Köln
Museum

Museum für Ostasiatische Kunst Köln

Universitätsstraße 100, 50674 Köln

Das 1913 eröffnete Museum für ostasiatische Kunst war ein Bekenntnis zu einem aufgeklärten Dialog mit der Welt. Das Haus sollte einen neuen, unverstellten Blick auf die Kunst Ostasiens ermöglichen und einer im Aufbruch begriffenen westlichen Gesellschaft moderne Anregungen und Denkanstöße liefern. Vor dem Hintergrund der chauvinistischen Kolonialpolitik, die das deutsche Kaiserreich unter Wilhelm II in China verfolgte, dokumentierte die Museumsgründung 1909 eine markante Abkehr von deutschem Überlegenheitswahn. Durch die verheerenden Folgen des Ersten und des Zweiten Weltkriegs wurde das Vermächtnis der Museumsgründer jedoch jäh zunichte gemacht. Erst mit der Eröffnung des Museumsneubaus am Aachener Weiher im Jahr 1977 gelang nach der Kriegszerstörung wieder ein Neuanfang. Seither ist das Museum für Ostasiatische Kunst der ursprünglichen Idee seiner Gründer verpflichtet.

 

Rassismus und kolonialistisches Denken artikulieren sich in jeder Epoche anders und neu. Sprach Kaiser Wilhelm II von China als der »gelben Gefahr«, wurde in der Zeit des Nationalsozialismus die massenhafte Vernichtung der Juden betrieben. Auch heute, im Zuge der Flüchtlingskrise, werden rassistische Stimmen laut. Dies zeigt deutlich, dass die ursprüngliche Mission des Museums für Ostasiatische Kunst ewig aktuell bleibt: Mit seinen Ausstellungen lädt das Haus zur Wertschätzung von Kunst und Kultur des Fernen Ostens im Sinne der Weltkunst ein; jede Form von Rassismus hat darin keinen Platz.

 

Nach wie vor stellt die von Adolf Fischer (1856–1914) und seiner Frau Frieda (1874–1945) zusammengetragene Sammlung den Kernbestand des Hauses dar. Ihre Kollektion buddhistischer Malerei und Skulptur, japanischer Stellschirmmalerei, Farbholzschnitte, koreanischer Keramik und Lackkunst gilt als eine der bedeutendsten innerhalb Europas. Weitere wichtige Schwerpunkte bilden die seit den 1970er Jahren hinzugekommenen chinesischen Sakralbronzen der Sammlung Hans-Jürgen von Lochow, die Frühkeramik der Sammlung Hans Wilhelm Siegel, die chinesische und japanische Kalligraphie der Sammlung Heinz Götze, außerdem die Dauerleihgaben der Peter und Irene Ludwig Stiftung.

Veranstaltungen und Ausstellungen

08.02.25 - Auf unbestimmte Zeit

Über die »Linie« – Kalligrafische Aspekte in der koreanischen Kunst (Neugestaltung der Korea-Galerie)

Die Schrift und ihr künstlerischer Ausdruck, die Kalligrafie (kor. seoye) spielen in der koreanischen Kunst eine große Rolle. Die chinesische Schrift mit ihren ideo- und piktografischen Zeichen (kor. hanja), wurde in Korea bereits im 1. Jahrhundert übernommen. Ab dem 15. Jahrhundert kommt die im Auftrag König Sejongs (r. 1418–1450) erfundene Lautschrift (kor. hangeul) hinzu.

 

Die verschieden geformten Striche dieser beiden Schriftarten werden traditionell mit Pinsel und Tusche geschrieben. Auch die Malerei wird mit denselben Medien und der Kalligraphie ähnlichen Pinselstrichen ausgeführt. Schriftkunst findet sich auch auf kunsthandwerklichen Objekten. Dekore sind von der Ästhetik der Kalligraphie mit ihren modulierenden Strichen und Linien inspiriert.

 

Um den Einfluss und die Bedeutung der Kalligrafie zu verdeutlichen, kontrastiert die Ausstellung Werke der zeitgenössischen Schriftkunst und der traditionellen aber auch der modernen Malerei mit Beispielen von Keramiken und Bronzen der Goryeo-Periode (918–1392), einer kulturellen Blütezeit der koreanischen Kultur.

05.08.25 - Auf unbestimmte Zeit

»Le directeur est mort! Vive le directeur!«

Die Jubiläumspräsentation steht im Zeichen des ehemaligen Direktors Prof. Dr. Roger Goepper (1925–2011), dessen Geburtstag sich 2025 zum 100. Mal jährt. Goepper leitete das Kölner Museum für Ostasiatische Kunst (MOK) von 1966 bis 1990, verantwortete u.a. das Großbauprojekt des MOK am Standort des Aachener Weihers. Das 1913 ursprünglich am Hansaring eröffnete Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, 1967–77 in Zusammenarbeit mit dem japanischen Star-Architekten Maekawa Kunio (1905–86) neu geplant und umgesetzt.

 

Klassisch gebildet zeigte sich Goepper bereits in jungen Jahren kunstaffin und technisch begabt, interessierte sich besonders für Bühnen-, Zeichen- und Töpferkunst. Sein Studium der Kunstgeschichte, Sinologie und Japanologie sowie des Sanskrit und Tibetischen an der Ludwig-Maximilians-Universität München erfolgte bei Größen wie Max Loehr (1903–88), Herbert Franke (1914–2011) und Horst Hammitzsch (1909–91). Seine Dissertation T‘ang-tai: Ein Hofmaler der Ch‘ing-Zeit reihte ihn in die Tradition früher westlicher Forschungen zu chinesischer Kunst ein. In der Tat prägte Goepper den euro-amerikanischen Diskurs der damals wenig bekannten Ostasiatischen Kunstgeschichte wie kaum ein anderer im 20. Jahrhundert.

 

Ein praxis- und objektnaher Blick kennzeichnete Goeppers lebenslange Auseinandersetzung mit den Gattungen, Epochen und Regionen von Kunst und Kunsthandwerk aus China, Japan und Korea. Die Wirkungsbereiche des Universalgelehrten waren vielschichtig: als Akademiker, Kurator, Museumsdirektor, Hochschullehrer, Übersetzer, interkultureller Botschafter. In einer Kurzbiografie sind wichtigste Ausstellungsprojekte, Neuerwerbungen, Publikationen und Auszeichnungen, die den beruflichen Werdegang Goeppers zeichneten, beleuchtet.

 

Naturgemäß ist die Jubiläumsschau fragmentarisch. Vielmehr stehen die 25 Exponate stellvertretend für die 25 Jahre der Amtszeit am MOK: Hierbei deckt jedes Objekt jeweils eines der Jahre ab – ob in Form eines Ausstellungsplakates oder Ankaufs, einer Installationsansicht oder Schenkung. Die Auswahl kristallisiert die umfassenden Sammlungsinteressen des Direktors – von vorkaiserlichen Orakelknochen aus China und Silla-zeitlicher Keramik aus Korea über tibetische Kunst und den Shingon-Buddhismus bis hin zu moderner und zeitgenössischer Malerei, Kalligrafie und Lackkunst aus Japan. Auch persönliche Weggefährten und institutionelle Partnerschaften und damit verbundene Erwerbshistorien werden aufgezeigt.

 

Nicht zuletzt spiegelt die Schau das MOK als Kölner Ausstellungsort, dessen Interimszeit 1945–77 eine Stadtgeschichte mit Stationen im Overstolzenhaus, in der Hahnentorburg sowie Josef-Haubrich-Kunsthalle schrieb. Ein Film dokumentiert zudem die Jahre 1966–90 fotografisch. Die Bildkollage untermalt eine Audio-Aufzeichnung der Abschiedsrede Goeppers zu seinem Ausscheiden aus dem Amt im März 1990. Als Titelgeber der Jubiläumspräsentation dient also sein darin kühn ausgesprochenes Abschluss-Statement – »Le directeur est mort! Vive le directeur!«

 

Die Ausstellung wird kuratiert von Shao-Lan Hertel.

11.09.25 - Auf unbestimmte Zeit

Ostasien in Bewegung – Neuzugänge am MOK

Im südlichen Gangbereich des MOK ist eine neue Ausstellungsfläche entstanden. Als offener, mit den China-, Korea- und Japan-Galerien verbundener Präsentationsraum bildet er für die Besuchenden den Abschluss des Museumsrundgangs.

 

Der mit Kunstwerken aus dem Museumsbestand bespielte Raum ist transregional, alle Länder Ostasiens einschließend gestaltet und wird in regelmäßigem Turnus gewechselt. Im Fokus stehen Neuzugänge des Museums. Das Präsentationskonzept verfolgt mehrere Anliegen. Neben dem Aspekt der Transregionalität erhält die Gegenwartskunst Ostasiens in einem dedizierten Ausstellungsraum dauerhaft sichtbare Präsenz am MOK. Weiters tragen die Exponate als rezente Erwerbungen Aktualität von individueller Bedeutung. Ihre Bandbreite vermittelt die diversen Sammlungsinteressen des Museums; ihre gemeinsame Präsentation die unterschiedlichen Formen des strategischen Erwerbs durch Ankäufe, Schenkungen und Dauerleihgaben. So initiiert die Ausstellungsfläche nicht zuletzt eine Plattform, um den Privatpersonen, gemeinnützigen Vereinen, Stiftungen und weiteren Institutionen sowie der Stadt Köln für ihre Unterstützung und das ins MOK gesetzte Vertrauen bei der Erweiterung seiner Sammlung zu danken. Alle Neuerwerbungen gilt es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und angemessen zu würdigen.

 

Mit maximalem Gestaltungsspielraum ermöglicht Ostasien in Bewegung einen aktiven Dialog zwischen Objekten verschiedener Epochen, Regionen und Gattungen. Thematisch oder materiell verwandte Gegenstände treten hierbei direkt in Begegnung und Austausch; ebenso unterschiedliche, zugleich miteinander verbundene Generationen von Künstlerinnen und Künstlern. In Einzelfällen werden Beispiele aus den alten Museumsbeständen zur Gegenüberstellung und Interaktion hinzugezogen: aktuell etwa eine chinesische Teeschale aus der Südlichen Song-Dynastie (1126–1279), eine Landschaftsdarstellung des taiwanischen Tuschekünstlers Liu Kuo-sung (*1932) und eine abstrakte Malerei koreanischen Minimalisten Lee Ufan (*1936). Neubetrachtungen und Neubewertungen dieser Objekte setzen sich in Gang und demonstrieren die dynamische Natur der Kunstgeschichtsschreibung.

 

Die Neuzugänge schärfen das Sammlungsprofil das MOK als Museum der Gegenwart und setzen nachhaltige Zeichen beim systematischen Ausbau bestimmter Bereiche: darunter moderne und zeitgenössische Kunst, Kunst aus Korea, Kunst von Frauen sowie Kulturen und Traditionen übergreifende Positionen divers geprägter Künstlerinnen und Künstler mit Ostasienbezug.

 

Die Präsentation wird kuratiert von Dr. Shao-Lan Hertel.

06.11.25 - Auf unbestimmte Zeit

Lebendige Bilder – Buddhistische Rituale in der Kunst Chinas, Japans und Koreas

Die Ausstellung widmet sich dem Ritualgebrauch von Kunstwerken und beleuchtet einige der wichtigsten Zeremonien für den ostasiatischen Kulturkreis. Die religiöse Praxis im Buddhismus ist wie in anderen Religionen geprägt von Ritualen, die zu verschiedenen Zeiten und unterschiedlichen Zwecken von Mönchen, Nonnen und Laien durchgeführt werden. Im buddhistischen Jahresablauf spielen bestimmte Feiertage, an denen man zum Beispiel die Geburt oder den Tod des Religionsgründers, des historischen Buddha Shakyamuni feierlich begeht, aber auch Fastenfeste, Tempelgründungen oder Jahreszeitenrituale eine große Rolle. Im Zentrum stehen Kultbilder verschiedener Buddhas, Bodhisattvas (Erleuchtete, den Lebewesen in dieser Welt helfend), bedeutender Mönche oder Patriarchen. Rituelle Kultgegenstände wie wirkmächtige Szepter (skt. vajra), Glocken oder Weihrauchgefäße finden in den Zeremonien Verwendung.

 

In der Ausstellung verweist eine kleine vergoldete, sino-tibetische Plastik des kindlichen Buddha auf die Feierlichkeiten zu Buddhas Geburtstag am 8. Tag des 4. Mondmonats, eine japanische Hängerolle von Buddhas Eingang ins Vollkommene Nirvana, auf die jährliche Erinnerung an seinen Todestag am 15. Tag des 2. Mondmonats.

 

Rituale vor den Altären einzelner Gottheiten wurden täglich in den Tempelhallen, separaten oder privaten Andachtsräumen vollzogen. Hierzu präsentiert die Ausstellung eine der bedeutendsten japanischen buddhistischen Skulpturen des Museums, einen Buddha Vairocana des frühen 12. Jahrhunderts.  Ergänzend sind ausgewählte Ritualgeräte zu sehen, darunter eine Vajra-Glocke und ein Vajra-Szepter, die in den geheimen Zeremonien der esoterisch-buddhistischen Schulen dieses Buddhas Verwendung fanden.

 

Die Verehrungsmethoden in der »Schule des Reinen Landes«, die dem Buddha Amitabha gewidmet waren, zielten auf das einfache Volk der Laienanhänger und propagierten eine simple Anrufung des Namens des Buddha Amitabha. Auch hierzu bietet die Ausstellung eindrucksvolle Bildbeispiele, wie eine verkleinerte Kopie des monumentalen Taima-Mandalas oder japanische Skulpturen des zu dem Gläubigen herabgleitenden Buddha und seiner beiden Begleiter.

 

Dem Bodhisattva Kshitigarbha, der die Verstorbenen aus der Hölle zu befreien vermochte, waren an den ostasiatischen Tempeln eigene Hallen geweiht, in denen er mit zehn Höllenkönigen residierte. Eine koreanische Hängerolle eines dieser Höllenkönige zeigt, wie Spendenrituale in diesem Kontext gestaltet waren.

 

Auch alltägliche Reinigungs- und Meditationsrituale, die den Weg zur Erleuchtung ebnen sollen, haben sich in Texten oder Bildrollen erhalten. Weitere Rituale im Tempel, aber auch im öffentlichen oder privaten Kontext dienten der Erlangung von Wünschen (Geld, Erfolg, langes Leben) oder der Abwehr von Übeln (Krankheit, Missernten, Verbrechen). Buddhistische Laienanhänger spendeten hier zumeist Geld für Weihrauch, Blumen oder Speisen. Auch die Stiftung und Weihe von Skulpturen, Stelen und das Kopieren von buddhistischen Texten, ebenso wie die rituelle Umrundung eines Stupa lassen sich anhand der Ausstellungobjekte, wie der chinesischen Abreibung eines der vier Eingangsreliefs der berühmten Großen »Wildganspagode« in Xi’an nachvollziehen.

 

Dem letzten Raum ist die Rekonstruktion der typisch koreanischen Konsekrierung eines buddhistischen Bildes gewidmet, der Bulbokjang-Zeremonie (wörtl.: »Im Innern des Buddha verbergen«), die am Museum für ostasiatische Kunst Köln stattfand. Jedes buddhistische Bildwerk wird durch eine solche Augenöffnungszeremonie in ein wirkmächtiges Kultbild verwandelt. Ein besonderes Merkmal der koreanischen Praxis seit dem 18. Jahrhundert ist dabei das Einfügen von Texten und anderen sakralen Objekten, die in einem Beutel oder Päckchen an der Rückseite der Skulpturen befestigt oder auf die Rückseite von Hängerollen aufgebracht werden.

03.12.25 - 31.01.27

Zum Mondjahr des Pferdes – Ein Galopp durch Zeit und Raum

Seit über zwei Jahrtausenden prägt das Pferd die Künste und Kulturen Ostasiens – als himmlisches Reittier, Statussymbol und Sinnbild für Stärke, Macht und Tugend. Zum Mondjahr des Feuerpferdes, das in China, Korea und Japan am 17. Februar 2026 beginnt, veranschaulichen Malereien und Kalligrafien, Keramiken und Porzellane, Bronzeskulpturen und Lackobjekte die vielschichtige Bedeutung des Pferdes vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis in die Moderne.

 

Die mythologische Bedeutung des Pferdes illustrieren skulpturale Grabbeigaben für das Leben im Jenseits sowie Darstellungen, in denen es Gottheiten und Menschen auf übernatürlichen Himmelsreisen begleitet.

 

Die Verwendung von Pferden im Militär machte den Besitz starker Pferde seit der Frühzeit zur Voraussetzung für die erfolgreiche Verteidigung des Staates und Eroberungszüge. Dies wird durch Schlachtenszenen sowie Generals- und Beamtenporträts veranschaulicht.

 

Die Kunst der Tang-Dynastie (617–907) bezeugt eindrucksvoll die Bedeutung des Pferdes als wichtige Handelsware der Seidenstraße und als Tributgeschenk zwischen dem chinesischen Kaiserhof und den nördlichen Steppenvölkern. Über seine militärische und ökonomische Nutzung hinaus wurde das Pferd unerlässlich für die Jagd, was sich vor allem in der Kunst der Qing-Dynastie (1644–1912) widerspiegelt.

 

In der japanischen und koreanischen Malerei begegnet man dem Pferd vor allem als Begleiter von Samurais, Gelehrten und Reisenden. Seit der Meiji-Zeit (1868–1912) wird es auf profanen Holzschnitten abgebildet, beispielsweise auf einer Pferderennbahn, sowie als Ornament kunsthandwerklicher Objekte. Kunstvoll gefertigte Reitaccessoires, wie Sattel, Steigbügel und Zaumzeug veranschaulichen seine Rolle als Macht- und Statussymbol der Oberschichten.

 

Kurator: Dr. Daniel Suebsman

23.04.26 - 25.10.26

99 Schalen – ein Kosmos. Zeitgenössische Keramik von Young-Jae Lee

Im Foyer des Museums für Ostasiatische Kunst begegnen sich Architektur, Natur und zeitgenössische Kunst. 99 handgefertigte Schalen der international renommierten Keramikerin Young-Jae Lee (*1951) treten in einen wechselwirkenden Dialog mit ihrem Umfeld.

Die Installation lädt die Besuchenden ein, die Hektik der Alltagswelt zu verlassen und in den entschleunigten Raum des Museums hineinzutreten. Die kleinformatigen, in ihrer Form reduzierten sowie Farbgebung subtil nuancierten Gefäße verkörpern in der Gesamtheit mehr als ein vermeintlich uniformes Ensemble: Beim genauen Betrachten offenbart sich jede Struktur des Tons, jeder Farbverlauf der Glasur anders und einzigartig.

 

So verweist der Ausstellungstitel auf Lees kreative Vision, die der Auswahl an 99 Schalen zugrunde liegt und diese als kollektiven Kosmos vereint. Zugleich wird das Einzelstück in seiner Individualität hervorgehoben: Serialität und Reproduktion stehen hierbei genauso im Zentrum wie Abweichung und Transformation, schließen sich nicht gegenseitig aus. Die Objekte – ob im Einzelnen oder als Ensemble – kristallisieren den Blick der Betrachtenden in der erlebten räumlichen Umgebung. Eine meditative Kontemplation befördert die Begegnung zwischen Mensch und Exponat, ermöglicht dynamische Wechselblicke im Ausstellungsraum und dessen Architektur; zwischen innenliegendem japanischem Garten und außenliegender See- und Parkanlage. Naturprozesse, darunter die veränderlichen Formen von Tageslicht, Schattenspiel, Wetterlage und Jahreszeit, prägen das individuelle wie gemeinsame Erfahren eines raumzeitlichen Gesamtkunstwerks.

Die gebürtige Südkoreanerin Young-Jae Lee zog 1972 nach Deutschland und leitet seit 1987 die Keramische Werkstatt Margaretenhöhe in Essen, die 1924 gegründet, in der modernen Tradition des Bauhaus steht. Seit über fünf Dekaden bezeugt Lees beruflicher und künstlerischer Werdegang auf einzigartige Kulturen übergreifende Weise die kontinuierliche Synthese traditionellen Kunsthandwerks und kreativen Pioniergeistes. 

 

Ein breit gefächertes Rahmenprogramm umfasst unter anderem die Vorführung einer koreanischen Teezeremonie durch die Künstlerin Iden Sungyoung Kim, ein Gesangskonzert der Sopranistin Sunja Wehmeier sowie einen Artist Talk mit der Keramikerin Young-Jae Lee. Im Zusammenspiel mit der Ausstellungspräsentation im Museumsfoyer bieten die öffentlichen Events den Besuchenden eine sinnliche Bereicherung bei ihrer Annäherung an die Kunst und Kultur Koreas.

18.06.26 - 31.01.27

Schichten und Schnitte – Chinesische Lackkunst

Seit Jahrtausenden zählt der Saft des Lackbaums zu den kostbarsten Werkstoffen Ostasiens. Er wird zum Beschichten, Imprägnieren und Färben von Holzobjekten und Keramiken verwendet und bringt Oberflächen von außergewöhnlicher Tiefe, Glanz und Widerstandskraft hervor.

 

Die Herstellung kunsthandwerklicher Schnitzlackarbeiten etablierte sich in der Song-Dynastie (960–1279) und entwickelte sich zu einer hochkomplexen Technik von beeindruckender Präzision. Dutzende hauchdünn aufgetragene Einzelschichten werden über Wochen hinweg getrocknet und in präzisen Schnitten reliefartig gestaltet. Durch verschiedenfarbige mit Mineralpigmenten eingefärbte Schichten werden dabei fein abgestimmte Kontraste und Konturen erzeugt. Charakteristisch ist das leuchtende Zinnoberrot, das bis heute als Inbegriff chinesischer Schnitzlacke gilt, aber auch im Bereich der Schwarzlacke und Perlmuttintarsien entstanden herausragende künstlerische Arbeiten. Die filigranen Dekore der Schnitzlacke beziehen sich meist auf Mythen und Symbole des Daoismus und Buddhismus sowie auf die Vogel- und Blumenwelt.

 

Die Sonderausstellung vereint rund 60 bedeutende chinesische Lackarbeiten vom 12. bis ins frühe 17. Jahrhundert aus einer Kölner Privatsammlung und wird durch ausgewählte Werke aus der Museumssammlung ergänzt. Zu den besonderen Höhepunkten zählen die bislang kaum erforschte Gruppe der Yunnan-Lacke der Yuan-Dynastie (1279–1368) sowie die aufwendig gefertigten Stücke für den Kaiserhof der Ming-Dynastie (1368–1644).

Standort
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Universitätsstraße 100, 50674 Köln
Öffnungszeiten
Montaggeschlossen
Dienstag11:00–17:00
Mittwoch11:00–17:00
Donnerstag11:00–17:00, jeder 1. Donnerstag im Monat (außer Feiertags): 11:00–22:00
Freitag11:00–17:00
Samstag11:00–17:00
Sonntag11:00–17:00
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