München
Museum

Museum Brandhorst

Theresienstraße 35a, 80333 München

Das Ehepaar Anette (gest. 1999) und Udo Brandhorst hat seit den siebziger Jahren über 1000 Werke von wegweisenden Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts gesammelt, in erster Linie Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen, in letzter Zeit kamen Fotografien sowie Medienarbeiten und Installationen hinzu.

 

Während zunächst Künstler der klassischen Avantgarde (Kasimir Malewitsch, Kurt Schwitters, Pablo Picasso) und der europäischen Nachkriegsmoderne (Joseph Beuys, Palermo, Sigmar Polke, Jannis Kounellis, Mario Merz) im Mittelpunkt standen, richtete sich ihr Interesse im Lauf der Jahre immer mehr auf Kunst aus den Vereinigten Staaten: John Chamberlain, Dan Flavin, Bruce Nauman, Richard Tuttle, Walter de Maria u. a. sind mit wichtigen Werken vertreten.

 

Mit weit über 100 Arbeiten von Andy Warhol (1928–1987) ist der Bestand des bekanntesten Pop Art Künstlers mit kaum einer anderen europäischen Sammlung zu vergleichen. Weltweit einmalig ist der Schwerpunkt von über 170 Arbeiten des amerikanischen Künstlers Cy Twombly (1928–2011).

 

Dass auch zeitgenössische Kunst zunehmend in den Blick des Sammlerinteresses rückte, belegen Erwerbungen der Arbeiten von Damien Hirst, Mike Kelley oder Robert Gober sowie von Medienkünstlern wie Isaac Julien, Anri Sala, Stan Douglas und David Claerbout.

 

Während die Pinakothek der Moderne einen Überblick über die Entwicklung der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ermöglicht, steht im Museum Brandhorst eine vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Künstlerpersönlichkeiten im Mittelpunkt.

Veranstaltungen und Ausstellungen

01.06.09 - Auf unbestimmte Zeit

Cy Twombly im Museum Brandhorst

Das Museum Brandhorst in München verfügt über eine der umfangreichsten Sammlungen von Werken des US-amerikanischen Künstlers Cy Twombly (1928–2011). Ihm ist die Ausstellung im gesamten Obergeschoss des Museums dauerhaft gewidmet. Zu den Highlights des einzigartigen Bestandes zählt neben dem Rosensaal der Lepanto-Zyklus mit einem eigens dafür geschaffenen Raum.

 

Die Ausstellung im Obergeschoss spannt einen umfassenden Bogen von den Frühwerken Cy Twomblys bis zu seinen letzten Arbeiten. Aufgeladene, abstrakte Formen, malerische Gesten und Annäherungen an das Schreiben sind wiederkehrende Motive im Œuvre Twomblys. Die auf zumeist weißen, oft verschmutzt wirkenden Bildgründen aufgetragenen krakeligen Linien lassen dabei an New Yorker Graffiti ebenso denken wie an Inschriften und Einritzungen römischer Ruinen. Diese und weitere Anspielungen auf seine Wahlheimat Italien und die mediterrane Kultur sind als Topoi in seinen Werken zu finden.

 

 

Der »Lepanto«-Zyklus

 

Der monumentale »Lepanto«-Zyklus (2001) ist ein Hauptwerk Cy Twomblys, bestehend aus zwölf Gemälden, die dauerhaft im Lepanto-Saal im Museum Brandhorst ausgestellt werden. Der Saal wurde nach den Wünschen des Künstlers eingerichtet. Ungewöhnliche Farbakkorde in einer breiten Palette von Gelb-, Rot-, Türkis- und Aquamarintönen bestimmen die Dramatik der Bildfolge, die eine der symbolträchtigsten Seeschlachten der Geschichte thematisiert: Am 7. Oktober 1571 besiegte die Heilige Liga, eine Allianz aus spanischen, venezianischen und päpstlichen Truppen die  Flotte der Osmanen bei Lepanto (dem heutigen Naupaktos) am Golf von Korinth.

 

Die Bilder sind in abwechselnder Folge von Einzelmotiven und Serien gestaltet: Das erste, vierte, achte und zwölfte Gemälde erscheinen wie Blicke auf Bootsrümpfe aus der Vogelperspektive, die durch die Farbigkeit zugleich den Eindruck von Flammen oder klaffenden Wunden erwecken. In den drei dazwischenliegenden Sequenzen deutet sich die Dramaturgie einer Schlacht an: Von der gespannten Ruhe vor Beginn der Auseinandersetzung über die Farbexplosionen im Zentrum bis hin zu den rot eingefärbten Tafeln am Ende. Bei Twombly entfällt eine Parteinahme: die Schiffe formen keine gegnerischen Flotten, sie kämpfen und siegen nicht, sie verbrennen nur und versinken in den meerblauen Lasuren.

 

 

Der Rosensaal

 

Eigens für den Saal im Museum Brandhorst schuf Cy Twombly 2008 eine Serie aus sechs Malereien mit dem Titel »Untitled (Roses)«. Diese Inszenierung im Raum ist durch die gegenseitige Wirkung und Abstimmung zwischen Architektur und Kunst einzigartig. Die großen Gemälde zeigen eine Reihe von abstrahierten Rosen, die sich aus überlagernden Flächen und Pinselstrichen zusammensetzen. In kräftigen Farbtönen in Rot, Pink, Blau, Gelb und Grün fließen unzählige Schlieren über die Leinwand und bestärken die Kraft und Intensität der Motive malerisch.

 

Blumen und die Auseinandersetzung mit ihrer kulturhistorischen Bedeutung nehmen im Werk von Cy Twombly eine herausragende Stellung ein. Wie bei vielen seiner Werke hat Twombly auch den Rosen literarische Bezüge beigefügt, die eine kleine »Kulturgeschichte der Rose« erzählen. Cy Twombly verwendet Gedichte von Rilke, Eliot, Dickinson und Bachmann und spielt dabei auf ganz unterschiedliche Themen wie Erinnerung, Schönheit, Erotik, Einsamkeit, Verletzlichkeit oder Tod an.

 

 

Cy Twombly in der Sammlung Brandhorst

 

Nachdem Udo Brandhorst 1967 eine erste Arbeit von Cy Twombly in München erstanden hatte, stand Twombly auch am Beginn und im Zentrum der Sammelleidenschaft des Sammlerpaars: Im Laufe der 1970er-Jahre erwarben sie nach und nach weitere Zeichnungen und Gemälde, seit den späten 1980ern auch Skulpturen. Diese kontinuierlichen Ankäufe versetzen das Museum Brandhorst in die Lage, einen Überblick über Twomblys gesamtes Schaffen, von den 1950er-Jahren bis zu seinen allerletzten Werken, zu bieten. Zwischen dem Paar und Twombly entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, die auch dazu führte, dass die Brandhorsts viele seiner Arbeiten bereits in seinem Studio zu sehen bekamen.

23.10.25 - 31.01.27

Long Story Short – Eine Kunstgeschichte aus der Sammlung Brandhorst von den 1960er-Jahren bis zur Gegenwart

»Long Story Short« erzählt eine Geschichte der zeitgenössischen Kunst von den 1960er-Jahren bis zur Gegenwart aus den Beständen der Sammlung Brandhorst. Jeder Raum ist eine eigene Ausstellung für sich: Von der Arte Povera bis zu monographischen Präsentationen, von formalästhetischen Diskursen bis zu gesellschaftspolitischen Themen. Noch nie gezeigte Werke und Neuerwerbungen treten dabei mit Ikonen des Museums in Dialog und ermöglichen neue Perspektiven auf die mittlerweile über 2000 Werke umfassende Sammlung.

 

Der Bestand des Museums ist seit seiner Eröffnung von 800 auf über 2 000 Werke angewachsen und verwebt zahlreiche Erzählstränge aus der Kunst der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit, die punktuelle wie tiefgreifende Einblicke in die Kunstproduktion der letzten 70 Jahre, vor allem in Europa und im US-amerikanischen Raum, geben. Anstatt einer vermeintlich vollständigen Geschichte dieses Zeitraums reihen sich in »Long Story Short« ausgewählte Strömungen, ästhetische Fragestellungen und künstlerische Positionen von den 1960er-Jahren bis heute zu einer Perlenkette einzelner Kunstgeschichten.

 

 

Mit Werken von

 

Jean-Michel Basquiat, Kerstin Brätsch, André Cadere, DAS INSTITUT (Kerstin Brätsch und Adele Röder), Walter De Maria, Günther Förg, Wade Guyton, Keith Haring, Charline von Heyl, Jacqueline Humphries, KAYA (Kerstin Brätsch und Debo Eilers), Jannis Kounellis, Michael Krebber, Louise Lawler, Mark Leckey, Mario Merz, Marisa Merz, Bruce Nauman, Albert Oehlen, Kayode Ojo, Laura Owens, Palermo, Giulio Paolini, Sondra Perry, Sigmar Polke, Seth Price, Amy Sillman, Frank Stella, Sturtevant, Martine Syms, Niele Toroni, Richard Tuttle, Cy Twombly, Andy Warhol

 

 

Die Räume wurden kuratiert von

 

Dr. Monika Bayer-Wermuth, Leitende Kuratorin, Museum Brandhorst, Franziska Linhardt, Kuratorin, Museum Brandhorst, Benedikt Seerieder, Kurator, Museum Brandhorst, Lena Tilk, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Museum Brandhorst, und Sabine Weingartner, Gastkuratorin; unter Mitarbeit von Dr. Katharina Fischer, Teamassistenz, Museum Brandhorst.

14.05.26 - 08.11.26

Carrying

Bereits im Titel verweist »Carrying« darauf, wie Orte bestimmte Geschichten mittragen. Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt aktiviert verschiedene Räume inner- und außerhalb des Museums Brandhorst. Internationale Künstler:innen, darunter Cana Bilir-Meier, Kate Newby, Tiffany Sia, Jaune Quick-to-See Smith und Leyla Yenirce, besetzen historisch aufgeladene Orte – wie Cy Twomblys »Lepanto«-Saal oder das sogenannte Türkentor. Architektonische Interventionen, Performances, Malereien sowie Sound- und Filmarbeiten treten in Dialog mit dem Museum und befragen die Verschränkung von militärischer und kultureller Macht.

 

Ausgangspunkt ist das Gelände, auf dem heute das Museum Brandhorst, die Pinakothek der Moderne und weitere Institutionen des Kunstareals angesiedelt sind. Hier stand einst die Prinz-Arnulf-Kaserne, auch »Türkenkaserne« genannt. Der Name des 1826 errichteten Militärkomplexes geht auf Kriegsgefangene zurück, die Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich zur Zwangsarbeit nach Bayern gebracht wurden. Diese Geschichten haben sich in Orts- und Straßennamen wie dem der »Türkenstraße« eingeschrieben.

 

Welche Geschichten werden erzählt, wer erzählt sie und wie? Das gilt insbesondere für Orte, die sich der Wissensproduktion und kulturellen Vermittlung verschrieben haben. Die eingeladenen Künstler:innen gehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln der Frage nach, wie sich Geschichte und Erinnerung mit teils erfundenen Erzählungen verschränken – und über Bilder, Medien und Monumente weitergetragen werden. Schichten des Austauschs überlagern historische Realitäten von Gewalt, Ausbeutung und kultureller Aneignung und schreiben sich bis heute als Muster fort – von der sogenannten »Gastarbeiter«-Ära bis zu andauernden Debatten um territoriale Grenzen, Migration und Zugehörigkeit. Insbesondere dort, wo eine vorgebliche Trennung von Krieg und Kultur ihre tatsächliche Verwobenheit verschleiert, gewinnen diese Fragen neue Dringlichkeit.

 

»Carrying« versteht das Museum als einen Resonanzraum, in dem die Institution ihre eigene Geschichte und Identität befragt und lokale Ansatzpunkte mit globalen Fragestellungen verknüpft.

 

 

 Mit Werken von

 

Cana Bilir-Meier, Kate Newby, Tiffany Sia, Jaune Quick-to-See Smith, Leyla Yenirce und weiteren.

 

Kuratiert von Franziska Linhardt

14.05.26 - 30.05.27

Kate Newby: anything, anything

Kate Newbys ortsspezifische Arbeit versteht die Transitzone vor dem Museum Brandhorst als einen Ort permanenter Veränderung. Wie eine skulpturale Zeichnung in der Landschaft, widersetzt sich ihre Intervention »anything, anything« dem Monumentalen und Abgeschlossenen und begreift den öffentlichen Raum als Ort verwobener Geschichten, Zeiten und Widersprüche.

 

Rund 1 000 Ziegel fügen sich in zwei über 80 Meter langen Linien in den Grünstreifen zwischen dem Museumsgebäude und dem Gehweg der »Türkenstraße« ein. Im Kontext der Ausstellung »Carrying« eröffnet, ist die Intervention zwölf Monate und somit einen vollständigen Jahreszyklus im öffentlichen Raum erfahrbar.

 

Vor dem Brennprozess bearbeitete Newby die Ziegel: Spuren, die sie im Großstadtraum beobachtete, übersetzte sie durch Zeichnungen, Aussparungen und Muster in den Ton – teils mit Glasscherben, die untrennbar mit dem Material verschmolzen sind. Gleich kleinen Stücken Landschaft sammeln sich darin nun Regenwasser, Schmutz und vom Wind herangetragene Objekte – Artefakte, die Vergänglichkeit und die soziale Textur des Ortes dokumentieren.

 

Die Intervention entstand 2024 für die Klosterruine Berlin und findet in München eine neue Form. Auf Walter De Marias Skulptur »Large Red Sphere« (2002/10) im »Türkentor« zulaufend, widersteht sie dem Monumentalen und Abgeschlossenen. Entlang der »Türkenstraße« in den Boden eingebettet, erinnert die Arbeit an Kanalrinnen und verweist auf das nie realisierte Wasserstraßenprojekt des »Türkengrabens«, welcher der Straße ihren Namen gab.

Standort
Standort
Theresienstraße 35a, 80333 München
Öffnungszeiten
Montag10:00–18:00
Dienstag10:00–18:00
Mittwoch10:00–18:00
Donnerstag10:00–20:00
Freitag10:00–18:00
Samstag10:00–18:00
Sonntag10:00–18:00
Social Media
Teilen