St. Gallen
Museum

Kunstmuseum St. Gallen

Museumstraße 32, 9000 St. Gallen

Ein Museum – zwei Standorte

 

Das Kunstmuseum St. Gallen Stadtpark genießt mit seinen attraktiven Wechselausstellungen zeitgenössischer und moderner Kunst internationale Ausstrahlung. Als Schatzkammer der Ostschweiz beherbergt das Museum eine reiche Sammlung von Gemälden und Skulpturen vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, die in einer Dauerausstellung gezeigt wird. Darüber hinaus begeistern Ausstellungen international renommierter Künstler:innen sowie thematische Gruppenausstellungen ein vielfältiges Publikum.

 

Die Lokremise, die zweite «Spielstätte» des Kunstmuseums, dient als Kulturlabor für zeitgenössische Kunst. Sie ist Teil des Kulturzentrums Lokremise St. Gallen, das 2010 vom Kanton St. Gallen eröffnet wurde. Die unmittelbare Nachbarschaft zu Kinok und Tanz/Theater bietet inhaltliche Synergien während der rohe Charakter des Innenraumes prozessorientierte Ausstellungen ermöglicht.

 

 

Stadtpark

Museumstraße 32

 

Das 1877 von Johann Christoph Kunkler im neoklassizistischen Stil errichtete Gebäude lädt ein zum Flanieren durch die Kunst aus Vergangenheit und Gegenwart: Alt und Neu im Dialog ermöglichen ein abwechslungsreiches Kulturerlebnis, bei dem internationale Wechselausstellungen zu erleben sind oder Meisterwerke der Vergangenheit auf herausragende Vertreter zeitgenössischer Kunst treffen. Dank einer umfassenden Kunstvermittlung ist das Kunstmuseum St. Gallen Stadtpark ein attraktiver Ort der Begegnung mit Kunst von Gestern und Heute.

 

 

Lokremise

Grünbergstraße 7

 

Die Lokremise St. Gallen (1903–1911) gilt als ein bedeutender Pionierbau der schweizerischen Bahninfrastruktur. Das von Carl Moser entworfene Gebäude diente ursprünglich der Wartung von Dampflokomotiven. Der Bau, der zusammen mit dem Badhaus (1902) und dem Wasserturm (1906) von Robert Maillart ein einzigartiges Ensemble bildet, gilt heute als Industriedenkmal von nationaler Bedeutung. Zwischen 1999 bis 2004 wurde die Lokremise von der Galerie Hauser & Wirth als Ausstellungsraum genutzt und gewann in der nationalen und internationalen Kunstszene einen hohen Bekanntheitsgrad. 

 

 

Sammlung

 

Die Sammlung des Kunstmuseums St. Gallen ist seit dem 19. Jahrhundert aus bürgerlichem Engagement, Schenkungen und gezielten Erwerbungen gewachsen. Sie reicht von frühen europäischen Beständen und der Malerei des 19. Jahrhunderts über zentrale Positionen der Moderne bis zur internationalen Gegenwartskunst. 

 

Ihr Profil entsteht aus einer doppelten Ausrichtung: Die Sammlung versteht sich als visuelles Gedächtnis der Ostschweiz und pflegt wichtige regionale Werkgruppen. Zugleich setzt sie internationale Akzente in Malerei, Skulptur, Installation, Konzeptkunst, Video und neuen Medien. Starke Einzelwerke, konzentrierte Werkgruppen und die Verbindung von regionaler Verankerung, kunsthistorischer Tiefe und zeitgenössischer Bedeutung prägen ihren Charakter. 

 

Die aktuelle Sammlungsstrategie setzt auf präzise Erwerbungen von hoher künstlerischer, kunsthistorischer und musealer Relevanz. Entscheidend ist, dass ein Werk für sich überzeugt und darüber hinaus im Dialog mit dem Bestand neue Lesarten eröffnet. Neuzugänge sollen die Sammlung vertiefen, erweitern und in Ausstellungen immer wieder aktiviert werden können. 

 

Besonderes Augenmerk gilt herausragenden Positionen, die zentrale Entwicklungen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts neu sichtbar machen oder Themen wie Identität, Ökologie, Technologie und Dekolonisierung ansprechen. Ziel ist es, unterrepräsentierte, historisch und strukturell marginalisierte Positionen aus unterschiedlichen geografischen und kulturellen Kontexten in die Sammlung aufzunehmen. Auf diese Weise soll deren bislang vornehmlich weiße, cis-männliche und heteronormative Perspektivierung aufgebrochen werden.  

 

Als wichtigstes Kunstmuseum der Ostschweiz trägt das Kunstmuseum St. Gallen eine besondere Verantwortung für Kunstschaffende aus der Region. Gesammelt werden regionale Positionen, wenn sie über ihren lokalen Kontext hinaus künstlerische Relevanz besitzen und größere kunsthistorische oder gesellschaftliche Zusammenhänge eröffnen. 

 

Erwerbungen werden sorgfältig auf Provenienz, konservatorische Verantwortung und langfristige Vermittelbarkeit geprüft. Neben Ankäufen spielen Schenkungen, gemeinsame Erwerbungen mit anderen Institutionen und ausgewählte Nachlässe eine wichtige Rolle. Dauerleihgaben werden nur angenommen, wenn sie das Profil der Sammlung nachhaltig stärken und mit einer Perspektive auf Schenkung verbunden sind. 

 

Ziel ist eine Sammlung, die an Komplexität, Vielstimmigkeit und Profil gewinnt: historisch fundiert, regional verankert, international anschlussfähig und offen für die Fragen der Gegenwart.

Veranstaltungen und Ausstellungen

26.08.23 - Auf unbestimmte Zeit

Sammlungsfieber

Mit Sammlungsfieber beginnt das Kunstmuseum St. Gallen eine neue, mehrjährige Präsentation seiner Bestände. Diese setzt sich mit der Einzigartigkeit des Museums in St. Gallen auseinander – der 800-jährigen Textilgeschichte als Kontext seiner Entstehung ebenso wie den hier zusammengetragenen Privatsammlungen oder dem Einfluss des Kunsthandels. Entlang einer Zeitrechnung in Textilepochen – von Leinwand und Baumwolle bis zur St. Galler Spitze – entspinnt sich die über fünf Jahrhunderte umfassende Werkpräsentation.

 

Den Auftakt der Ausstellung bildet eine neue, vom Kunstmuseum St. Gallen in Auftrag gegebene Arbeit des Genfer Künstlers Mathias C. Pfund (* 1992). Im Mittelpunkt der Arbeit steht das erste Objekt, das in die Sammlung der Stadt einging: ein ausgestopftes Krokodil, das der St. Galler Kaufmann Daniel Studer 1623 der Stiftungsbibliothek schenkte. Die Installation besteht aus einer leeren Aufhängevorrichtung, dem Stich eines toten Nilkrokodils von Karel van Mallery aus dem 16. Jahrhundert und der Collage eines Mosaiks aus dem 2. Jahrhundert, das die edlen und exotischen Überreste eines Festmahls auf dem Boden zeigt. Damit geht es in Pfunds Installation um Luxus, Exotik und die Frage, welche Objekte wir als wertvoll erachten und wie diese Werte im musealen Kontext weiterleben.

 

Der Ausstellungstitel Sammlungsfieber (englisch: Collection Fever) bezieht sich auf den 1995 erschienenen Essay Archive Fever des algerisch-französischen Philosophen Jacques Derrida. Ordnung, so Derrida, wird traditionell mit Begriffen wie «Archiv» oder «Sammlung» assoziiert. Gleichzeitig entsteht Derrida zufolge nur durch das Fieber – das für die Neugierde, das Aufspüren und die Anhäufung verantwortlich ist – ein Archiv und somit eine Sammlung.

 

Eben diese Energie des Fieberhaften, die zu Neuem und Unerwartetem führt, ist das leitende Prinzip für Sammlungsfieber, die etwa in den Fokus rückt, wie Sammeln und Anhäufen, aber auch Prestige und Geld, mit der Kunst verknüpft sind. Die Ausstellung wirft einen kritischen Blick auf die Verbindung zwischen Kapital und Kunst, was für den St. Galler Kontext auch die Beziehung zwischen Textil und Kunst bedeutet.

 

Kuratiert von Melanie Bühler, Dorothee Haarer, Gianni Jetzer und Lorenz Wiederkehr

09.01.26 - 03.01.27

Marie Schumann – Coatings

Mit ihrer maßgeschneiderten Installation Coatings verwandelt die Textilkünstlerin Marie Schumann (*1991) die Haupttreppe des Kunstmuseums St. Gallen in einen neuen Erfahrungsraum. Über ein fragiles Gerüst aus Metallstäben spannt sie Bahnen aus Hightech-Gewebe, die wie Häute den Raum kleiden. Steigend und fallend begleiten die textilen Formen den Weg nach oben, sie öffnen und umschließen zugleich, wirken als Grenze, Schutz und Bühne. Das Werk lädt dazu ein, die Architektur neu zu entdecken und erfahrbar zu machen, wie Stoff und Körper miteinander in Resonanz treten.

 

Marie Schumann lebt und arbeitet in Zürich. Mit textilen Techniken erforscht sie die Beziehung zwischen Körper, Material und Raum. Ihre Arbeitsweise ist prozesshaft angelegt: Aus Experimenten entstehen Objekte, Skulpturen oder raumgreifende Installationen, die wiederum Ausgangspunkt für neue Entwicklungen werden.

 

Schumann war in zahlreichen Ausstellungen vertreten, darunter Phantasms in der Galerie Carvalho in New York (2025), Textile Manifestos – From Bauhaus to Soft Sculpture im Museum für Gestaltung Zürich (2025) sowie Textile Design Now an der Universität Québec in Montréal (2023). Zu ihren öffentlichen Projekten zählen eine Kunst-und-Bau-Installation an der Baugewerblichen Berufsschule Zürich (2025), eine Installation während Pan Art in Neuchâtel (2024) sowie eine textile Installation zur Mexico City Art Week in der Expo Reforma (2024).

 

Mit großzügiger Unterstützung der Zürcherischen Seidenindustrie Gesellschaft, Zürich und von Tisca, Bühler.

03.10.26 - 24.01.27

Beyond the Manosphere. Masculinities Today.

Das Stedelijk Museum Amsterdam und das Kunstmuseum St. Gallen freuen sich, Beyond the Manosphere. Masculinities Today zu präsentieren. Die internationale Gruppenausstellung war im Stedelijk Museum Amsterdam vom Frühjahr bis Sommer 2026 zu sehen (17. April bis 2. August 2026) und wird nun im Kunstmuseum St. Gallen vom Herbst 2026 bis Winter 2027 (3. Oktober 2026 bis 24. Januar 2027) gezeigt.

 

Was bedeutet Männlichkeit heute? Mit dem Aufstieg der Manosphere hat diese Frage neue Dringlichkeit erhalten. Gemeint ist ein loses Netzwerk von Online-Räumen, in denen eine dominante, frauenfeindliche Männlichkeit behauptet wird. Befeuert durch die Verbreitung des Trumpismus hat diese Form von Männlichkeit zunehmend den Mainstream durchdrungen.

 

Diese patriarchale heterosexuelle Männlichkeit ist nicht neu. Sie ist alt. Das Patriarchat ist vielleicht eines der ältesten Systeme überhaupt. Es gab einen Moment, in dem es schien, als würde sich diese Art von Männlichkeit als Machtanspruch zurückziehen, nachdem sie nach den langen Kämpfen verschiedener feministischer Bewegungen im letzten Jahrhundert mit #MeToo zumindest ansatzweise zur Rechenschaft gezogen wurde. Nun, da diese Bewegung an Momentum verloren hat, lässt sich Männlichkeit in ihrer den Status quo bestätigenden und dominanten Form als etwas begreifen, das einfach bestehen geblieben ist: eine fundamentale Grundlage, die eine Hierarchie der Geschlechter aufrechterhält, in der Männer oben und Frauen (sowie alle Anderen) unten sind. Diese Art von Maskulinität, die nun wieder Auftrieb hat, wird aktuell als Fortschritt neu definiert und für kapitalistische und faschistische Zwecke mobilisiert.

 

Der Titel der Ausstellung wurde denn auch nicht gewählt, um die Manosphere zu bestätigen, sondern um sie aufzubrechen. Die Ausstellung setzt beim Begriff der Manosphere an und liest ihn gegen den Strich: Wenn wir Männlichkeit als »Sphäre« begreifen, was lässt sich darin erkennen? Welche kulturellen Vorstellungen und Realitäten prägen Männlichkeiten heute und welchen Raum nehmen sie ein? Beyond the Manosphere. Masculinities Today erweitert und hinterfragt bestehende Vorstellungen von Männlichkeit. Indem die Ausstellung Kunstwerke zusammenbringt, die ebenso von Macht, Dominanz und Gewalt sprechen, wie von deren Unterwanderung und Verkehrung, eröffnet sie eine kritische Perspektive. In dieser Ausstellung tauchen immer wieder Typen, Klischees und kulturelle Tropen auf. Es sind die Sedimentschichten des Terrains, unsere überlieferten Vorstellungen von Maskulinität – beständig, klebrig und zäh. Aber auch Geschichten von Liebe und Verlangen sind präsent, die zeigen, wie unsere Sichtweisen von Männlichkeit unseren Umgang miteinander prägen – und die Art und Weise, wie wir andere wertschätzen und selbst beurteilt werden.

 

Mit ausgewählten Arbeiten aus der Sammlung des Stedelijk Museum Amsterdam und des Kunstmuseum St. Gallen sowie Leihgaben und neuen Auftragsarbeiten untersucht die Ausstellung Männlichkeit als Träger und Inszenierung von Macht, aber auch als gelebte Realität, die widersprüchlich, banal, instabil und zärtlich zugleich sein kann.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Bierke Books, gestaltet von Sabo Day. Er enthält einen kuratorischen Essay von Melanie Bühler, künstlerische Beiträge von Amanda van Hesteren, Tetsumi Kudo, Reba Maybury, Sands Murray-Wassink, und Bruno Zhu, Essays von Hannah Black, Maurits de Bruijn, und Asa Seresin sowie ein Interview mit Judith Butler.

 

 

Künstler:innen

 

Arlette, Karimah Ashadu, Sophie Calle, Miguel-Ángel Cárdenas, Sam Durant, Hans Eijkelboom, EMIRHAKIN, Hamishi Farah, Sylvie Fleury, Julio Galán, Solomon Garçon, Sven Gex, Jasmine Gregory, Amanda van Hesteren, Zhana Ivanova, Mike Kelley & Paul McCarthy, Tetsumi Kudo, Basir Mahmood, Reba Maybury, Lucy McKenzie, Melle, John Miller, Marlie Mul, Sands Murray-Wassink, Eduardo Paolozzi, Paul Pfeiffer, Pope.L, Sara Sadik, P. Staff, Diamond Stingily, SoiL Thornton, Salman Toor, Alex Vivian, Bruno Zhu, Selina Zürrer.

21.08.26 - 08.11.26

Emilija Škarnulytė – Arrow of Time

Emilija Škarnulytė verwandelt das Kunstmuseum St. Gallen Lokremise in eine immersive Landschaft aus Film, Licht und skulpturalen Interventionen. Die Ausstellung schafft einen Erfahrungsraum, in dem Wissenschaft, Fiktion und Kunst miteinander verschmelzen – zwischen kosmischer Weite, technologischer Gegenwart und einer Zukunft, die zugleich verheißungsvoll und beunruhigend erscheint.

 

Die Künstlerin richtet ihren Blick auf Orte, an denen technologische Utopien, politische Geschichte und planetarische Zeitdimensionen aufeinandertreffen. Ein zentraler Bezugspunkt der Ausstellung ist das stillgelegte Kernkraftwerk Ignalina in Litauen, ein »Schwesterkraftwerk« von Tschernobyl, in dem Škarnulytė filmte. Im verlassenen Kontrollraum gleitet eine Python über die Knöpfe und Schalter des Bedienpults – ein Bild von gespenstischer Schönheit, in dem Natur, Technologie und das gebrochene Erbe des Atomzeitalters zusammenfinden.

 

Das Werk führt in eine Welt, in der der Mensch nicht länger als Zentrum erscheint, sondern als kleiner Teil eines weit größeren kosmischen und geologischen Systems. Es stellt Fragen nach Radioaktivität, Kontrolle, technologischen Versprechen und den langfristigen Spuren menschlicher Eingriffe in die Erde. Dabei entwirft die Ausstellung keine eindeutige Zukunftsvision. Vielmehr hält sie einen Schwebezustand offen: zwischen Staunen und Angst, Zuversicht und Kontrollverlust, Traum und präziser Diagnose der Gegenwart.

 

 

Die Künstlerin

 

Emilija Škarnulytė (* 2. Juni 1987 in Vilnius) ist eine international tätige Künstlerin und Filmemacherin aus Litauen. Ihre Videoarbeiten und Installationen bewegen sich zwischen Dokumentation und spekulativer Fiktion. Sie führen durch stillgelegte Kernkraftwerke, Dunkelzonen der Tiefsee, versunkene Städte und Phänomene in Zeit und Raum. Das Interesse der Künstlerin gilt der Erforschung einer «Tiefenzeit» und unsichtbarer Strukturen der kosmischen, geologischen, ökologischen und politischen Art.

Standort
Stadtpark
Museumstraße 32, 9000 St. Gallen
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag10:00–17:00
Mittwoch10:00–17:00
Donnerstag10:00–20:00
Freitag10:00–17:00
Samstag10:00–17:00
Sonntag10:00–17:00
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