauerausstellung bietet eine Chance zur Auseinandersetzung mit dem geltenden Kanon: Welche Werke haben seit Jahrzehnten ihren Platz in der Galerie behauptet, welche wurden ins Lager verbannt? So finden sich in der Dauerausstellung überraschende Entdeckungen aus dem Depot. Vertraute Werke erscheinen durch ungewohnte Gegenüberstellungen in einem neuen Licht. Die prinzipiell zeitlich geordnete Erzählung wird vielfach durch thematische Akzente bereichert, wobei historische Arbeiten auch auf zeitgenössische Kunst treffen. Bekannte und unbekannte Künstler:innen, regional und international bedeutende Arbeiten treten in einen anregenden Dialog.

 

Die Nachkriegskunst und zeitgenössische Arbeiten erhalten eine größere Präsenz. Raumfüllende Installationen von Pipilotti Rist, James Turrell, Ben Vautier oder John Cage machen Kunst mit allen Sinnen erlebbar.

 

In der Großen Galerie wird ein Einblick in die umfangreichen Skulpturenbestände gegeben und ein Panorama von mehr als 400 Jahren Kunstgeschichte präsentiert. Die Anordnung der Skulpturen erfolgt nicht nach Epoche, künstlerischer Position oder Material, sondern nach dem Kriterium der Größe: Von zierlichen Figurinen bis zu mehr als lebensgroßen, schwergewichtigen Werken wird der menschliche Körper als zentrales Thema der Kunst vor allem um 1900 bis in die Gegenwart beleuchtet.

06.02.25 - Auf unbestimmte Zeit

Pipilotti Rist. Pixelwald Wisera

Mit Pixelwald Wisera von Pipilotti Rist (*1962) präsentiert die Kunsthalle Bremen eine bedeutende Neuerwerbung für die Sammlung des Hauses. Die Rauminstallation gleicht einem verwunschenen Wald, der sich im Museum ausgebreitet hat und lädt ein sich darin zu verlieren.

 

Ermöglicht wird die eindringliche Raumerfahrung durch fast 3.000 von der Decke hängenden LED-Lichtern. Sie sind in handgemachte Formen eingefasst, die an Stalaktiten oder Kristalle erinnern. Als wäre ein Bildschirm explodiert, schweben die Lichter als Pixel im Raum, ohne geometrische Linien und Perspektiven zu zeigen. Jedes Pixel-Licht ist gesondert programmiert und spielt einen Teil eines dreidimensionalen Videos ab, das durch die Abstände zwischen den Pixeln stark abstrahiert ist und nicht als Ganzes erfasst werden kann. Der Videoinhalt ist in Farbe und Bewegung genau auf die Musikstücke zugeschnitten, die im Pixelwald erklingen. Die restliche Synchronisation leisten die Gehirne der Betrachtenden, in denen dann Ton und Farbe verschmelzen.

 

Die im Pixelwald umherwandelnden Besucher:innen bewegen sich durch den Raum wie auf einer Traumreise durch das Videobild. Dabei erinnert die Installation an die Synapsen unserer Gehirne und auch an die fließenden Farben, die mit geschlossenen Augen wahrgenommen werden können. Die Videokünstlerin Pipilotti Rist ist bekannt für ihre stets unkonventionellen, sinnlichen, mal aufrüttelnden, mal traumhaft-meditativen Arbeiten. Mit ihren seit 2016 entstehenden Pixelwäldern hat Rist einen neuen Weg gefunden, das Videobild aufzulösen und in faszinierende, sinnlich wie inhaltlich vielschichtige Rauminstallationen zu überführen – sie machen Lust zum Eintauchen und Verweilen.

 

Pixelwald Wisera ist der erste Pixelwald in einer deutschen Sammlung. Weltweit finden sich Pixelwälder von Pipilotti Rist in vier weiteren Sammlungen: im National Museum of Qatar, im Kunsthaus Zürich, im Ekebergparken in Oslo und im Museum of Fine Arts, Houston. Der Titel Wisera ist althochdeutsch für »Weser«, der Fluss an dessen Ufer sich nun der erste Pixelwald in Deutschland befindet. Die Installation von Rist wurde anlässlich des Jubiläums des Kunstvereins in Bremen erworben und exklusiv für die Kunsthalle Bremen angefertigt. Bereits 2011 wurde im Zuge der Wiedereröffnung der Kunsthalle Bremen eine vielbeachtete Schau von Pipilotti Rist in der Kunsthalle präsentiert. Im Rahmen von »Ruhig durch die Wände« hatte die Künstlerin die farbenfrohe, traumhaft-meditative Audio-Videoinstallation Bremer Lungenflügel eingerichtet, die viele Besucher:innen nachhaltig faszinierte.

08.02.26 - Auf unbestimmte Zeit

150 Jahre Paula Modersohn-Becker: Werke in der Sammlungsausstellung & Veranstaltungen

Am 8. Februar 2026 jährt sich der Geburtstag von Paula Modersohn-Becker zum 150. Mal. Anlässlich des Jubiläums ist der Künstlerin in der Sammlungsausstellung ein großer Raum gewidmet. Zu sehen sind insgesamt 19 Werke – vertraute Bilder, die längst fester Bestandteil der Sammlungspräsentation sind, aber auch selten gezeigte, die lange Zeit im Depot waren. Darunter sind auch prominente Rückkehrer: Einige der Gemälde, etwa das Selbstbildnis vor grünem Hintergrund mit blauer Iris (um 1905), waren 2024/25 für die erste Paula Modersohn-Becker-Ausstellung in den USA nach New York und Chicago verliehen.

 

Mit Kunstwerken aus allen Schaffensphasen der Künstlerin wird das kurze, aber intensives Leben von Paula Modersohn-Becker (1876–1907) greifbar. Erdige Farben und vereinfachte Formsprache sind wichtige Elemente von Modersohn-Beckers Kunstauffassung, mit der sie beim bürgerlichen Kunstpublikum ihrer Zeit aneckte – und für die sie heute gefeiert wird. Dagegen führt das Stillleben mit Äpfeln und Bananen (1905) eindrucksvoll ihre Auseinandersetzung mit der künstlerischen Avantgarde vor Augen, die sie bei ihren Aufenthalten in der Kunstmetropole Paris kennenlernte und für ihre eigenen Werke zu adaptieren wusste.

 

Im Spannungsfeld zwischen der flirrenden Weltstadt Paris und dem heimischen Teufelsmoor entstand ein Œuvre, das vielseitige Bezüge erkennen lässt und gleichzeitig eigenständig bleibt. Mit kurzen Texten zu jedem Werk, Audio-Einführungen über die Multimedia-App Art Surfer und einem Tastmodell, mit dem man das Selbstbildnis mit Kette (1903) erfühlen kann, werden im Ausstellungsraum unterschiedliche Zugänge zu Paula Modersohn-Beckers Werk angeboten.

25.02.26 - 28.02.27

Remix. Photographie – Fiktion und Wahrheit

Die Kunsthalle Bremen erweitert ihre Sammlungsausstellung Remix mit einer Auswahl historischer und zeitgenössischer Photographie. In vier großen Ausstellungsräumen werden Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, Candida Höfer, Richard Mosse, Sebastian Riemer, Ricarda Roggan, Thomas Ruff, August Sander, Taryn Simon, Thomas Struth und Heinrich Zille präsentiert. Die Photographien sind teils Neuzugänge aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen, teils Dauerleihgaben aus der Sammlung Ültzen sowie Leihgaben aus der Sammlung Lothar Schirmer.

 

Die Ausstellung lenkt die Aufmerksamkeit auf die traditionelle Vorstellung der Photographie als objektives Abbild, als verlässliche Dokumentation der Wirklichkeit oder sogar als Beweismittel bei der Aufdeckung von Straftaten. Die ausgewählten Photographien stellen auf unterschiedliche Weise diese Ideen in Frage und zeigen Photographie als Medium, in dem sich Wahrheit und Fiktion verwischen können. Dabei werden auch hochaktuelle Themen aufgegriffen wie die digitale Bilderflut im Internet und die Frage der Glaubwürdigkeit von Photographie in Zeiten von KI.

 

Die Präsentation ist bis Februar 2027 zu sehen.

22.07.26 - 17.01.27

Mehr Frauen! Bremer Künstlerinnen auf Papier

Paula Modersohn-Becker genießt heute weltweiten Ruhm. Wer aber kennt ihre Mitstreiterinnen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ebenfalls in der Bremer Kunstszene aktiv waren: Clara Rilke-Westhoff, Marie Bock, Anna Plate, Margarethe von Reinken, Agnes Sander-Plump, Dora Bromberger, Elisabeth Noltenius, Gustava Tölken oder Olga Bontjes van Beek?

 

Im Verhältnis zu dem männlich geprägten Gesamtbestand der Kunsthalle Bremen bewahrt das Kupferstichkabinett viele Blätter von Bremer Künstlerinnen: feingliedrige Bleistiftzeichnungen, fließende Aquarelle, energische Kohleskizzen.

 

Systematisch ausgebremst setzten sich die Künstlerinnen durch Netzwerkarbeit zur Wehr. Bis 1919 durften Frauen nicht an den staatlichen Kunstakademien studieren, sodass ihre Ausbildungschancen massiv eingeschränkt waren. Die Bremerinnen gründeten 1899 den Bremer Malerinnenverband oder traten ab 1928 der »Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen« (GEDOK) bei.

 

Die Ausstellung spürt den Verbindungslinien zwischen den Künstlerinnen und ihrer Verwurzelung in Bremen und dem Umland nach: In den Orten Worpswede, Fischerhude und Dötlingen lebten Künstlerinnen und Künstler Tür an Tür. Dort unterrichteten sie die nachfolgende Generation im Malen und Zeichnen – in bewusster Abgrenzung zu den Akademien. Es sind Künstlerdynastien entstanden wie die Familien Modersohn, Plump oder Breling. Zuletzt sind aus den Bekanntschaften in den Künstlerorten und bei der GEDOK tiefe Freundschaften erwachsen.

Standort
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Am Wall 207, 28195 Bremen
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–21:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–17:00
Freitag10:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
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